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Mönchengladbach: Gladbach zieht mit mehr als 90 Prozent ins Achtelfinale ein

Mönchengladbach : Gladbach zieht mit mehr als 90 Prozent ins Achtelfinale ein

90 Prozent des Leistungsvermögens, so rechnete Christoph Kramer aus, reichten am Samstag in der Bundesliga nicht, die Bayern auch nur sanft zu kitzeln. Am Dienstag aber quetschten der Mittelfeldspieler und seine Mönchengladbacher Kumpanen im Pokal gegen den VfB Stuttgart mehr aus den überstrapazierten Körpern.

Keine 100 Pozent, aber 90 + X reichten, um den Zweitligisten mit 2:0 zu bezwingen und Borussias Sportdirektor weiter träumen zu lassen: „Wenn wir mal einen Titel holen wollen, und das ist und bleibt mein Traum, dann ist der Pokal am wahrscheinlichsten.“ Vier weitere Siege würden genügen...

Am vergangenen Samstag war Borussia beim 0:2 in München physisch und psychisch überfordert, wie André Schubert analysierte. Was macht dann also ein Trainer, wenn drei Tage später erneut eine Herausforderung ansteht — diesmal im Pokal? Rotieren? Nun ja, die vielen Verletzten schränken dies arg ein. Und dass Oscar Wendt, Jonas Hofmann und Julian Korb nur zur „Schonung“ auf die Bank kamen, darf bezweifelt werden. Sie gehörten mit zu den Schlechtesten der Schlechten gegen die Bayern. Trainieren also am Sonntag und Montag? Blödsinn, geht nicht. Bleibt nur eine Speed-Regeneration. Literweise Zaubertrank à la Obelix in die Entmüdungsbecken der ramponierten Profis.

Zumindest die Herren Raffael, Hazard und Traoré konnte das Wunderbad nicht pünktlich heilen. Stattdessen vertraute Schubert auf die natürlichen Offensivkräfte eines Mo Dahoud. Ebenso wie die auserkorenen Tony Jantschke und Patrick Herrmann hat der kriselnde Mittelfeldspieler noch nicht so viele Einsatzminuten in den Knochen. Und immerhin kamen die Schubert-Schüler bereits in den ersten Spielminuten zu mehr Ballbesitz als in München, wo sie ihn in der ersten Halbzeit gefühlt nur bei den drei Anstößen besaßen. Doch nach dem passablen Start kam — initiiert von Herrmann mit einer enorm hohen Fehlpassquote — Unsicherheit auf im Gladbacher Gefüge. Die jüngste Niederlage schien Spuren hinterlassen zu haben.

Passenderweise war es Borussias „Mentalitätsmonster“ (Schubert), das seine Kollegen aus diesem Psycho-Sumpf befreite: André Hahn, über den das aktuelle Vereinsorgan Fohlenecho titelte: „Kämpfer unter Künstlern“ sprengte diese Schublade und griff in die Feinkostauslage. Mit einem Hackenzuspiel brachte der 26-Jährige Fabian Johnson in eine exzellente Schussposition, die dieser alleine vor VfB-Keeper Mitchell Langerak eiskalt zum 1:0 abschloss (31.) — ein Tor wie aus dem Konterbilderbuch.

Der Treffer beflügelte, Jantschke hatte die große Chance zu erhöhen, doch der Abwehrspieler war zu überrascht, so einsam vor dem Stuttgarter Keeper zu stehen und brachte den Ball nicht an ihm vorbei (37.). Und auch Hahn konnte ein Getümmel rund um Langerak nicht nutzen, noch mehr Balsam auf Leib und Seele der Gladbacher zu schmieren (40.).

Die Konterkunst und -lust blieb auch im zweiten Durchgang. Diesmal bediente Johnson vorbildlich Hahn, doch der Stürmer schlenzte den Ball genau auf den Körper des Gäste-Keepers (49.). Auch Johnson jagte eine Vorlage vom stärker werdenden Herrmann in den Mönchengladbacher Abendhimmel (52.). Hahns Konzentrationspotenzial schien ebenfalls aufgezehrt. Erst scheiterte er aus kurzer Distanz an Langerak, um dann den Abpraller ins Toraus zu stolpern (53.).

Die Entscheidung vertagt und wurde dann doch zäh erstritten: Lars Stindl nutzte mit einem überlegten Schuss die x-te Kontermöglichkeit zum 2:0 (84.). Ein Akt des Willens, wie der Gladbacher Sieg generell. Zaubern kommt später.