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Dortmund: Kramer schießt das „Kacktor des Monats“

Dortmund : Kramer schießt das „Kacktor des Monats“

In der wohl unterhaltsamsten Sportsendung des deutschen Fernsehens kürt Moderator Arnd Zeigler in der gleichnamigen „wunderbaren Welt des Fußballs“ stets das „Kacktor des Monats“. Der Schütze des Monats November steht nach neun Tagen fest.

Christoph Kramer überwand mit einer Rückgabe aus vierundvierzigeinhalb (in Zahlen: 44,5!) Metern Yann Sommer, der keineswegs zu weit vor dem Tor stand. Als mitspielender Torwart musste der Schweizer vor der 16-Meter-Linie stehen. Der Ball senkte sich über ihn, das 1:0 für Dortmund (58.), der Siegtreffer. Das Ende der Gladbacher Serie nach 18 Pflichtspielen ohne Niederlage. Und das große Aufatmen beim bisherigen Tabellenletzten.

Hochverdient ist das falsche Wort, hochhochhochverdient eigentlich auch noch. Noch höher war der Sieg verdient, denn die Leistung von Borussia Mönchengladbach lässt sich in einem Wort zusammenfassen: schlecht. Oder besser in zwei: ganz schlecht.

Ganz, ganz schlecht spielte Christoph Kramer, nicht wegen des „Kacktors“, „das kann passieren“. Seine Leistung und die der Kollegen beschrieb der Weltmeister mit dem im Fußball eher selten gebrauchten Wort „Grütze“. Denn „es ärgert mich mehr als das Tor, dass wir heute so eine Grütze gespielt haben.“

Dortmund ist raus aus der Krise (in der Liga geht das manchmal schnell), nicht nur wegen des Sieges. Sondern weil die Leistung phänomenal war (bis auf den Abschluss), genau wie das, was sich auf den Rängen abspielte. Beeindruckend war die Unterstützung, und als in der spielerisch furiosen ersten Halbzeit der Ball trotz allerbester Chancen nicht ins Tor wollte, schien die Südtribüne das Spielgerät ins Tor schreien zu wollen. Was dann Kramer erledigte...

Der 23-Jährige, der wieder einmal viel zu oft Fußball künstlerisch gestalten wollte, hatte genau wie der zur Pause wegen der Gefahr eines Platzverweises ausgewechselte Havard Nordtveit in der Zen-trale nie Zugriff auf die Partie. Stellvertretend für seine Kollegen sei Kramers Zweikampfbilanz nach 45 Minuten genannt: Unterirdische zwölf Prozent seiner Duelle entschied er für sich.

Was sich gegen Hoffenheim und in Limassol angedeutet hat, war in Dortmund von der ersten Sekunde an zu spüren. Die Akkus der Spieler sind leer, und deshalb sollte erst nach der zwölftätigen Pause und nach der Partie gegen Eintracht Frankfurt am 22. November die Leistung in Dortmund endgültig bewertet werden. Allein Abwehrchef Martin Stranzl und Torwart Sommer, der kurz vor dem Seitenwechsel mit einem spektakulären Reflex Pierre-Emerick Aubameyangs Freistoß aus 30 Metern parierte, verdienten sich eine gute Beurteilung. Gladbachs Coach Lucien Favre wollte indes den „Kopf“ und das Überspieltsein als Übel der ersten Niederlage nicht gelten lassen. „Technik spielt sich nicht im Kopf ab.“

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hatte vor der Partie die Befürchtung, Gladbach würde mit „brutalst breiter Brust“ auflaufen“, brutalst breit war nur die Brust der Gastgeber. Klopp zog verbal den Hut vor seiner Mannschaft, „in so einer Situation so selbstbewusst Fußball zu spielen“. Und der Sieg schmeckte dem Trainer nicht nur wegen des Verlassens des letzten Tabellenplatzes so gut. Er gelang gegen die „Mannschaft mit der großartigsten Entwicklung im deutschen Fußball in den letzten zwei Jahren“.

Lucien Favre entlockte Klopps Lobhudelei noch nicht einmal einen freudigen Blick, denn die Partie in Dortmund war für den Fußball-Lehrer einmal mehr der Anlass, über eines seiner Lieblingsthemen zu referieren. Das fehlende technische Tempo, bei Ball-Annahme und -Weiterleitung. „Dortmund war klar besser“, sagte Favre noch, während Klopp darüber referierte, dass seine Mannschaft trotz zahlreicher Chancen und 22 gezählten Torschüssen (Gladbach: ein Schüsschen von Patrick Herrmann) wohl kein Tor erzielt hätte. Deshalb habe Christoph Kramer „einen Platz in unserer Geschichte“. Kramer, der „Kacktor“-Schütze des Monats November.