1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Mönchengladbach: Kullerball ins Gladbacher Glück

Mönchengladbach : Kullerball ins Gladbacher Glück

Man kann nicht gerade sagen, dass das Glück Borussia Mönchengladbach zuletzt hold war. Weder in den Spielverläufen der beiden Europa-League-Spielen gegen den FC Sevilla, noch fast schon traditionell zuvor bei der Auslosung. Am Sonntag aber scheint die Gerechtigkeit, wenn es sie im Fußball gibt, ihren Lauf genommen zu haben — und zwar gaaaaanz langsam.

Sekundenlang war zu beobachten und für die meisten der 53.125 Zuschauer zu genießen, wie der Ball in Zeitlupe zur Entscheidung ins Paderborner Tor kullerte. Riesen-Jubel mit Anlauf: Pa—trick Herrmanns abgefälschtes Schüsschen besiegelte den 2:0-Sieg der Gladbacher (81.) und belohnte eine Szene wenige Sekunden zuvor: Max Kruse hatte einen vielversprechenden Angriff der Borussia abgebrochen und den Ball ins Aus gekickt, weil der Paderborner Lukas Rupp sich in der Gladbacher Hälfte nach einem Zweikampf mit Granit Xhaka vor Schmerzen am Boden wälzte. Fairplay statt der möglichen Spielentscheidung — das verdiente Glück war aber nur aufgeschoben.

„Es waren keine schönen Tore, aber Hauptsache getroffen“, reduzierte Yann Sommer die B-Note. Denn dem Keeper war natürlich nicht entgangen, dass auch das 1:0 einem abgefälschten Schuss des stark aufspielenden Fabian Johnson entsprang (18.), der gemeinsam mit Ibrahima Traoré die Außenbahnen beackerte. „Er hat Fuß gefasst“, lobte Max Eberl den Auftritt des US-Amerikaners, der bisher als einziger Neuzugang noch nicht nachhaltig seine Qualitäten zeigen konnte. „Er war gut“, bestätigte auch Trainer Lucien Favre das Urteil seines Sportdirektors. „Alle Außenspieler profitieren von der unglaublichen Konkurrenz. Sie müssen immer Gas geben.“

Das schaffte am Sonntag die komplette Gladbacher Mannschaft, auch wenn die Rest-Müdigkeit aus dem aufreibenden Sevilla-Spiel nicht zu übersehen war. „Wir haben uns vor der Partie noch mal heiß gemacht“, berichtete Kapitän Martin Stranzl. „Es war eines der wichtigsten Spiele.“

Bis dahin hatte Borussia kein Bundesligaspiel nach einem Europapokal-Auftritt gewonnen. Das 2:0 brach den Bann und festigte mit vier Punkten Vorsprung vor Bayer Leverkusen und fünf Zählern vor Schalke 04 Platz 3 in der Tabelle.

40 Punkte nach 23 Spielen — doch Max Eberl verkniff sich den Scherz, dass damit der Klassenerhalt gesichert ist. „Der Sieg war wichtig, genau wie die Einstellung“, analysierte der Manager. „Zweidrittel der Saison ist vorbei — und wir haben eine herausragende Ausgangslage, nicht mehr und nicht weniger.“ Und Andeutungen aus der Branche — Gladbach könnte im Sommer einer weniger sein, parierte Eberl: „Max Kruse ist bei uns, er fühlt sich wohl — und so soll es auch bleiben.“ Der Stürmer wird wohl vom BVB geködert.

Die Gladbacher Spieler mussten sich das Wohlfühlen auf dem Platz erkämpfen. Die ersten Minuten zeigten Raffael & Co. noch immer im Sevilla-Modus: offensiv, aber hinten anfällig, vor allem durch überhastete Zuspiele, die überproportional zu Fehlpässen mutierten. „Es war das erwartet schwere Spiel, wir mussten um jeden Meter kämpfen“, beschrieb Martin Stranzl. „Plötzlich haben wir angefangen zu spielen“, wunderte sich Lucien Favre. Irgendwas hatte die Gladbacher Angriffsmaschinerie angeworfen. Allen schweren Beinen zum Trotz lief es von einer Minute zur anderen rund. Fabian Johnson übte einmal (15.), bis er Paderborns Keeper mit seinem zweiten Schuss, unhaltbar abgefälscht von Patrick Ziegler, zum 1:0 überwand. „Natürlich war das glücklich“, urteilte Gäste-Trainer André Breitenreiter. „Aber das Tor hat sich angedeutet.“ Ziegler war anschließend nur Zentimeter davon entfernt, Gladbach bereits früh auf die Siegerstraße zu bringen. Doch sein Schuss nach einem Solo-Lauf Traorés auf der Grundlinie prallte gegen den Pfosten des Paderborner Tores (26.).

Gladbach blieb dominant über 90 Minuten, aber leistete sich den gefährlichen Luxus, beste Chancen (Raffael mit „Köpfchenball“/47.) zu vergeben. Doch Kruse und Herrmann zwangen stellvertretend für eine kämpfende Mannschaft das Glück mit ihrem 2:0-Fairplay-Glückstor.