Niederlage gegen Leipzig: Gladbachs kleines Problem: „Wir haben verloren!“

Niederlage gegen Leipzig : Gladbachs kleines Problem: „Wir haben verloren!“

Borussias beste Saisonleistung reicht nicht gegen starke Leipziger und den wie entfesselt aufspielenden Timo Werner.

Oberflächlich betrachtet gab es für Marco Rose nur eine Chance, die erste Niederlage im dritten Saisonspiel zu vermeiden: Denis Zakaria auf Timo Werner zu hetzen. Borussia Mönchengladbachs Mittelfeldspieler hat wohl als einziger Rose-Schüler die individuellen Qualitäten, mit dem Leipziger Supersprinter mitzuhalten oder gar zu überholen. Was ihm in einer Szene auch spektakulär gelang, als er den dreifachen RB-Torschützen ablief und gar noch den Ball durch die Beine spielte. Das brachte dem Mönchengladbacher mit den Krakenbeinen viel Applaus ein, aber taugte als grundlegende Taktik kaum: Roses Vorstellung ist nach vorne gerichtet, sein Denken ist kollektiv geprägt.

Und hinter den vermeinlichen Böcken seiner Innenverteidiger Matthias Ginter und Nico Elvedi steckt auch noch eine andere Wahrheit: Zuspiele auf Werner zu unterbinden ist der praktikablere Variante. Sowohl der doppelte Doppelpass zwischen Emil Forsberg und Kevin Kampl als auch Fabian Johnsons Ballverlust waren zu unterbinden bzw. zu verhindern. Lediglich die Hinterkopfvorlage Ginters auf Werner war ein rein individuelles Unglück und nur durch einen vermeidbar: Matthias Ginter.

So weit, so schlecht: Denn die 94 Minuten boten speziell aus Borussen-Sicht viel Gutes und ließen den Gladbacher Trainer sagen. „So stelle ich mir Fußball vor. Das macht Spaß, mit dem einen kleinen Problem: Wir haben verloren!“ Das teilte Rose nicht nur den Journalisten mit, sondern zuvor bereits seinen Spielern in der Kabine. Verdientes Lob, aber natürlich übersieht der gebürtige Leipziger auch nicht, dass es noch Entwicklungspotenzial gibt. „Meine Jungs haben über 90 Minuten das Tempo gehalten. Das zeigt, dass es geht. Trotzdem haben wir 1:3 verloren, das zeigt, dass nicht alles gut war. Die Zweikampfhärte ist ein Punkt, an dem wir ansetzen müssen.“

Einer, der das sportliche Geschehen von der Position, aber auch vom Sachverstand her gut überblicken kann, ist Yann Sommer. Und der Gladbach-Keeper weiß um die kleinen Momente, in der eine Partie sich in eine bestimmte Richtung neigt. „Mit etwas mehr Glück und Effizienz wären wir in Führung gegangen. Dann wäre es ein ganz anderes Spiel geworden.“

Damit spielt der Schweizer Goalie auf eine Doppelchance von Alassane Pléa/Embolo an (10./11.). Doch speziell Sommers Nationalmannschaftskollege fehlte bei seinem besten Spiel für Borussia auch das Matchglück. Nach Embolos Anschlusstreffer köpfte die Schweizer Wuchtbrumme nur hauchzart über das Leipziger Tor (90+3).

An diesem Freitagabend sollte nur einem Spieler alles gelingen: Timo Werner, einem Stürmer, der in früheren Zeiten häufig als Chancentod verunglimpft wurde. Dennoch bleibt Embolo & Co. für die Länderspielunterbrechung die Gewissheit, es geht aufwärts – Schritt für Schritt. Und am dritten Spieltag der Spielzeit hätten nicht viele Mannschaften die Klasse gehabt, sich erfolgreich gegen Gladbachs neue Qualitäten zu stemmen.

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