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Sturm-Tage in Mönchengladbach: Marco Rose hat die Wahl

Sturm-Tage in Mönchengladbach : Marco Rose hat die Wahl

Gegen die „Wundertüte“ Hoffenheim steht Mönchengladbachs Trainer ein Überangebot an Offensivspielern zur Verfügung.

Es gibt Pa­rallelwelten – gerade auch im Fußball. Borussia Mönchengladbach bekommt das als Tabellenvierter mit vier Punkten Rückstand auf Klassenprimus Bayern München und einem Spiel weniger immer mehr zu spüren. Trainer Marco Rose erzählt von der wirklichen, der echten. „Das Thema Meisterschaft ist bei uns in der Kabine aber keins. Wenn wir von dem Medien danach gefragt werden, antworten wir vernünftig darauf.“

Es gibt aber eben auch eine Welt, die von Übertreibungen, Pauschalisierungen, Dramatisierungen lebt. In der ist jede Niederlage ein Rückschlag oder gar eine Minikrise, jeder Erfolg ein grandioser und der nächste Schritt zum Titelgewinn. Munition dafür liefern sogar Partien, die Wochen zurückliegen. Wie etwa das 2:2 in Leipzig, bei der Gladbach in Gleichzahl in der ersten Hälfte die wohl beste Leistung der Saison zeigte.

So weit, aber so noch nicht gut genug: Durch das 1:0 des Brauseklubs in der Champions League  bei Tottenham in dieser Woche erfährt das Remis der Gladbacher bei RB noch mal im Nachhinein eine Erhöhung. Wer solch eine Mannschaft beherrschen kann, muss zwanghaft ein Meisterschaftsanwärter sein. In Roses Welt sieht das etwas anders aus. „Vorher wurde das Thema Auswärtsschwäche gespielt, jetzt haben wir bewiesen, dass wir auch dort unsere Leistung mit Überzeugung auf den Platz bringen können.“

Erst recht nach dem 4:1 vor einer Woche in Düsseldorf. Die Heimstärke gab bislang wenig Anlass zum Nörgeln. 25 Punkte (17 auswärts) sprechen für sich. Doch der Gegner am Samstag (15.30 Uhr) im Borussia-Park bringt etwas mit, das schwieriger einzuordnen ist als das Zahlenwerk, das ihn mit ebenfalls  17 Punkten in der Fremde als auswärtsstark ausweist. 1899 Hoffenheim gilt als Wundertüte unter den Bundesligaklubs. „Wir wissen nicht so richtig, was auf uns zukommt“, sagt Marco Rose. „Grundsätzlich kommen sie über Fußball und haben eine klare Idee. Wir wissen schon, worauf es hinauslaufen soll. Aber die Grundordnung ist einfach immer wieder mal eine andere, so dass sie schwer auszurechnen sind. Es gibt keine klaren Muster.“

Womöglich denkt Alfred Schreuder ähnlich über Gladbach. Schließlich gibt Rose zu: „Wir versuchen immer, flexibel zu sein. In Leipzig hat das 3-4-2-1-System an diesem Tag gegen diesen Gegner hervorragend funktioniert. Zuletzt in Düsseldorf hat sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit in einer anderen Grundordnung wohler gefühlt.“

Auch für Hoffenheim keine leichte Aufgabe also, sich taktisch auf die Elf vom Niederrhein einzustellen. Denn deren Flexibilität hängt natürlich auch von den zahlreichen Optionen speziell in der Offensive ab. Marcus Thuram, Lars Stindl, die beide in Düsseldorf überzeugten, Alessane Pléa, der nach Gelbsperre zurückkommt und in Leipzig der überragende Spieler war, Breel Embolo und Patrik Herrmann, die beide Erstformationsqualitäten besitzen, ein Raffael, dem von Rose nach dem Schlusspfiff in Düsseldorf ein Trostpflästerchen auf seine Reservistenwunde geklebt wurde mit dem Versprechen, bald auch wieder zum Einsatz zu kommen. Und inzwischen ist auch Ibrahima Traoré wieder fit.

Viele Varianten, viel Bastelarbeiten für einen vorarbeitenden Trainer auf beiden Seiten. Und auch die Erkenntnis, dass nicht alles planbar ist. „Wir hätten natürlich gerne am Samstag die Spielkontrolle, aber Fußballspiele entwickeln sich manchmal von selbst, und bevor es ein Langweiler wird, sollte es lieber ein Schlagabtausch werden“, sagt Marco Rose.

Grundsätzlich aber erwartet der 43-jährige Fußballlehrer, dass bei der Wahl der Spielformation auch die Spieler sich mit ihren Wohlfühlerfahrungen einbringen. „Die Jungs sind in der Pflicht, Rückmeldungen zu geben.“ Dass heute kurz vor dem Anpfiff in der Kabine ein 3-4-2-1 oder 4-3-3 per Handzeichen gewählt wird, ist aber eher unwahrscheinlich. „So weit sind wir noch nicht“, grinste Rose. Womöglich ist jedoch der Tag nicht mehr fern, an dem via Akklamation der Profis das Thema Meisterschaft auch in die noch so nüchternde Welt des Marco Rose eindringt…

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Wendt - Kramer, Zakaria, Hofmann - Neuhaus - Thuram, Pléa