Mönchengladbach/Gelsenkirchen: Hahn fällt viele Monate aus, Geis wird fünf Spiele gesperrt

Mönchengladbach/Gelsenkirchen: Hahn fällt viele Monate aus, Geis wird fünf Spiele gesperrt

André Hahn war schon auf dem Weg ins Krankenhaus, als Johannes Geis eine Viertelstunde nach Spielschluss in die Gladbacher Kabine schlich. Den Mann, den er in der 80. Minute des West-Gipfels mit einem brutalen Tritt für Monate außer Gefecht gesetzt hatte, bekam der Ex-Mainzer also nicht mehr zu Gesicht.

Gesichert war am Ende des dunklen Abends aber immerhin die zügige Kontaktaufnahme mit dem erheblich verletzten Berufskollegen.

„Johannes Geis war bei uns, er hat sich nach Andrés Nummer erkundigt“, berichtete Borussias Sportdirektor Max Eberl — während Hahn am späten Sonntagabend die niederschmetternde Diagnose erhielt: Lateraler Bruch des Schienbeinkopfes und Riss des Außenmeniskus im linken Knie. Am Montag meldete sein Verein die erfolgreich verlaufene OP. Auf der anderen Seite verhängte das Sportgericht des DFB das Strafmaß für Geis: Eine Sperre von fünf Pflichtspielen wegen rohen Spiels, plus 15.000 Euro Geldbuße.

Der FC Schalke und Geis stimmten dem Urteil zu. Somit findet auch das schnelle Wiedersehen der Teams im DFB-Pokal ohne den Sommereinkauf des Revierklubs statt — was die absehbaren emotionalen Nachwehen am Mittwoch in Gelsenkirchen zumindest abschwächen dürfte. Der Übeltäter aus dem Schalker Mittelfeld selbst reagierte auf die Rote Karte durch Schiedsrichter Wolfgang Stark zunächst sogar mit Unverständnis. Doch dann dämmerte Geis, was er da gerade angerichtet hatte.

Deshalb der sofortige Besuch in der Gladbacher Kabine, dem er nach einer persönlichen Entschuldigung bei Hahn eine Stunde später eine ausführliche Stellungnahme auf seiner Facebook-Seite folgen ließ. „Ich entschuldige mich bei ihm, seiner Familie, dem Verein und allen Fans“, schreibt er dort. Und: „Ich verstehe, dass viele Menschen aufgebracht sind und ihre Emotionen rauslassen. Allerdings würde ich darum bitten, den nötigen Anstand zu bewahren.“

Den hatten einige Schalke-Fans nach dem schlimmen Zwischenfall im Stadion bereits vermissen lassen. Als André Hahn vom Platz getragen wurde, riefen sie: „Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen!“ Die Atmosphäre war angespannt — auch zwischen den Trainern beider Klubs. André Breitenreiter, der S04-Coach, räumte zwar ein „sehr, sehr schweres Foul“ von Geis ein, verwies beim Versuch, die erhitzten Gemüter zu beruhigen, aber auch auf die saubere Vergangenheit seines Spielers — der sich in der Tat seinen Premieren-Platzverweis in der Bundesliga einhandelte.

Daneben versäumte es Breitenreiter („Johannes Geis saß total fertig in der Kabine“) nicht, auf die — seiner Ansicht nach — Fehlentscheidungen des Referees bei zwei der drei Gladbacher Treffer hinzuweisen. „Im Fußball passiert so etwas mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Dafür muss ich mich nicht entschuldigen“, konterte sein Gladbacher Pendant André Schubert kurz angebunden.

Auf Geis‘ Facebook-Seite begrüßten viele User dessen Entschuldigung, einer wünschte dem 22-Jährigen aber „trotzdem eine Sperre, die sich an der Länge des Ausfalls von André Hahn orientiert.“ Ein Wunsch, dem das DFB-Sportgericht bei seinem Urteil nicht nachkam.