2:1 gegen Schalke: Gladbach und die Kraft des Kollektivs

2:1 gegen Schalke: Gladbach und die Kraft des Kollektivs

Real Madrids Kapitän Sergio Ramos und Miro Klose, der erfolgreichste WM-Torschütze aller Zeiten, waren zwar nicht persönlich anwesend am Samstagabend im Borussia-Park, aber wahrscheinlich haben die beiden Weltstars entscheidend mitgewirkt beim 2:1-Sieg der Mönchengladbacher gegen den FC Schalke 04.

Das geht jedenfalls aus einer Geschichte hervor, die Matthias Ginter nach der Partie erzählte. Der Innenverteidiger hatte ja in den Länderspielen gegen Frankreich und Peru zwei wunderbare Kopfballmöglichkeiten, die er beide vergeben hat. Danach habe er sich „ein paar gute Tipps von Miro Klose abgeholt“, der den DFB-Tross besucht hatte, erzählte Ginter. Und auf der Rückfahrt von Sinsheim, wo das Duell mit den Peruanern stattgefunden hatte, habe er „noch in der Nacht Videos von Sergio Ramos“ studiert. Prompt hat der 24-Jährige für die Borussia getroffen, schon nach zwei Minuten, per Kopf. Gegen die mit Naldo und Salif Sané besetzte größte Abwehr der Liga.

Dieses kleine Meisterstück imponierte nicht nur den Gladbacher Anhängern, auch die nach zuvor zwei Niederlagen ohnehin angeschlagenen Schalker waren beeindruckt. Und so öffnete der Treffer die Tür zu einem sehr unterhaltsamen Fußballspiel, das Gladbachs Trainer Dieter Hecking später geradezu enthusiastisch als „überragend“ bezeichnen sollte. Am Ende feierten die Gladbacher Fans den mit sieben Punkten besten Saisonstart seit sieben Jahren, den immer wichtiger werdenden Torschützen Ginter, den seit vielen Monaten auf Weltklasseniveau haltenden Torhüter Yann Sommer und vor allem: eine wunderbar funktionierende Mannschaft.

In dem Duell mit dem Revierklub, ließ sich gut beobachten, dass diese zusätzliche Energie, die in besonders homogenen Teams entsteht, nun nicht mehr bei den Schalkern, sondern bei der Borussia wirkt. Der Champions-League-Teilnehmer aus Gelsenkirchen quält sich in diesem Jahr mit einem stockenden Selbstfindungsprozess herum, während die Gladbacher aus der Kraft des Kollektivs schöpfen können. Hecking lobte seine Spieler für ihre „Leichtigkeit“ und den „Spielfluss“, die „Pass- und Ballsicherheit sowie ein gutes Positionsspiel.“ Damit reihte er lauter Fertigkeiten aneinander, die weniger mit individueller Qualität als mit einem harmonischen Kollektiv zu tun haben. Und mit einer funktionierenden Strategie.

Das in der Sommerpause eingeführte 4-3-3-System habe den Effekt, dass „die Spielzüge besser und schneller werden“, sagte Patrick Herrmann, der in der 66. Minute eingewechselt worden war und die Partie mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 (76.) endgültig in die Richtung eines Gladbacher Erfolges lenkte. Herrmann, der sich in der Sommerpause wegen der starken Konkurrenz auf den offensiven Flügeln mit der Frage nach einem Klubwechsel befasst hatte, ist ein Beispiel dafür, wie fast alle von derzeitigen Zustand der Borussia profitieren. Auch weil das neue System die Abhängigkeit von Einzelspielern scheinbar reduziert.

Der in den ersten Saisonwochen überzeugende Florian Neuhaus wurde diesmal erst in der Schlussphase eingewechselt, Denis Zakaria ersetzte den Kollegen tadellos. Außerdem gab es in den vergangenen Jahren nur selten Bundesligawochenenden, an dem Raffael verletzt war und kaum jemand im Borussia-Park den Brasilianer vermisste.

Dem immer prachtvoller aufblühenden Jonas Hofmann gelangen gemeinsam mit Alassane Plea etliche gute Aktionen in den Raffael-Räumen rund um den gegnerischen Strafraum. „Wir haben nun mit Leverkusen und dem FC Schalke gegen zwei gute Gegner gewonnen, jetzt müssen wir auswärts nachlegen“, blickte Ginter in die nahe Zukunft, viel weiter voraus wollte er aber noch nicht schauen, dazu sei es zu früh in der Saison. Aber die Voraussetzungen für eine gutes Jahr wirken so stabil wie lange nicht bei den Gladbachern.

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