Mönchengladbach: Gladbach verharrt im Niemandsland

Mönchengladbach : Gladbach verharrt im Niemandsland

Es war eine merkwürdige Gemengelage, wetter- und gefühlsmäßig. Ausgerechnet stundenlanger Schneefall am Freitagabend rund um den Borussia-Park kündigte den Wechsel vom Dauerfrost zu wärmeren Zeiten an. Die Mönchengladbacher aber hatten Schwierigkeiten, das 2:2 im Borussia-Park gegen Werder Bremen auch als Frühlingsboten zu empfinden.

Und das, obwohl sie mit dem Zähler in den vergangenen zwei Spielen nach vier Niederlagen in Folge immerhin vier Punkte holten. Doch als Übergang zu besseren Zeiten mochte angesichts der 2:0-Führung zur Halbzeit niemand das Ergebnis interpretieren. Nicht einmal der natur- und qua Amt besonnene Kapitän Lars Stindl. „Der Frust ist groß“, vermeldete der 29-Jährige die Stimmungslage in der Kabine und die Großwetterlage in Mönchengladbach allgemein.

Niemand traute sich zu sagen, dass immerhin der Torlosigkeitsspuk endgültig vertrieben worden war oder dass es aufgrund der vehement auf den dritten Treffer spielenden starken Bremern das Remis auch als Punktgewinn zu deuten wäre. Das hat was mit der Ergebniskrise der jüngeren Vergangenheit zu tun, das hat was mit dem — wenn auch öffentlich eher leise geäußerten — Anspruch zu tun, in der kommenden Spielzeit mindesten in der Europa League, aber am liebsten in der Champions League zu spielen.

Womöglich aber wurden die negativen Gefühle noch verstärkt durch das nur eine Halbzeit währende Spielglück, das man so lange vermisst hatte. Beide Gladbacher Tore wurden unter wesentlicher Mithilfe der Bremer erzielt. Doch nach der Pause verflüchtigte sich der Glückseinfall: Nachdem Denis Zakaria gelbrot-gefährdet in der Kabine bleiben und nach 70 Minuten Christoph Kramer verletzt ausgewechselt werden musste, fehlte im letzten und entscheidenden Drittel der Partie das Mannschaftsgebilde, das für Struktur und Ordnung sorgen muss. „Da fehlt dir das Herzstück“, drückte es Sportdirektor Max Eberl aus.

Und es fehlte eine starke Reservebank, wie sie die Werderaner besaßen und nutzten. Gladbach aber geht personell auf dem Zahnfleisch. Und erlitt obendrein zum xten Mal eine Niederlage beim Videobeweis. Ein Handspiel von Maximilian Eggestein nach einem Kopfball von Jonas Hofmann wurde als nicht ahndenswürdig beurteilt. „Ich sage, dass ein Handspiel auf der Linie, das ein klares Tor verhindert, Elfmeter ist“, widersprach Eberl energisch aber gefasst dem Urteil von Schiedsrichter Benjamin Cortus.

„Die Kröte müssen wir schlucken“, zeigte sich auch Dieter Hecking gefasst. Als Trainer aber müsste der 53-Jährige eigentlich einen extremen Würgereiz gespürt haben, als er das Wendetor der Bremer beobachtete. Reece Oxford, eingeteilt bei Eckbällen den Kopfballspezialisten Thomas Delaney abzudecken, wurde von dessen Kollegen geschickt geblockt. Fatal! Das hat nichts mit fehlendem Spielglück, nichts mit fehlender Doppelsechs oder Videobeweis zu tun. Heckings Co-Trainer Dirk Bremser gilt als Großmeister beim Einstudieren von Standards. Offensichtlich brauchen seine Schüler dringend Nachhilfestunden.