Leicht verbesserte Endphase: Hecking entdeckt winzige Spuren der Hoffnung

Leicht verbesserte Endphase : Hecking entdeckt winzige Spuren der Hoffnung

Die leicht verbesserte Endphase beim 2:2 seiner Gladbacher gegen Hoffenheim soll Mut geben für die Aufgabe in Nürnberg.

In den letzten Tagen seines Trainer-Daseins in Mönchengladbach wird Dieter Hecking zum Mikroskop-Experten. Auf den Objekträger hat der Fußball-Wissenschaftler einen winzigen Ausschnitt aus dem Spiel am vergangenen Samstag zu Hause gegen 1899 Hoffenheim gelegt. Und muss erst mal drehen und drehen und drehen, um dann mit der maximalen Vergrößerung verzückt ausrufen zu können: „Daraus müssen wir die Stärke ziehen. Wo die Mannschaft gemerkt hat, dass sie sich wehren und anfangen muss, das Heft in die Hand zu nehmen.“

Die mikroskopisch kleine Probe aus einem eigentlich desolaten Auftritt gegen die Kraichgauer, der skurril in einem wundersamen Punktgewinn für die Borussia endete, soll der Hoffnungsträger für die Aufgabe am heutigen Samstag (15.30 Uhr) beim 1. FC Nürnberg sein. Und angestrengt bemüht sich der scheidende Fußballlehrer, Zuversicht zu verbreiten – die begrifflich zufällig zur Mikroskop-Entdeckung passt. „Wenn du dich klein machst, wirst du auch das Kleine kriegen.“

Das Große soll die Teilnahme an der Champions League sein, die rein rechnerisch trotz der miserablen Rückrunde möglich ist, aber eher wie ein Treppenwitz der aktuellen Bundesligasaison wirkt. „Na klar wollen wir die Champions League noch angreifen. Du musst an den maximalen Erfolg denken.“

Das klingt nach Mental-Arbeit. Und nicht auszuschließen ist, dass Hecking einer der Tausenden von Fußballtrainern von der Bundesliga runter bis in die XY-Klasse sein wird, die versuchen werden, die Geschehnisse in den Champions-League-Halbfinals als Motivationsspritze zu nutzen, um eine schier übermächtige Aufgabe zu lösen: Die Blitzerschaffung von Mentalitätsmonstern als letzte Trainerhoffnung, die häufig auch nur von Versäumnissen bei der Trainingsarbeit ablenken und entlasten soll.

„Wenn wir abwartend sind und die Nürnberger machen lassen, dann wird es wieder ein schweres Spiel“, prophezeit der Gladbacher Coach. Das Erreichen des Relegationsplatzes ist für die Franken als Tabellen-17. auch nur rechnerisch möglich und hängt zudem stark vom VfB Stuttgart ab, der in der Tabelle mit einem Plus von fünf Punkten vor den Nürnbergern liegt. Aber nicht einmal bei den Schwaben gelang es den Heckingzöglingen vor zwei Wochen, deren Verunsicherung auszunutzen und dominant aufzutreten. Der Club steht zwar tabellarisch noch schlechter dar, doch anders als der VfB hat sich die Mannschaft unter Boris Schommers vor allem defensiv stabilisiert.

Nach dem Debakel in Stuttgart (0:1) besaß Max Eberl mit einer vorzeitigen Entlassung von Hecking noch die Möglichkeit, die Chance auf Millioneneinnahmen in der Champions oder schlechtestenfalls Europa League zu erhöhen. Der Gladbacher Sportdirektor verzichtete darauf, um einerseits das Gesicht des 54-Jährigen zu wahren und andererseits sich und seine ursprüngliche Entscheidung, Hecking bis Saisonende arbeiten zu lassen, zu schützen. Vor dem letzten Spiel, gegen Dortmund macht dieser Eingriff keinen Sinn mehr. Und so können beide nur hoffen, dass bei der Analyse nach diesem Wochenende statt mikroskopisch winziger Hoffnungs-Spurenelemente drei Punkte unter der Linse zu entdecken sind.

Wünschenswerte Aufstellung: Sommer - Bayer, Ginter, Elvedi (Strobl), Wendt - Traoré, Kramer, Zakaria Hazard - Drmic, Pléa

Mehr von Aachener Zeitung