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Mönchengladbach: Fehlende Durchschlagskraft und individuelle Fehler bei den Gladbachern

Mönchengladbach : Fehlende Durchschlagskraft und individuelle Fehler bei den Gladbachern

Es gibt einfachere Aufgaben nach einem schludrig verlorenem Derby als ein Heimspiel (Samstag, 15.30 Uhr) gegen den FC Augsburg. Borussia Mönchengladbachs Start ins Jahr 2018 ist versaut, die Pleite in Köln offenbarte grundlegende Schwächen.

Was bedeutet die Niederlage im Derby?

Sie ist mehr als eine Niederlage. Nicht nur weil es für die Fans das Spiel des Jahres ist. Das 1:2 ist die Fortführung der Auf- und Abbewegung der Vorrunde, die Dieter Hecking abstellen wollte. Borussia gelingt es nicht, Konstanz in die Leistungen und Ergebnisse zu bringen. Deshalb wird die Pleite in Müngersdorf nachwirken und ist auch nicht durch einen Sieg am Samstag gegen Augsburg ausgemerzt.

Wird das mitunter hyperkritische Publikum die Spieler seinen Frust spüren lassen?

Im letzten Heimspiel 2017 im Pokal gegen Bayer Leverkusen sprang dieses über seinen Schatten und honorierte den Auftritt der Hecking-Elf trotz Niederlage. Was beweist: Es urteilt nicht nur ergebnisabhängig. Um so ärgerlicher, dass die Gladbacher Profis abseits des reinen 1:2 in Köln eben auch keine gute Leistung abriefen, sondern schlecht spielten und ein schlechtes Resultat mitbrachten.

Ist die Ungeduld der Zuschauer nachvollziehbar?

Sie speist sich neben übertriebenen Erwartungen verständlicherweise aus der Art vieler Gladbacher Niederlagen. Selten war Borussia die schlechtere Mannschaft. Gegen ein besseres Team zu verlieren, ist leichter zu akzeptieren. Aber in Köln, in Freiburg, in Wolfsburg fehlte Stindl & Co. die Wettkampfschärfe, die gerade in der Auseinandersetzung mit einem Gegner aus der unteren Tabellenregion grundlegend ist. Der FC, der SC, die Wölfe wollten die Drei-Punkte-Beute mehr, waren hungriger.

Gibt es auch fußballerische Gründe?

Die wurden im Derby mal wieder überdeutlich: fehlende Durchschlagskraft. Zu oft verstrickt sich das Team in eine Pseudo-Spielkontrolle. Gladbachs Ballbesitzer in diese Falle zu locken, lieben defensiv ausgerichtete Kontrahenten. Wenn dann Tempo, mutige Einzelaktionen im vorderen Bereich, Distanzschüsse und das Bemühen der Außenspieler, die Torlinie zu erreichen, um von dort den Pass in den Rücken der tiefstehenden Abwehr zu spielen, fehlen, wird es kompliziert.

Ist dann nicht ein 0:0 möglich?

Auch Gladbachs Defensive ist erschreckend wankelmütig. Nicht viele Tore in der Bundesliga sind so einfach zu vermeiden, wie die zwei Gegentreffer beim FC. Unbegreiflich gleich aus doppelter Sicht: Borussia besitzt in der Defensive keine Zwerge. Und ausgerechnet der Längste, Jannik Vestergaard (1,99 m), steht beim 0:1 völlig falsch und bringt beim 1:2 seine Kopfballstärke nicht ein. Individuelle Fehler, schön, wenne_SSRqs nur das wäre. Aber bei Standards wirkt Borussias Abwehr häufig unsicher. Unverständlich, da Heckings Co-Trainer Dirk Bremser doch als Experte für das Einüben dieser Spielsituationen gilt. Ein schlauer Ansatz, den Lucien Favre seinerzeit als erste Stabilisierungsmaßnahme einsetzte, ist völlig verschüttet: Ecken und Freistöße in Nähe des eigenen Tores vermeiden!

Wie sieht’s mit dem Torhüter aus?

Stereotyp werden Yann Sommer fehlende Zentimeter vorgeworfen. Doch selbst wenn ein Keeper mit dem Kopf unter die Latte stieße und die Pfosten gleichzeitig mit beiden Händen berühren könnte, würde bei Gegentoren, speziell aus der Distanz, das kategorische Urteil kommen: zu klein. Berechtigt aber ist die Kritik an der körperlichen Zurückhaltung des Schweizers. Ein Torhüter muss die Aura der Unbezwingbarkeit um sich verbreiten: ob mit 1,83 Metern oder mit 2,03 Metern.

Könnte ein Transfer bei der Bewältigung der Probleme lösen?

In der Offensive im Prinzip ja. Aber ein reiner Knipser dürfte nicht finanzierbar sein und obendrein fußballerische Probleme auslösen. Mitspielende Stürmer mit Torgefahr gibt es auf dem Markt, doch im Ringen etwa mit Schalke um einen Stürmer wie Mark Uth hat Gladbach keine Chance. Und auch die Ablösesumme für Augsburgs Alfred Finnbogason ist für Borussia kaum zu stemmen. Doch Lars Stindl und Raffael müssen sich vor diesen Angreifern nicht verstecken, sondern lediglich ihre Qualitäten konsequenter einsetzen. Und ein Thorgan Hazard gehört zu Gladbachs Tafelsilber, nicht nur finanziell — auch wenn manche Fans das anders sehen und ihren Anspruch in schwindelnde Höhen schrauben. Doch sein Bruder Eden wird nicht von Chelsea zu Gladbach wechseln.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt - Herrmann (Hazard), Kramer, Zakaria, Hazard (Grifo) - Rafael, Stindl