Gladbach-Trainer Hecking hat höchsten Respekt vor Fortuna Düsseldorf

Borussen-Trainer unterschätzt Düsseldorf nicht : Dieter Hecking und sein Besuch beim „Deutschen Meister“

So richtig zu greifen ist der anstehende Kurzausflug am Samstag für Borussia Mönchengladbach nicht. Tapfer erklärt Dieter Hecking wie schon beim Hinspiel, dass eine Begegnung mit Fortuna Düsseldorf ein „Nachbarschaftsduell“ und kein „Derby“ sei.

Und auf die Frage, ob die erwartete Unterstützung von rund 10.000 Borussia-Fans in der Düsseldorfer Arena Einfluss auf das Spiel haben könnte, spricht der Gladbacher Trainer höflich von „Nebenaspekten“. Der 54-Jährige hätte, ebenso wie vor wenigen Wochen sein Sportdirektor Max Eberl, die Medienbeauftragten bitten können, doch mal sportliche Fragen zu stellen.

Doch Pressekonferenzen vor einer Bundesligapartie bleiben zumeist im Vagen. Denn werden sportliche Fragen zu konkret, geht Hecking üblicherweise ins verbale Catenaccio: „Sie werden doch wohl nicht erwarten, dass ich Ihnen das verrate . . .“ Personelle Entscheidungen oder taktische Ausrichtungen und Finessen bleiben tabu. Und so darf der Journalist versuchen, die wenigen Krümel, die der Fußballlehrer fallenlässt, zu einer mundgerechten Form aufzumotzen. „Wir wollen erfolgreich spielen, wir wollen nach vorne spielen, wir wollen unser Spiel durchdrücken.“ Es seien immer die gleichen Prinzipien. „Wir müssen nicht viel ändern.“

Wirklich nicht? Nach dem 1:1 vor 14 Tagen zu Hause gegen Freiburg könnte das den besorgten Fan eher erschrecken. Denn erneut offenbarte Borussia vorne fehlende Durchschlagskraft und hinten Anfälligkeiten. Das zweiwöchige Programm hätte also mit Nachschulungen des erfahrenen Fußballlehrers vollgepropft gewesen sein können – doch angesichts der während der Länderspielpause fehlenden Nationalspieler wäre dieser Versuch ins Leere gegangen. Immerhin sind die Auswahl-Profis alle heile zurückgekehrt – körperlich. Was das 3:3 gegen Dänemark mit drei Gegentoren in den letzten zehn Minuten für die Psyche der Eidgenossen wie Torhüter Yann Sommer, Nico Elvedi und Denis Zakaria anstellt, dürfte heute ab 15.30 Uhr zu sehen sein.

Immerhin könnte Thorgan Hazard aus seinen zwei Siegen mit den belgischen „Roten Teufeln“ genügend Kraft geschöpft haben, um auch wieder für Borussia Tore zu erzielen. Der letzte Treffer gelang dem flinken Stürmer am 18. Dezember beim 2:0 im Borussia-Park gegen Nürnberg. Die Spielfreude und die Leistung an sich, sowohl offensiv als defensiv, beeinträchtigt diese Durststrecke allerdings nicht. Und die Aufgabe in Düsseldorf könnte auch für einen ehrgeizigen Profi, der gerne bei einem größeren Klub unterkommen und spielen möchte, besonders wenn dieser die Chance auf Champions League garantieren kann, attraktiv sein.

Das fordert auch sein Trainer, von wegen Fortuna „nur“ ein Aufsteiger: „Den vorzeitigen Klassenerhalt zu schaffen, ist für Düsseldorf so etwas wie eine Deutsche Meisterschaft“, formulierte der Borussen-Coach. Also, ein Sieg gegen diesen „Deutschen Meister“ könnte Hecking & Co. nicht näher an einen Titel bringen, aber die Chance auf die Teilnahme an der Champions League erhöhen – ob mit oder ohne Hazard. Das würde auch die reiselustigen und -willigen Gladbach-Fans begeistern, wie Oldie Oscar Wendt weiß: „Eigentlich ist es völlig egal, ob wir in der Nähe spielen oder in Peking – unsere Fans unterstützen uns immer und überall zahlreich.“ Also – über Düsseldorf, London nach Peking? Welchen Wettbewerb die Fifa dort veranstalten wird, ist noch nicht bekannt. Aber immerhin besitzt Borussia Mönchengladbach dort bereits ein Büro.

Mehr von Aachener Zeitung