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Mönchengladbach: Fragen und Antworten: Wie dauerhaft ist Gladbachs Erfolg?

Mönchengladbach : Fragen und Antworten: Wie dauerhaft ist Gladbachs Erfolg?

Fußball lebt auch davon, dass kurzfristigen Phänomenen häufig ein Dauerzustand verliehen wird. Gesetzmäßigkeiten erleichtern das Einordnen eines nur oberflächlich betrachtet simplen Spiels. Und natürlich spielen auch Wunschgedanken eine große Rolle.

So könnten Anhänger von Borussia Mönchengladbach Nektar ziehen aus einem Blick zurück in die Saison 1975/76: Auch damals war der Bundesligist am sechsten Spieltag noch unbesiegt — wie heute. Und am Ende holten Heynckes & Co. die Deutsche Meisterschaft. Eine schöne Träumerei! Realistisch aber ist, dass der momentane Platz 2 nicht ein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer soliden, strukturierten Entwicklung mit Augenmaß ist, die mit dem Klassenerhalt im Jahr 2011 begann. Die Protagonisten dieses Aufschwungs: Trainer Lucien Favre und Sportdirektor Max Eberl. Was also sind die Hintergründe für den besten Saisonstart seit 1975?

Spielt Mönchengladbach diese Saison um die Meisterschaft mit?

Lucien Favre und Max Eberl würden antworten: „Es ist nur eine Momentaufnahme“ und „Wir schauen nur von Spiel zu Spiel“. Abseits dieser Beschwichtigungen aber bleibt der Fakt, dass die Bayern mal wieder auf Solotour durch die Saison reisen werden. Allerdings sollte man den Ehrgeiz Favres nicht unterschätzen: Auch vor drei Jahren, in der Saison nach der spektakulären Rettung, wollte der Schweizer weit mehr als „nur“ Platz 4 und die Teilnahme für die Champions-League-Qualifikation. Doch die Bayern-Attacke wurde nur intern thematisiert und ausgegeben. Fakt aber bleibt: So bescheiden und übertrieben skeptisch, wie sich Favre gibt, ist er nicht.

Warum aber steht Borussia denn so hoch auf Platz 2?

Das liegt auch an der vornehmen Zurückhaltung der Großklubs wie Borussia Dortmund, Schalke 04 und Bayer Leverkusen. Die werden sie auf Dauer ablegen und nicht nur spektakuläre Spiele bieten, sondern auch in ihren Auftritten stabiler werden. Andererseits hat Gladbach eben genau diese Stabilität hoch entwickelt dank Favres Detailarbeit, der auf Kontinuität angelegten Personal-politik und der Philosophie der kleinen Schritte.

Was unterscheidet Borussia 2014/2015 von der letzten Spielzeit?

Der Kader ist auf hohem Niveau breiter geworden. In der letzten Saison war es beliebig, wen Favre einwechselte, wenn es einmal im Spiel klemmte. Der Effekt tendierte zumeist gegen Null. Nun aber ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Eingewechselten noch mal einen Schub bringen. Diese Ausgeglichenheit im Kader erlaubt ebenso die punktuelle Rotation, die ohne Substanzverlust den Einsatz von neuem Personal — wie etwa in Paderborn Patrick Herrmann und Ibrahima Traoré — möglich macht. Dazu kommt, was Favre schon immer eingeklagt hat: Noch nie besaß er einen so sehr auf Speed getrimmten Kader.

Ist Geschwindigkeit denn alles?

Nein, eine Mannschaft braucht auch Raffinesse, für die bis zu dieser Saison vor allem Juan Arango stand. Diese fußballerische Überqualität besitzt Gladbach derzeit nur noch mit Raffael, ein ganz anderer Typ als „Zauberfuß“ Arango, aber auch ein Ausnahmespieler mit der Lizenz zur Spielentscheidung. Vielleicht ist Favres Lieblingsschüler nicht unersetzlich, aber sein Fehlen ist spielerisch am schwersten zu kompensieren.

Hat die Favre-Elf denn noch Luft nach oben?

In der Tabelle nicht. Aber was die fußballerische und personelle Entwicklung angeht, unbedingt. Die Neuen, auch wenn sie wie etwa André Hahn eine echte Verstärkung sind, haben noch Defizite bei der Umsetzung der anspruchsvollen Spielweise, die der Trainer vorgibt. Nur engagiertes Zweikampfverhalten eines Offensiv-Mannes reicht Favre bei weitem nicht. Er will spezielle Laufwege, intelligentes Positionsspiel und Minimierung von Fouls. Und auch ein durchschlagskräftiger Stoßstürmer ist weiterhin eine vakante Position, die bei aller Wertschätzung Branimir Hrgotas spätestens in der neuen Saison mit einem Hochkaräter besetzt werden sollte.

Was ist die Stärke, was die Schwäche dieser aktuellen Mannschaft?

Die defensive Qualität ist grundlegend. Gegen Gladbach ein Tor zu erzielen, ist schwierig; viele Tore zu erzielen, extrem schwierig. Zudem ist das Team darauf geeicht, unterschiedliche taktische Konzepte während eines Spiels umzusetzen. Probleme gibt es, wenn der Kombinationsfluss zu einem Kombinationstrott verflacht. Der Anspruch, speziell an die Offensive, ist enorm: Ohne extreme Laufarbeit, Rochaden und gute Staffelung dreht die Angriffsmaschine gegen Defensiv-Künstler leer — zu „bewundern“ beim 0:0 in Köln.