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Mönchengladbach: Mahner Jantschke: „Vergesst nicht: Das ist Bundesliga!“

Mönchengladbach : Mahner Jantschke: „Vergesst nicht: Das ist Bundesliga!“

Die 94 Minuten steckten mächtig in den Knochen, wahrscheinlich noch mehr in den Muskeln und wohl auch in der Psyche der Mönchengladbacher Kicker: 1:2 verloren in einem hart umkämpften Spiel gegen RB Leipzig. Und Tony Jantschke befand sich immer noch im Kampf-Modus.

„Vergesst nicht: Das ist Bundesliga“, ermahnte er die Journalisten, die nach Erklärungen für die zweite Pflichtspiel-Niederlage in Folge suchten. „Da ein Muster zu sehen, ist albern“, ereiferte sich der Abwehrspieler. Das unglückliche 0:1 gegen Florenz, jetzt die erste Niederlage in der Bundesliga unter Dieter Hecking. „Leipzig ist eine gute Mannschaft, die sind Tabellenzweiter — vergesst das nicht.“

 Vielleicht ist der Fan-Protest (kleines Foto) ein kleiner Trost für Gladbach: Leipzigs Torwart Peter Gulacsi hält den Elfmeter von Thorgan Hazard.
Vielleicht ist der Fan-Protest (kleines Foto) ein kleiner Trost für Gladbach: Leipzigs Torwart Peter Gulacsi hält den Elfmeter von Thorgan Hazard. Foto: dpa

Der Mahner vom Borussia-Park. Und seine überlegt-analytische Sichtweise war wohltuend nach der äußerst emotionalen Schlussphase, in der die Gäste sich beim Verteidigen ihres Vorsprungs als bekannt clever erwiesen und nicht nur Gladbach, sondern mitunter auch Schiedsrichter Felix Zwayer dieser Cleverness nicht gewachsen schien.

Nicht gegebener Elfmeter?

„Ich bin mir nicht sicher, dass wir auswärts bei einer Führung nicht ähnlich agiert hätten“, nahm Hecking die unangenehme und zeitraubende Spielweise des Aufsteigers in Schutz. Eher schon echauffierte sich Gladbachs Trainer über einen nicht gegebenen Elfmeter, als Jannik Vestergaard beim Stand von 0:1 nach einer Ecke zu Boden gerissen wurde. Die nebulöse Pfeif-Art von Schiri Zwayer schürte im Laufe des Spiels zusätzlich die Emotionen.

Die hatten die Ultras zu Beginn der Partie unter Kontrolle. Das „Willkommen“ für den Ostklub fiel wie erhofft weniger beleidigend aus als zuvor in Dortmund. Die Nordkurve setzte stattdessen auf eine plakative Gegendarstellung zum Brauseklub: „Traditionsverein“ prangte auf einem einsamen Banner. Obendrein setzten sie mit 18 Schweigeminuten ein stummes Zeichen gegen den gesponsorten Gegner. Pfiffe fielen offensichtlich nicht unters Dekret, die gab‘s von der ersten Sekunde an für die Leipziger.

Falls die bereits ein wenig gemischt waren mit Sorgen oder gar Furcht, sollte sich das spätestens nach einer halben Stunde bestätigen. Emil Forsberg kam zentral zum Schuss, Yann Sommer hatte keine Chance (31.). „Das Tor darf so nicht fallen. Es war eine Aneinanderreihung kleiner Fehler“, schimpfte Hecking. Bereits zuvor waren die Gäste der Führung wesentlich näher gewesen als Borussia. Doch der Schweizer Keeper lenkte einen Flachschuss von Marcel Sabitzer mit den Fingernägeln um den Pfosten (16.).

Gladbachs Spiel nach vorn war dagegen extrem störungsanfällig. Technische Unzulänglichkeiten oder ungewöhnliche Zweikampfstärke auf Seiten der Leipziger — allen voran Keita — ließen die Kombinationsketten stets vorzeitig reißen. „Wir haben Schwierigkeiten im letzten Drittel“, bemängelte Gladbachs Trainer nicht zum ersten Mal. Und wenn Hecking sagt, „die effektivere Mannschaft hat gewonnen“, fand der Höhepunkt der Uneffektivität seiner Mannschaft in der 45. Minute statt: Marvin Compper hatte Lars Stindl im Strafraum zu Fall gebracht, Thorgan Hazard scheiterte mit seinem Strafstoß an RB-Torhüter Peter Gulacsi.

Drei Chancen, zwei Tore

Seine Klasse demonstrierte Leipzig beim 2:0: Forsberg schickte Timo Werner auf die Reise, der Sprinter überwand Sommer aus spitzem Winkel (55.). „Die hatten drei klare Chancen im gesamten Spiel und haben daraus zwei Tore gemacht“, seufzte Jantschke fast resignierend. „Etwas hat mich das ans Spiel gegen Florenz erinnert.“

Es lief weiter nicht rund für Borussia. Aber vielleicht ist das auch kaum möglich gegen diese zweikampf- und laufstarken RB-Kicker. Doch der unbändige Wille, es doch noch zu drehen, war jede Minute zu spüren. Raus kam allerdings nur das 1:2 durch Vestergaards Kopfball (81.), sein erstes Tor für Borussia. „Das bringt nicht viel, wenn man als Verlierer dasteht“, ärgerte sich der Abwehrhüne. „Aber zumindest ist bei mir jetzt der Knoten geplatzt.“

Die Geduld bei seinem Trainer noch nicht. „Wir haben erneut einen großen Fight gezeigt.“

(dpa)