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Mönchengladbach: Max Eberl: „Der Weg ist gefunden, aber man kommt nie an“

Mönchengladbach : Max Eberl: „Der Weg ist gefunden, aber man kommt nie an“

„Halt Pohl!“ riefen die Mönchengladbacher Narren beim traditionellen Umzug am Karnevalsdienstag, dieses Jahr noch inbrünstiger denn je. „Halt die Stange!“ lautet die Übersetzung des Schlachtrufes. Und Max Eberl erhörte ihn: Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor hält seinem Bundesliga-Klub die Stange und wechselt nicht zu den Großkopferten, zu Bayern München.

Sollen wir über Ablösesummen für Bundesliga-Manager reden?

Eberl: Bitte nicht!

Stimmt es dann ebenfalls nicht, dass Ihr Wechsel zu Bayern geplatzt ist, weil Sie Chefscout Steffen Korell, Geschäftsführer Stephan Schippers und Nachwuchsdirektor Roland Virkus mitnehmen wollten?

Eberl: Ich habe mich für Borussia Mönchengladbach entschieden. Das hat nichts mit Geld, nichts mit Forderungen zu tun, nur mit den Empfindungen des Max Eberl.

Ist solch eine Findungsphase nicht auch hilfreich dabei, das große Ganze einmal etwas distanzierter zu betrachten und zu sehen, was eventuell noch zu verbessern ist?

Eberl: Nachdenken schadet nie. Darüber zum Beispiel, was man hat, wo man hin will. Nachdenken darüber, was zu verbessern ist, machen wir permanent, vor allem auch im Team. Nur verwalten ist nicht genug. Es ist ein Entwicklungsprozess, mit dem wir uns permanent beschäftigen. Das wollen wir gemeinschaftlich machen, auch mit den Fans. Der Weg ist gefunden, man kommt aber nie an.

Was ist die größte Aufgabe?

Eberl: Spieler zu holen und eine gute Mannschaft zu formen.

Am Beispiel von Mo Dahoud, einem Spieler aus der eigenen Jugend, der zu Dortmund wechselt, und László Bénes, der ihn womöglich beerbt: Hat sich Borussia von einem Ausbildungs- zu einem Weiterbildungsverein gewandelt?

Eberl: Nein, ich will nicht so ein Etikett haben, generell machen wir nichts anderes als zuvor. Mit wem haben wir Martin Stranzl oder Roel Brouwers ersetzt? Mit Andreas Christensen. Wir werden keinen neuen Dahoud finden, wir müssen Leute wie Bénes und Christensen finden. Wir sind immer noch der gleiche Verein. Ich will nicht für andere Vereine Spieler aus- oder weiterbilden.

Ich will Borussia deutlich besser machen — mit jungen Spielern. Wir werden keinen Weigl, keinen Keita bekommen. Also müssen wir ein Jahr vorher aktiv werden und zuschlagen. Bevor diese Spieler bekannt sind, wie eben bei Christensen, der ja auch für alle Medien ein unbeschriebenes Blatt darstellte. Wir müssen ausbilden, ausleihen, dazukaufen. Alles wie gehabt.

Es ist also nicht besorgniserregend, wenn nach Dahoud sich plötzlich niemand mehr als Hoffnungsträger aus dem eigenen Nachwuchs aufdrängt?

Eberl: Nicht jeder Jahrgang ist gleich prickelnd. Es kann passieren, dass man auch mal drei Jahre warten muss. Das ist wie mit einem guten Wein. Spezielle Jahrgänge besitzen besondere Qualität. Auch bei den Bayern kommt nicht jedes Jahr ein Philipp Lahm raus.

Ihr Trainer arbeitet gerne mit echten Mittelstürmern. Müssen Sie bei Ihrer Personalpolitik umdenken, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Mannschaft gegen Hertha erneut viele Chancen liegengelassen hat?

Eberl: Wir haben Josip Drmic, der eine typischere Nummer neun ist als etwa Raffael, Stindl oder Hazard. Aber wenn wir über Torgefährlichkeit reden, müssen Sie bedenken: Wir hatten in der vergangenen Saison mit 63 Treffern den drittgefährlichsten Sturm. Also ist es kein Problem mit dem Toreerzielen.

Dahinter steckt etwas anderes. Wenn Sie sich die Einsatzzeiten unserer Stürmer in der Bundesliga anschauen. Diese haben verletzungsbedingt mindestens ein Drittel der Zeit gefehlt. Und dann hatten sie mitunter Schwierigkeiten, wieder in Form zu kommen. Dann fehlt uns diese Qualität. Aber man darf das Problem nicht auf den klassischen Neuner reduzieren.

Also ist der kein Thema?

Eberl: Hecking arbeitet gerne mit Mittelstürmern. Vordergründig müssen wir aber Ersatz für Christensen und Dahoud finden. Wenn dann noch was möglich ist . . .

Sie müssen zugleich immer noch möglichst vermeiden, ihren Nachwuchsspielern wie etwa Simakala oder Sow einen fertigen Profi vor die Nase zu setzen.

Eberl: Ein Kader-Puzzle ist schwierig. Du musst alles abdecken. Wir müssen Geld verdienen, Spieler finden, die Qualität haben, das Niveau verbessern. Und wir müssen Spieler finden, die sich nach zwei, drei Jahren so toll entwickelt haben, dass große Vereine kommen könnten, dann kann es sein, dass wir Spieler verkaufen, um den Kader qualitativ breiter zu machen. Das ist verdammt schwierig. Und dann reden wir noch nicht über Charaktere, Eitelkeiten etc.

Sie haben monatelang nur die Rücklichter der Kölner gesehen. Hat das Einfluss auf das Derby?

Eberl: Letztes Jahr kamen wir mit null Punkten nach Köln. Klar ist, dass dieses Duell emotional aufgeladener ist als andere Spiele. Die Tabelle ändert daran nichts. Es geht um drei Punkte. Um den Sieg. Diesmal sind wir die Jäger, der FC ist der Gejagte. Ende letzten Jahres standen wir auf Platz 14, neun Punkte hinter Köln. Jetzt sind es nur noch vier, und der FC steht unter dem Druck, den Europa-League-Platz verlieren zu können.

László Bénes hat ein beeindruckendes Startelfdebüt gegen Hertha gezeigt. Wird Hecking so mutig sein, ihn neben Dahoud in einem Derby noch mal zu bringen?

Eberl: Es war mutig, in der vergangenen Spielzeit in Dortmund Schulz neben Christensen in der Innenverteidigung spielen zu lassen. Das ist unser Weg. Das bleibt auch unser Weg. Bei uns dürfen die Jungen spielen, und dabei kann es auch mal schiefgehen. Das ist unser Weg, der vom Klub und auch von den Fans mitgetragen wird. War das ein großes Risiko am Mittwoch mit Bénes? Wann sollten wir ihn denn spielen lassen, wenn nicht dann?

Wenn Strobl oder Kramer fit gewesen wären, hätten sie gespielt. Das ist Fakt. Aber in der Situation war es eine Qualitäts-Entscheidung, und eine Chance für Bénes. Das ist unser Weg. Und den geht auch der Trainer mit. Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Elvedi, Christensen, Vestergaard, Wendt - Hofmann, Strobl, Dahoud, Hazard - Raffael, Stindl