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Verdienter Sieg: Gladbach sorgt in Frankfurt für klare Analysen

Verdienter Sieg : Gladbach sorgt in Frankfurt für klare Analysen

Borussia Mönchengladbach gewinnt ihr Spiel bei der Eintracht Frankfurt souverän und verdient mit 3:1 und klettert somit auf den dritten Tabellenplatz.

Die Bewertung von Fußballspielen in der Bundesliga hat eine neue Dimension. Nicht erst seit dem ersten kompletten Geisterspieltag, bei dem Borussia Mönchengladbach auch seinen zweiten Auftritt ohne Publikum siegreich gestaltete. Bereits nach dem ersten Geisterspiel der Liga, dem nachgeholten rheinischen Derby, hatte Kölns Präsident Werner Wolf sagen dürfen: „Wenn es kein Geisterspiel gewesen wäre, hätten wir nicht verloren!“ Im Borussia-Park wohlgemerkt. . . Womöglich war diese zumindest überraschende Analyse Ausdruck einer Unsicherheit bei der Beurteilung, wie stark ein Spiel von der Absenz eines Publikums beeinflusst wird.

Das vermeintlich so einfache Spiel Fußball ist an sich bereits recht komplex, wenn dann aber noch der Konjunktiv mitspielt. . . Es wäre übertrieben zu sagen, dass diese Gemengelage die Spieler von Trainer Marco Rose dazu animiert hat, am Samstagabend bei Eintracht Frankfurt für klare Verhältnisse oder Analysen zu sorgen – aber immerhin ließ das 3:1 keinen Spielraum zur Diskussion, ob der Sieg verdient war.

Die Schnelligkeit, die Alassane Pléa & Co. dabei an den Tag legten, war eher der Roseschen Philosophie zuzuordnen, die stark von Aktivfußball und Zielstrebigkeit geprägt ist. Bereits nach 38 Sekunden zirkelte Pléa nach einem Doppelpass mit Jonas Hofmann den Ball im Fallen akkurat ins untere Tordreieck. Auch über die linke Borussen-Seite suchte und fand die Borussia ihr Torglück: Nach einem brillanten Diagonalpass über 60 Meter von Matthias Ginter passte Ramy Bensebaini den Ball fußgerecht auf Marcus Thuram, der diesen zum 2:0 über die Linie drückte (7.). „Es hilft dir natürlich in so einer Situation, schnell in Führung zu gehen und dann noch einen nachzulegen“, sagte Rose.

Und auch wenn Gladbachs Trainer betonte, dass sei natürlich so nicht planbar, erkannte er in der Art seiner Jungs zu spielen, seine grundlegende Vorarbeit. „Wir haben versucht, es so normal wie möglich zu nehmen. Wir haben alle keinen Spaß daran, aber wir wissen, dass es wichtig ist“, sagte er. „Und die Jungs hatten Bock auf Fußball. Das wollte ich, dass sie das nach außen tragen, und ich denke, dass man das in bestimmten Phasen gesehen hat.“

Diese Mentalitätsschulung wurde vervollständigt durch die normale Spielvorbereitung. „Wir haben hart trainiert, viel geredet und uns zahlreiche Videoaufnahmen angeschaut“, erklärte Thuram. Spontan soll dagegen sein distanzierter Torjubel gewesen sein. „Dieses Tänzchen macht man bei Fortnite. Ich wusste, dass es jeder aus dem Video­spiel kennt.“ Auf jeden Fall Sturmkollege und Landsmann Pléa, der ohne zu zögern mitmachte.

Blendet man die Umstände rund um das Spielgeschehen aus, lieferten Gladbacher und Frankfurter ein „gewöhnliches“ Fußballspiel. Die Borussia spielte ihre technische und taktische Überlegenheit aus, ließ etliche Möglichkeiten aus, die Führung noch zu erhöhen, schaffte mit reichlich Glück dennoch das 3:0 durch einen von Bensebaini verwandelten Foulelfmeter (73.), um dann nach dem unnötigen Anschlusstreffer von André Silva (81.) etwas ins Schleudern zu kommen. Allerdings ließen Hofmann, Pléa und der eingewechselte Patrick Herrmann in dieser turbulenten Schlussphase noch etliche extrem hochkarätige Chancen aus, so dass die Berechtigung des Sieges trotz der besten Eintracht-Phase nicht diskutabel war.

„Das war schon peinlich“, gestand Hofmann noch. Der Borusse sorgte für einen Höhepunkt, der in anderen Zeiten Zigtausende Augenzeugen im Stadion ratlos zurückgelassen hätte: Allein vor dem Frankfurter Tor verschaffte der 27-Jährige bei einem Konter seinen ehemaligen Kollegen Martin Hinteregger die wahnwitzige Gelegenheit, das 1:4 zu verhindern (84.). „Falsch ausgeguckt“, analysierte Hofmann. Das befeuerte das Interesse seines Trainers, auch noch nach dem Spiel. „Ich habe ihn gefragt, ob er mir das noch mal zeigen könnte, wenn ich auf der Linie stehe“, schmunzelte Rose.

Keine „Plakativziele“

Drei Punkte erleichtern es, nicht den Humor zu verlieren. Die Bodenhaftung ist beim Gladbacher Trainer ohnehin nicht gefährdet. Nach dem Sprung vorbei an RB Leipzig auf Platz drei formulierte er ein typisches Borussia-Credo: „Wir tun gut daran, selbstbewusst aufzutreten und trotzdem demütig zu bleiben.“ Deshalb werde er auch keine „Plakativziele“ heraushauen. Das wird sich auch nach dem dritten Geisterspiel nicht ändern: Am Samstag empfängt Gladbach Verfolger Leverkusen. Bayer hatte in der Vorsaison den Niederrhein-Club im Endspurt noch von einem Champions-League-Platz verdrängt.