Mönchengladbach: Grifo-Effekt gegen Freiburg?

Mönchengladbach : Grifo-Effekt gegen Freiburg?

„Es wird Jahr für Jahr weniger“, sagt Steffen Korell — vor dem Duell seiner Mönchengladbacher am Samstag mit dem SC Freiburg (15.30 Uhr). Gemeint ist die emotionale Bindung des Team-Managers und Chefscouts der Borussia an seinen Ex-Verein.

Doch blitzschnell schränkt der 46-Jährige ein: „Aber natürlich kenne ich noch viele aus dem Staff, das zeichnet den Verein ja aus, dass er langfristig mit seinen Verantwortlichen arbeitet. Wie etwa mit Christian Streich, den ich natürlich sehr gut kenne und sehr schätze.“

Es wird aber auch von Jahr zu Jahr schwieriger — könnte man den „Ball“ aufnehmen — immer wieder interessante Spieler aus der Schwarzwälder Quelle abzuschöpfen. In der vergangenen Saison wechselte Offensivspieler Maximilian Philipp für 20 Millionen Euro zur anderen Borussia, der aus Dortmund. Wahrscheinlich wird der FC Arsenal bald mehr als 30 Millionen Euro für Abwehrspieler Caglar Söyüncü hinblättern. Lob und Last zugleich für den Freiburger Ausbildungsverein. „Sie müssen immer wieder Potenzial verkaufen“, sagt Korell. „Und in der vergangenen Saison gleich zwei der kreativsten und torgefährlichsten Spieler.“ Denn auch Gladbach „sahnte“ von der Schwarzwälder Kirschtorte ab. Allerdings nicht in Dortmunder oder Londoner Dimensionen. Borussia ist auf Ausstiegsklauseln angewiesen, wie bei Vincenzo Grifo (rund sechs Millionen Euro).

Mit dem Effekt dieser turnusmäßigen Schwächung hat der Gast aktuell zu kämpfen. Traditionell kompensiert der SC Qualitätsverluste mit noch mehr Leidenschaft, Einsatz und Laufbereitschaft. Genau deshalb schwächelt die Streich-Mannschaft im letzten Drittel der Saison. Der Aufwand für die zuvor bravourös gemeisterten Aufgaben fordert seinen Tribut. Die Freiburger gehen auf dem Zahnfleisch. In solch einer Situation wäre ihnen auch Grifo keine große Hilfe.

Der Italiener ist zwar ein Emotionsspieler, aber eher, was die Sensibilität und das Technikgefühl angeht. Überraschenderweise war der 25-Jährige auch den Gladbachern keine große Hilfe. Geholt gerade wegen seiner Torgefährlichkeit entpuppte sich der wohldurchdachte Königstransfer als Nullnummer. Bisher. Steffen Korell nimmt den Ex-Freiburger in Schutz. „Durch seine beiden Verletzungen ist er nie richtig in den Rhythmus gekommen. Und dann besitzt er natürlich gerade auf den Außenbahnen hochkarätigere Konkurrenz als in Freiburg.“

Als er seine Qualitäten hätte beweisen können, steckte Borussia bereits in der Krise. Der Dominanzfußball bröckelte, der Abstand zum gegnerischen Tor wurde immer größer, Aggressivität und Laufbereitschaft waren statt technischer Finessen gefragt. Schlecht für Grifo. Die beiden letzten Spiele deuteten eine „Rückentwicklung“ zum alten Dominanzspiel an. Das erhöht seine Chancen.

Trainer Dieter Hecking könnte die emotionale Kraft des Italieners kitzeln, wie es ihm bereits auswärts gegen Hoffenheim gelungen ist. Bei seinem Ex-Klub und vor den Augen seiner Familie auf der Tribüne bewies der Linksfuß, was er drauf hat. „Wir haben ein längeres Gespräch geführt, und wir müssen gucken, wie wir ihn dahin kriegen, wie er in Freiburg gespielt hat, das ist ja klar“, sagte Hecking. Am besten gegen Freiburg.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Jantschke, Elvedi, Ginter, Wendt - Hofmann, Strobl, Cuisance, Hazard (Grifo) - Drmic (Hazard), Raffael

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