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Farke zufrieden mit Generalprobe: „In der Liga wird auch nicht der Friedensnobelpreis vergeben“

Farke zufrieden mit Generalprobe : „In der Liga wird auch nicht der Friedensnobelpreis vergeben“

Mönchengladbach überzeugt beim 1:1 in der Generalprobe gegen San Sebastian eher mit „Wettkampf- und Widerstandsfähigkeit“ denn mit Spektakel.

Nach dem Abpfiff wartete vor den Borussia-Park-Toren ein Schausteller-Truck: Am Tag nach dem letzten Testspiel von Fußballl-Bundesligist Borussia Mönchengladbach gegen Real Sociedad San Sebastian war das traditionelle Familienfest zum Saisonstart terminiert. Am Samstagnachmittag war allerdings nicht der Zirkus im Stadion. Durch das 1:1 gegen den spanischen Erstligisten blieb die Mannschaft von Trainer Daniel Farke zwar ungeschlagen in den Vorbereitungsspielen, Begeisterung kam unter den 10.771 Zuschauern aber selten auf. Gladbachs Trainer präsentierte dafür eine Erklärung. „San Sebastian ist für mich eine Mannschaft auf europäischem Topniveau, hat sich unter den ersten Vier der Prima Division etabliert“, sagte Daniel Farke. „Und auf diesem Topniveau spielst du nicht immer fließenden Fußball, der den Zuschauer von den Sitzen reißt.“ Es war ein taktisch geprägtes Spiel, und gerade deshalb war der 45-Jährige mit der Leistung seiner Mannschaft vor allem in der ersten Hälfte „sehr zufrieden“.

Ungeschlagen in der Vorbereitung, torhungrig vor allem gegen die Drittligisten, doch der avisierte Ballbesitzfußball bekam vor allem gegen Erstligisten wie Lüttich und San Sebastian seine Grenzen aufgewiesen. Nach der Pause am Samstag gelang den Gastgebern mit einer 1:0-Führung im Rücken nur noch kaum etwas nach vorn. Ball-Staffetten eh nicht mehr, aber auch die langen Schläge fanden nicht mehr ihre Adressaten. Aber auch diese (Lang-)Phase interpretierte Farke pädagogisch positiv. „San Sebastian ist sehr, sehr stark im Ballbesitz, und dagegen brauchst du eine gewisse Leidensfähigkeit.“

Man merkt deutlich, wohin der England-erfahrene Coach sein Team entwickeln will: Zauberfußball steht nach den schlechten Erfahrungen der vergangenen Saison erst mal nicht auf dem Lehrplan. Sein Fazit eine Woche vor dem Pokalspiel und nach sechs Wochen Vorbereitung: „Wir sind kompetetiv, wettkampffähig! Das ist, was ich von meiner Mannschaft erwarte: dagegenhalten. In der Bundesliga wird auch nicht der Friedensnobelpreis vergeben.“

Die dazu grundlegende Haltung sieht Gladbachs Trainer verankert. Gerade auch, weil trotz der Verletzungsprobleme in der letzten halben Stunde seine Schüler sich mit viel Willen erfolgreich gegen die Niederlage stemmten. „Resilienz“ attestierte ihnen Farke. Dem fußballerischen Thema Ballbesitz setzen fragile Personalsituationen Grenzen. Dieser benötigt Automatismen. Schwierig zu verinnerlichen, wenn nicht feststeht, wer den Verein noch verlässt, wer noch kommt. Zudem schlägt das Verletzungspech verstärkt zu. „Wir haben in der zweiten Halbzeit gefühlt die ganze Zeit in Unterzahl gespielt, weil irgendeiner immer gehumpelt ist und wir gar nicht so schnell auswechseln konnten.“

Das (be)traf Christoph Kramer (Schlag auf den Oberschenkel), Markus Thuram (Schlag auf die Wade) und Nico Elvedi (Schlag auf den Knöchel). Dieses ärztliche Bulletin war lediglich die Ergänzung einer schon vorher existierenden Personalknappheit: Manu Koné befindet sich nach wie vor im Aufbautraining, laut Farke aber sieht man Licht am Ende des Tunnels, Jordan Beyer (leichte Muskelverletzung), Hannes Wolf (Einblutung im Oberschenkel), Tobias Sippel (Corona-Fall im direkten Umfeld), Marvin Friedrich (Muskelfaserriss – Farke: „zum Glück nur ein leichter“) und Alassane Pléa (Schlag auf die Wade) fielen aus.

Speziell im Fall Pléas möchten die Fans diese Begründung eines Nichteinsatzes am Samstag nur zu gerne glauben: Der Franzose, in der Vorbereitung Borussias bester Stürmer, wird von einigen Clubs umworben. Sollte der 29-Jährige Borussia verlassen, werden die Probleme in der Offensive immens. Am Samstag liefen dort Thuram, Jonas Hofmann, Lars Stindl und Patrick Herrmann auf. Doch als Thuram runtermusste, Hofmann von Krämpfen geplagt war, wurde die mangelnde Durchschlagskraft überdeutlich.

Thuram, Gladbachs einziger Strafraumspieler, war direkt vor der Halbzeit von Robin Le Normand von den Beinen geholt worden. Ramy Besebaini drosch den Strafstoß zum 1:0 in die Maschen (45.). Einen zweiten Elfer wurde dem wuchtigen Franzosen verwehrt (56.). Was ebenso in Farkes Analyse einfloss wie der Ausgleich wenig später. Der eingewechselte Jon Karrikaburu erzielte am Fünfmeterraum per Fallrückzieher das 1:1 (62.). Hochverdient, aber dennoch monierte Farke: „Er hat Ko Itakura fast den Kopf abgetreten. Wenn wir durch einen zweiten Elfer 2:0 führen und der Fallrückzieher abgepfiffen wird, ist das Spiel entschieden“, so sein Coach.

Zumindest rettete Yann Sommer mit starken Paraden das Remis. Das wird nicht immer gelingen, weiß Farke. „Wichtig ist, nach der ein oder anderen Verstärkung Ausschau zu halten. Wir dürfen den jungen Stürmern nicht zu viel Last aufbürden.“