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Kommentar zum Comeback von Max Eberl: Genesen und eingekauft

Kommentar zum Comeback von Max Eberl : Genesen und eingekauft

Jahrelang hat der Fußball-Manager das Konstrukt von RB Leipzig kritisiert. Jetzt heuert er selbst dort an.

Ende Januar saß Max Eberl auf dem Podium bei Borussia Mönchengladbach. Er hatte da oft gesessen und seine Sicht der Dinge mitgeteilt, und manchmal hatte er auch das seelenlose Konstrukt RB Leipzig kritisiert. Eberl saß da Anfang des Jahres mit erkennbarem Seelenschmerz, er beschrieb sich als einen „müden“ und „erschöpften“ Manager, der das Gefühl habe, seine Arbeit mache ihn „krank“. Unter Tränen sagte er: „Ich will einfach raus, ich will einfach mit dem Fußball nichts zu tun haben, ich will die Welt sehen, keine Verantwortung haben, einfach Max Eberl sein.“ Es war seine Abschiedskonferenz, die ihm sehr viel Sympathie und Zuneigung einbrachte. Denn hier gewährte ein ausgebrannter Mensch dem Publikum einen Blick hinter den Vorhang.

In ein paar Tagen wird Max Eberl wieder auf einem Podium sitzen, RB Leipzig wird ihn als neuen sportlichen Leiter vorstellen. Stolz wird dann mitschwingen, denn Eberl gilt als ein Perlentaucher unter den Fußball-Managern. Natürlich ist das eine uneingeschränkt gute Nachricht, dass Eberl wieder auftaucht in der Szene, gut erholt nach einer kolportierten Weltreise, wieder aufgeladen mit Energie, die ihm zuletzt erkennbar fehlte. Der 49-Jährige ist genesen, er kann wieder Verantwortung übernehmen.

Kaum nachvollziehbar ist aber, dass er RB Leipzig als passenden Ort für sein Comeback auserwählt hat. Der Retortenverein ist für Fußball-Traditionalisten ein Gräuel, es ist ein durchkommerzialisiertes Produkt und damit der Gegenentwurf zu gewachsenen Klubs wie Dortmund, Köln oder eben auch Mönchengladbach mit einer entsprechenden Klub-Historie und Fan-Kultur.

RB hat eine kurze Brause-Historie, der Erfolg ist – durchaus geschickt – eingekauft. Eberl, und das fällt ihm jetzt vor die Füße, hat sich darüber oft mokiert. Manager wie er mussten sich die Millionen erarbeiten. Leipzigs Etat dagegen wurde allimentiert von einem Sponsor, der innerhalb weniger Jahre aus einem Regionalligisten einen Champions-League-Teilnehmer geformt hat.

Der Transfer kostet Eberl Glaubwürdigkeit, denn jahrelang hatte er die ungleiche Ausgangslage in der Bundesliga gebrandmarkt. „Was mich an RB Leipzig stört, ist dieses Geschiebe von Spielern von Salzburg nach Leipzig und von Leipzig nach Salzburg. Das hat für mich einen faden Beigeschmack, weil sie im Grunde zwei Kader haben“, ist so ein Eberl-Satz aus der Vergangenheit. Und nun wechselt er auf die andere Seite der Macht, wo die finanziellen Möglichkeiten größer sind.

„Ich komme zu einem Verein, der sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt hat, sehr ambitioniert ist und für eine klare Fußballphilosophie steht“, so ließ sich Eberl am Montagnachmittag zitieren. Der 48-Jährige unterschreibt bei den Sachsen einen Vertrag bis 2026, so lange lief sein Arbeitspapier auch in Mönchengladbach.

Was hätte eigentlich dagegen gesprochen, dass der genesene Max Eberl seine Arbeit in Mönchengladbach fortsetzt, bei einem Verein, der sich unter seinem maßgeblichen Einfluss in den vergangenen Jahren rasant entwickelt hat, sehr ambitioniert ist und für eine klare Fußballphilosophie steht?