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Borussia Mönchengladbach: Mannschaft ohne Tempo, aber Hütter bewegt sich

Borussia Mönchengladbach : Mannschaft ohne Tempo, aber Hütter bewegt sich

Im Bundesliga-Spiel gegen Union Berlin will Borussia Mönchengladbachs Trainer Adi Hütter „einen Schritt zurückgehen“. Kritik an seiner Person hält der Österreicher für „normal“.

Womöglich üben sie bei der Ausbildung zum Fußballlehrer an der Sporthochschule Köln auch den Notfall: Ruhig bleiben in Zeiten von Krisen und Pleiten. Mimik- und Körpersprachenkontrolle inklusive. Adi Hütter braucht diese Nachhilfe nicht. Mit jeder Pore verströmt Borussia Mönchengladbachs Trainer Ruhe, nicht aufgesetzte, sondern authentische – so wie der Österreicher eh daherkommt.

Dabei stand er auf der Pressekonferenz zum Liga-Spiel gegen Union Berlin, die natürlich viel mehr eine Pressekonferenz nach der Pokal-Blamage gegen Hannover 96 war, allein im Kreuzverhör: Max Eberl hatte sich abgemeldet, der Sportdirektor ist erkrankt – „kein Corona“ wie Mediendirektor Markus Aretz betonte.

Hektik, flatterhaftes Benehmen, Ratlosigkeit, blinder Aktionismus – all die kontraproduktiven Fluchten eines schwächelnden Protagonisten sind von Routinier nicht zu erwarten. „Ich bin nicht ansatzweise ratlos.“ Und selbst die aufkommende Kritik an ihm, hält er für „normal“. Doch der 51-Jährige gibt zu: „Das ist gerade die schwierigste Situation in meiner 13-jährigen Tätigkeit.“

Das verflixte 13. Jahr: Seine Mannschaft ist für kaum einen Gegner noch eine Herausforderung, für ihren Trainer allerdings wohl. Anlässe hatte es in dieser Spielzeit bereits einige gegeben, die Herausforderung, die das Team Hütter mit dem Debakel in Hannover bereitete, ist die prekärste. Eine Menge an Pfeilen aus dem Fußballlehrer-Köcher hat er bereits verschossen, was also bleibt da noch, um eine dauerentgleisende Bimmelbahn wieder in die Spur zu bringen?

Kern der Erkenntnisse nach dem Pokal-Aus ist neben dem Fehlen einer aktiven Verteidigung der eklatante Mangel an Geschwindigkeit im Spiel nach vorn. Wie bereits in der zweiten Hälfte gegen Bayer Leverkusen torpedierte diese Malaise jeden Ansatz auf einen offensiven Ertrag. Vertrauen braucht es, um Kombinationen durch Tempo effektiv zu machen. Seine Mannschaft besitzt es nicht. Ebensowenig eine kollektive Spielidee, obwohl sie ihr immer und immer wieder vorgegeben wird. „Jeder ist allein unterwegs“, kritisierte Hütter.

Da es auf Seiten seiner Profis keine Entwicklung gibt, will sich ihr Trainer bewegen und es den Unbelehrbaren einfacher machen: Glabachs Trainer will für die Aufgabe gegen Union Berlin über seinen fußballphilosophischen Schatten springen. „Vielleicht müssen wir mal einen Schritt zurückgehen, um der Mannschaft Stabilität und Sicherheit zu geben“, führte Hütter aus. „Das entspricht eigentlich nicht meiner Spielweise, aber vielleicht muss man da als Trainer auch mal umdenken und einen anderen Weg einschlagen.“

Bitter nötig, denn zuletzt verpufften alle Maßnahmen, die Zahl der Gegentore ernsthaft zu reduzieren. Selbst ein weiterer gestandener Innenverteidiger vermochte nicht, das morsche Defensivkonstrukt abzustützen: Marvin Friedrich. In Hannover hat Hütter die Leistung des Neuzugangs weniger gut gefallen als beim Debüt gegen Leverkusen. Doch gerade fürs schnelle Wiedersehen des Ex-Unioners mit seinem ehemaligen Club könnte die Umstellung auf ein tieferes Stehen helfen. „Unsere Spielweise ist komplett anders. Wir haben andere Abläufe, wir verteidigen anders als Union“, erklärte der Gladbach-Coach die Anpassungsschwierigkeiten. Zu häufig für Hütter ging der ehemalige Unioner nicht einen Schritt vor, sondern zurück. Die nun modifizierte Spielweise könnte Friedrich deshalb entgegenkommen.

„Ich will aber keine Kämpfertruppe aus der Mannschaft machen“, sagt der Trainer. Eine Verbindung von Einsatz und Fußballerischem fordert er nicht zum ersten Mal. Dabei helfen könnte Jonas Hofmann, der anders als Christoph Kramer wieder fit ist. „Aber er kann nach fünf Wochen Verletzungspause kein Heilsbringer sein.“ Mehr Tiefenläufe, mehr Torgefahr wären aber schon mal eine Hilfe. Eine nachhaltige Heilsbringung kann – was ausgerechnet Gegner Union Woche für Woche demonstriert – immer nur eine kollektive sein.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Ginter, Elvedi, Friedrich - Lainer, Zakaria, Koné, Scally - Stindl, Hofmann - Embolo