Aachen: Hecking fühlt sich „sauwohl“

Aachen : Hecking fühlt sich „sauwohl“

Zählen mündliche Verträge bei einer Pressekonferenz? Wenn, dann hat Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl seinem Trainer Dieter Hecking für das letzte Jahr des bestehenden Kontraktes (bis Juni 2019) juristische Sicherheit gegeben.

Mit einem knappen, zögerungsfreien „Ja“ beantwortete der Manager die Nachfrage, ob denn der aktuelle Fußballlehrer auch in der neuen Saison noch das sportliche Sagen haben wird. Vertragstreue in beidseitigem Einvernehmen, könnte man so schön floskeln: „Ich fühle mich sauwohl in Mönchengladbach“, erklärte Hecking. Und beim momentanen Gegenwind, „fühle ich mich besonders wohl: Ich möchte die Zukunft mitgestalten.“

Ein schönes, harmonisches Entree in den letzten Saisonabschnitt mit noch vier Bundesligaspielen: Freitagabend gastiert sein Ex-Klub, der VfL Wolfsburg, im Borussia-Park. Und natürlich sagt der Trainer-Routinier: „Ich wünsche Wolfsburg alles Gute — nach diesem Spiel.“ Und zu den noch anstehenden Aufgaben als derzeitiger Tabellenachter mit fast ausgeschlossener Chance auf die Europa-League-Plätze im Allgemeinen: „Wir werden keine Partie abschenken!“

Sein Vorgesetzter gießt diese Absichtserklärung in eine etwas forderndere Form: „Vier Siege, das muss schon unser Anspruch sein.“ Nun muss man die zwölf Punkte nicht gleich als Bedingung zur Erfüllung des eben geschlossenen „Vertrags“ interpretieren. Aber dass neben seinen zuletzt so enttäuschenden Zöglingen auch Dieter Hecking für den Rest der Spielzeit auf dem Prüfstand steht, dürfte klar sein. Und Eberls Versicherung zählt natürlich in der Bundesligawirklichkeit nichts. Aufjaulen dürften bei gegenteiligem Handeln als Resultat einer Saisonabrechnung und -analyse in der Sommerpause wohl nur die neue moralische Anstalt des deutschen Profifußballs namens Sky, mit seinem obersten Moralhüter Patrick Wasserzier an der Spitze (bitte Pätrick aussprechen und nicht Patrick — da ist er empfindlich) und Lothar Matthäus als Ehrenpräsidenten.

Was nach dem 34. Spieltag auf keinen Fall passieren wird, nahm Max Eberl schon mal vorweg und enttäuschte damit die Unversöhnlichsten unter den zahlreichen Kritikern. „Es wird kein 18-Spieler-Raus und 18-neue-Spieler-Rein geben. Nicht mal zehn.“ Stattdessen solle nur an „kleinen Stellschrauben“ gedreht werden.

Es gibt nicht wenige Fans, die träumen turnusmäßig von der Monsterschraube, immer dann, wenn‘s schlecht läuft mit ihrer Mannschaft. Ein „Führungsspieler“ soll dann her, möglichst mit Drecksack-Qualität. Und schnell kommt der Verweis auf Granit Xhaka, den Borussia an den FC Arsenal verlor.

Im Nachhinein verklärt sich so manches Auftreten. Dass das Schweizer Emotionsbündel mit vielen unnötigen Aktionen der Gladbacher Mannschaft auch geschadet hat, wird schnell vergessen. „In seiner Anfangszeit“, schränkt Eberl ein. Seine Stellenbeschreibung führt auch nicht in eine Richtung, die Kevin-Prince Boateng als Prototyp verkörpert. „An erster Stelle steht nach wie vor die fußballerische Qualität“, definiert der Sportdirektor. „Der Charakter wäre ein Mehrwert.“

Mentalität statt Charakter

Dabei weiß Eberl zu genau, dass derzeit häufig die Begriffe Charakter und Mentalität verwechselt werden. Die Borussen-Profis besitzen keinen schlechten Charakter — auch nicht nach der miesen Leistung in München. Was Eberl als Quintessenz einer fast gelaufenen Saison verstärkt suchen wird, sind Profis, die sich auch gegen Widerstand durchsetzen können. Aber auch das geht nur im Kollektiv. Typen wie Xhaka oder Martin Stranzl waren gewinnbringend unter Lucien Favre, weil das System dümmlich personalisierte Aggressivität überwiegend vermied, stattdessen mit gutem Positionsspiel, Ballbesitz und dem Zulaufen von Räumen Dominanz schuf. Ähnliches muss auch Dieter Hecking gelingen, wenn auch nicht auf Favresche Art. Ein Aggressionsfußball à la Eintracht Frankfurt ist eh nicht vereinbar mit Borussias DNA.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt - Hofmann, Kramer, Zakaria, Hazard - Stindl, Raffael

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