Interview mit dem Trainer: Heckings „Endspiel“ ist ein Endspiel

Interview mit dem Trainer : Heckings „Endspiel“ ist ein Endspiel

Klar, es ist ein Endspiel für Borussia Mönchengladbach. Wie jedes am 34. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Doch nie zuvor trifft der Wortsinn auch auf andere Konstellationen zu. Es ist auch das letzte Spiel für Trainer Dieter Hecking.

 „Ich bin nicht wichtig“, wehrt sich der 54-Jährige sofort gegen jegliche Gefühlsaufwallung. „Ich spiele keine Hauptrolle, wichtig ist nur, dass wir versuchen wollen, das Spiel zu gewinnen.“

Es wäre für den Routinier ein persönlicher Triumph, nachdem ihm der Klub in Person von Sportdirektor Max Eberl nicht zutraut, die Mannschaft auf die Zukunft auszurichten. Es wäre auch ein Triumph für den Klub. Denn mit einem Dreier müsste Konkurrent Bayer Leverkusen in Berlin ein Kantersieg gelingen, um noch an den punktgleichen Niederrheinischen vorbeizuziehen.

Ein Finale um Platz vier, um den Champions-League-Platz, der Einnahmen von mindesten 30 Millionen Euro bringen würde. Aber kein Spiel um „Alles oder Nichts“, es geht um „Alles oder Etwas“: Die Hecking-Elf spielt mit Netz, der Absturz aus der Champions-League-Kuppel würde mit der Europa League relativ sanft abgefangen. Rund zehn Millionen Euro blieben als lukratives Trostpflaster.

Borussias Kampf mit Borussia

Ein nicht ganz zu vernachlässigender Nebenaspekt: Der Gegner der Borussia ist Borussia. Das war in der Rückrunde schon häufiger der Fall, wenn die Mönchengladbacher mehr mit sich selbst als dem Gegner kämpften. Das ist auch am Samstag (15.30 Uhr) nicht auszuschließen. Aber die offizielle Ansetzung hat für die zweite Borussia noch den Nachnamen Dortmund parat. Und die kämpft im Fernduell mit Bayern München um nichts weniger als die Deutsche Meisterschaft.

Und so ist es eher leicht untertrieben, wenn Hecking davor warnt zu glauben, man würde den BVB mal so eben aus dem Stadion schießen. Wahrlich eine schwierige Aufgabe also für Mönchengladbach. Schließlich kommt die Mannschaft, die die zweitbeste Offensive besitzt (79 Tore). Schon ein anderes Kaliber als eine Woche zuvor, als die Elf vom Niederrhein mit einem 4:0 in Nürnberg und unter Mithilfe der schwächelnden Konkurrenz aus Leverkusen und vor allem Frankfurt die Endspielkarte zog: Der Club stellt die schwächste Sturmreihe mit lediglich 25 Treffern. Was also war dieser „Brustlöser“ wirklich wert, was hat der erst zweite Sieg in den letzten 13 Spielen mit den Hecking-Schülern gemacht?

Alles auf Null – das glaubt nicht einmal Max Eberl. Aber der Gladbach-Manager nennt seine Formel: „Es ist ein Spiel!“ – mit der Betonung auf „ein“. Soll heißen, es ist keine Begegnung von 34 irgendwo in der Mitte der Spielzeit. Weggewischt können die Unzulänglichkeiten, die sich auch in Nürnberg noch zeigten, nicht sein. Dort half auch, dass die Clubberer zur Pause von der Stuttgarter Führung erfuhren und ihre Relegationsplatz-Chancen damit fast gegen Null tendierten.

Hecking aber fühlt sich durchaus bestätigt dadurch, dass sein Team mit dem Dreier in Nürnberg zahlreiche Bedenkenträger widerlegte: „Wir haben die Aufgabe Nürnberg gelöst, und wir können die Aufgabe Dortmund lösen. Zumal uns diesmal die Rolle als Außenseiter beflügeln wird.“ Neben solch emotionalen Erwägungen gibt der scheidende Fußballlehrer seiner Klasse auch noch etliches an fußballerischen Hausaufgaben für den letzten Schultag mit: „kompakt stehen, doppeln, sich gegenseitig helfen – und mal ein Foul begehen, auch wenn es nicht unbedingt zur DNA meiner Spieler gehört.“

In der Theorie könnte Hecking auch von seinem Sportdirektor Beistand in Sachen Taktik oder Gegentaktik erhalten: Eberl kennt nach fünf Jahren Zusammenarbeit BVB-Trainer Lucien Favre in- und auswendig. Doch der Manager winkt ab: „Das einzige, was ich sagen kann ist, dass Lucien seine Spieler emotionslos aber akribisch auf alle Situationen vorbereiten wird.“ Der Schweizer ist ein Taktik-Nerd, kein Menschenfänger wie Jürgen Klopp. Eine Chance für Hecking, am Samstag trotz seiner westfälischen DNA Favre mit einem Emotionseingriff aus dem Konzept zu bringen.

Mehr von Aachener Zeitung