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„Herzzerbrechender Moment“: Gladbach unterliegt Berlin im Nachspielzeit-Drama

„Herzzerbrechender Moment“ : Gladbach unterliegt Berlin im Nachspielzeit-Drama

Welch eine Dramatik. In der siebten Minute der Nachspielzeit dreht Union Berlin das Spiel gegen Gladbach und bleibt Tabellenführer. Die Fans träumen von der Meisterschaft.

Als Union Berlin in allerletzter Sekunde doch noch der Siegtreffer gelang, wurde das Stadion An der Alten Försterei endgültig zum Tollhaus. „Deutscher Meister wird nur der FCU“, schallte es von den Rängen, während die Köpenicker vor der Fankurve auf und ab hüpften. Mit einem Kraftakt haben die Berliner die Tabellenführung der Fußball-Bundesliga gerettet. Union besiegte das verletzungsgeplagte Team von Borussia Mönchengladbach am Sonntag mit 2:1 (0:1). Danilho Doekhi gelang mit der letzten Aktion des Spiels der Siegtreffer (90.+7). Zuvor hatte Kevin Behrens (79.) die Gladbacher Führung durch Nico Elvedi vor 22 012 Fans ausgeglichen.

„Wir gewinnen völlig verdient. Wir waren extrem dominant. Ich habe in den eineinhalb Jahren hier noch nie so ein Spiel erlebt, dass wir den Gegner komplett in der eigenen Hälfte eingeschnürt haben. Das spricht für den Charakter der Truppe. Wir reden nicht, was war Donnerstag. Wir haben uns auf Gladbach gefreut. Dann lässt du dich von den verrückten Fans tragen“, sagte Berlins Rani Khedira bei DAZN. „Das war in der zweiten Halbzeit eine brutale Willensleistung von uns“, sagte der Mittelfeldspieler. Behrens ergänzte: „Jeder ist heiß. Wir haben eine geile Mentalität. Die Fans träumen, aber wir reden nicht darüber.“

Auch Trainer Urs Fischer war beeindruckt vom unermüdlichen Anrennen seiner Mannschaft. „Das spricht für den Charakter und die Mentalität der Mannschaft, wenn du solch eine Wucht erzeugen kannst“, sagte der Schweizer. Das Team habe zudem die richtige Mischung zwischen Absicherung und Offensive gefunden. „Das war nicht wild, sondern kontrolliert. Kompliment an die Mannschaft, das hat mich heute wirklich überzeugt.“

Gladbachs Christoph Kramer war dagegen bedient: „Wir haben in der letzten halben Stunde um das eine oder andere Gegentor gebettelt und es auch bekommen. Ich weiß nicht, warum wir nicht mehr gespielt haben. Wir haben nur noch rausgeschoben. Wir müssen bei aller Hektik dazu kommen, dass wir auch ein bisschen Fußball spielen.“

Sein Trainer Daniel Farke sprach von einem „herzzerbrechenden Moment“. Seine Mannschaft habe bei der besten Mannschaft der Bundesliga ein richtig gutes Auswärtsspiel gemacht. Das 1:1 falle nach einer eigentlich ungefährlichen Situation. „Dann kassieren wir den späten Nackenschlag.“

Union sprang mit dem Sieg in der Tabelle wieder einen Punkt vor Serienmeister Bayern München, der am Samstag gegen den FSV Mainz 05 (6:2) vorgelegt hatte. Der Hauptstadtclub steht seit dem sechsten Spieltag an der Spitze der Liga. Durch den zweiten Sieg in Folge, drei Tage nach dem 1:0 in der Europa League gegen Sporting Braga, gehen die Berliner mit Rückenwind in das entscheidende Gruppenspiel um den Einzug in die K.-o.-Runde am Donnerstag bei Royale Union Saint-Gilloise (21.00 Uhr/RTL+).

Die Fohlen verpassten es, zumindest vorübergehend auf einen Europapokalplatz zu springen und stehen im Tabellen-Mittelfeld. Die Gladbacher sind in der Liga seit drei Spielen sieglos.

Für den Gladbacher Verteidiger Marvin Friedrich war es die erste sportliche Rückkehr an seine ehemalige Wirkungsstätte. Der Unioner Aufstiegsheld, der im Januar aus Berlin an den Niederrhein gewechselt war, wurde vor dem Spiel geehrt und wie in Köpenick üblich von den Fans als „Fußballgott“ gefeiert. Nach dem Spiel ärgerte er sich, dass sein neues Team in der zweiten Halbzeit zu passiv geworden sei.

Während Fischer aus dem Vollen schöpfen konnte und seine Mannschaft nur auf zwei Positionen veränderte, musste Farke erneut zahlreiche Spieler ersetzen. Die Gastgeber kontrollierten die Anfangsphase. Dann kam Gladbach besser ins Spiel.

Die Elf vom Niederrhein wurde mit einem Freistoß von Alassane Plea aus zentraler Position erstmals gefährlich (23.). Union-Keeper Frederik Rönnöw holte den Ball aus dem Winkel. Kurz darauf fälschte Sheraldo Becker einen Schuss von Rani Khedira ins Tor der Gäste ab (29.), berührte den Ball aber deutlich mit der Hand. Das Tor zählte nicht.

Union tat sich lange schwer, in den Strafraum zu kommen. Die meisten Abschlüsse kamen aus der zweiten Reihe. Dazu nutzten die Gäste ihre Schnelligkeit, vor der Fischer gewarnt hatte. Nathan N'Goumou zwang Unions Bundesliga-Debütant Timoteusz Puchacz mit hartem Anlaufen dazu, den Ball zur Ecke zu klären. Diese köpfte Elvedi auf Vorlage von Lars Stindl ins Tor.

Fischer schöpfte sein Wechselkontingent schon eine Viertelstunde vor Schluss aus und das zeigte Wirkung. Gladbach-Keeper Tobias Sippel an einer Halbfeldflanke von Diogo Leite vorbei. Der eingewechselte Behrens stieg in die Luft und wuchtete den Ball ins Tor. Der Stürmer hatte kurz darauf eine weitere Riesenchance, schoss aber über die Latte. Dann jubelten die Gastgeber, als Christopher Trimmel per Kopf traf. Doch der Treffer wurde wegen einer Abseitsstellung zurückgenommen. Das Anrennen der Eisernen ging aber weiter. Mit der letzten Aktion schoss Doekhi die Berliner wieder an die Spitze.

(dpa)