Rottach-Egern: Knallharte Vorbereitungen für Gladbachs Blitzstart

Rottach-Egern: Knallharte Vorbereitungen für Gladbachs Blitzstart

Eine Woche durften die Profis von Borussia Mönchengladbach das gediegene Ambiente in Rottach-Egern genießen. Mehr oder weniger. Denn dort, wo die High Society flaniert und mit ihren viel zu großen Autos durch viel zu enge Straßen schleicht, blieb wenig Zeit für Müßiggang.

Ein schneller Sprung in den Tegernsee nach dem Training war das höchste der Urlaubsgefühle.

Etappenplan der 16. Etappe der Tour de France 2014 am Dienstag, 22. Juli von Carcassonne bis Bagnères-de-Luchon, Streckenprofil; Querformat 135 x 100 mm; Grafik: A. Schäfer, Redaktion: K. Klink

Ansonsten ging es intensiv zur Sache. Trainer Lucien Favre schonte seine Mannen nicht, nahm auch auf die drei Testspiele wenig Rücksicht. „Drei Partien während eines einwöchigen Trainingslagers sind schon etwas speziell“, sagte Favre. Gegen 1860 München quälte sich die Elf zu einem mühsamen 3:2-Sieg, in der Hitzeschlacht gegen den französischen Erstligisten Stade Rennes gab es ein 1:0 und gegen Stoke City aus der englischen Premier League ein 1:1.

Die schweren Beine waren den Fohlen anzumerken. Doch das war so kalkuliert. Denn die Gladbacher müssen Gas geben, um für den Blitzstart Mitte August gewappnet zu sein. Fünf Pflichtspiele innerhalb von zwei Wochen in drei Wettbewerben stehen auf dem Terminplan. Da wird ein Team benötigt, das vom Start weg funktioniert.

Wie diese Mannschaft aussehen wird, darüber kann nach dem Trainingslager nur spekuliert werden. Zum einen, weil neben Weltmeister Christoph Kramer auch noch die WM-Fahrer Yann Sommer, Fabian Johnson und Granit Xhaka fehlten. Zum anderen, weil weder im Training noch in den Testspielen klare Tendenzen zu erkennen waren. Lucien Favre testete einige Formationen, ohne dass echte Präferenzen deutlich wurden.

Vorschuss für die Elf des Vorjahres

Die Basiself des Vorjahrs dürfte einen gewissen Vertrauensvorschuss genießen. Aus der ist neben Torwart Marc-André ter Stegen nur Juan Arango ausgeschieden. Die Position des Venezolaners auf der linken Seite sollte Ibrahima Traoré einnehmen. Der ehemalige Stuttgarter überzeugte von den drei Neuzugängen bisher am stärksten. Nationalspieler André Hahn muss sich noch mit der veränderten Spielweise vertraut machen, der belgische Leihspieler Thorgan Hazard benötigt trotz seines Tores gegen Stoke City in allen Bereichen Eingewöhnungszeit.

Gleichwohl gibt es einige Fragezeichen. In der Innenverteidigung melden mit Tony Jantschke, Martin Stranzl und Álvaro Dominguez drei Spieler Ansprüche auf zwei Plätze an, hinten links duellieren sich wie in den Vorjahren „Alterspräsident“ Filip Daems und Oscar Wendt. Auf der rechten Seite muss sich Julian Korb mit Neuzugang Fabian Johnson messen. Und im defensiven Mittelfeld zeigt Håvard Nordtveit, dass sich Kramer und Xhaka trotz WM-Ehren strecken müssen.

Patrick Herrmann, bislang auf der rechten Bahn in der Offensive gesetzt, spürt den Atem von André Hahn im Nacken. Herrmann wird an Stabilität zulegen müssen, um seinen Nimbus zu wahren. Nur ganz vorne sind die Verhältnisse klar: Die Toptorschützen der Vorsaison, Max Kruse (11 Tore) und Raffael (14) sind zumindest aktuell konkurrenzlos. Hazard ist noch nicht so weit, die Alternative Branimir Hrgota zog sich einen Außenband- und Kapselriss im linken Sprunggelenk zu. Und die nach dem endgültigen Abgang von Luuk de Jong und der bevorstehenden Ausleihe von Peniel Mlapa noch eingeplanten neuen Offensivkräfte lassen auf sich warten.

„Wir werden nur dann etwas machen, wenn wir einen qualitativen Mehrwert bekommen“, sagt Sportdirektor Max Eberl. Geld ist im gewissen Rahmen vorhanden, doch es geht um „Machbarkeit und Verfügbarkeit“, wie Eberl betonte. Gesucht wird ein schneller Stürmer „mit einer gewissen körperlichen Präsenz“.

Ob das zu realisieren ist, bleibt abzuwarten. Der aktuelle Kader bietet Lucien Favre einige Alternativen. Das hat die Woche am Tegernsee deutlich gemacht.

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