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Borussia Mönchengladbach: Erschwerte Aufgabe im Spiel 2 nach der Bayern-Gala

Borussia Mönchengladbach : Erschwerte Aufgabe im Spiel 2 nach der Bayern-Gala

Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach muss sich im Spiel beim FSV Mainz 05 vor allem in der Abwehrarbeit verbessern. Auf der Ersatzbank werden keine „Defensiv-Helfer“ sitzen.

Borussia Mönchengladbach befindet sich in der Nach-Bayern-Gala-Epoche. Am Freitagabend (20.30 Uhr/DAZN) beim FSV Mainz 05 sowieso. Und vermutlich noch viele weitere Spiele. Trainer Adi Hütter akzeptierte bereits nach dem 5:0-Pokalerfolg gegen die Bundesliga- und womöglich auch Champions-League-Übermannschaft, dass er und seine Mannschaft sich fürderhin an dieser Marge messen lassen müssen.

Bereits beim direkt anschließenden Dreier gegen den VfL Bochum musste der Trainer allerdings viele Abstriche machen, die Stärken aus dem Einzug ins Pokal-Achtelfinale wurden von Stindl & Co. nur zitiert. „Ein Muss-Sieg ist nie einfach“, bekundete der Österreicher am Sonntag nach dem verdienten, aber mühevollen 2:1.

Spiel 2 in der Nach-Höhepunkt-Ära hätte vor einigen Jahren wahrscheinlich die gleiche Erwartungslast aufgebürdet bekommen. „Wenn wir nicht in die Zweikämpfe kommen und taktisch nicht diszipliniert sind, wird es für uns schwer“, prophezeit Hütter. Damit beschreibt der 51-Jährige die Defizite seiner Mannschaft im Bochum-Spiel. Wohlwissend, dass Mainz – vor allem dank Trainer Bo Svensson – viel weiter in seiner Entwicklung ist als der Aufsteiger aus dem Ruhrpott. Platz 5 in der Tabelle belegt dies.

Eine Weiterentwicklung erwartet nicht nur der gemeine Fan auch von der Borussia. Max Eberl wurde auf der Pressekonferenz vor dem Mainz-Spiel dazu gefragt. Ein heikles Thema für den Sportdirektor, der bis zuletzt am scheidenden Marco Rose festhielt und zu dessen Philosophie es gehört, nicht negativ über ehemalige Trainer zu reden. Adi Hütter muss da weniger Hemmungen haben. Nicht, weil sich der Österreicher besser machen muss als sein gehypter Vorgänger, der Borussia Dortmund als nächst höhere Stufe auf seiner Karriereleiter erkoren hat. Hütter ist durch und durch Pragmatiker. Und als solcher hatte er bereits vor dem Saisonstart die defensive Stabilität als sein erstes Unterrichtsziel analysiert. Auch deshalb lobte er schon nach der so unnötigen 0:1-Niederlage bei Hertha BSC und vor dem Sensationssieg gegen die Bayern seine Abwehr. Diese hatte sich unter Rose als arg löchrig erwiesen.

Die Innenverteidigung bestand die Nachhaltigkeits-Prüfung auch gegen Bochum – anders als die Außenverteidiger sowie die restlichen zur Defensivarbeit verpflichteten Kollegen. Jenen schrieb ihr Fußballlehrer in dieser Disziplin ein mangelhaftes Zeugnis. „Die Bereitschaft, dem Mitspieler zu helfen, war nicht so da wie gegen die Bayern“, bemängelte Hütter. „Wahrscheinlich, weil die Bochumer Spieler nicht als so gut eingeschätzt wurden wie die Münchner.“ Das hatten Joe Scally und Ramy Bensebaini auszubaden, mit der Folge, dass auch die weniger berühmten Außen des Aufsteigers gefährlich durchstießen. „Das hatte mit dem neuen System (Viererkette; Anm. d. Red.) nichts zu tun“, sagte Hütter. Wohl aber auch damit, dass der junge Scally berechtigt ist, noch schwankend in seinen Leistungen zu sein. Und sein Aktivposten gegenüber, Bensebaini, besonders im Schlussdrittel nach frisch überstandener Verletzung am Ende seiner Kräfte war.

Für einen zweiten Auswärtssieg müsste das am Freitagabend anders aussehen. Denn neben dem kollektiven Manko, nicht kompakt genug gestanden zu haben, erwies sich, dass defensive Helfer auf der Bank derzeit nicht existent sind. Sowohl der eingewechselte Flo Neuhaus als vor allem auch Hannes Wolf versagten bei dieser Aufgabenstellung. Das Verteidigungs-Regal der Gladbacher ist ausgeräumt: Jordan Beyer, Stefan Lainer, Christoph Kramer und Tony Jantschke fallen weiter aus. Verschärfen könnte sich diese Mangelerscheinung durch die drohende Absenz von Denis Zakaria (Magen- Darm-Infekt), der neben Manu Koné das Sechser-Glanzstück der Gladbacher bildet.

Gegen Bochum rechtfertigte mal wieder das zentrale Abwehr-Duo Nico Elvedi und Matthias Ginter seine nicht nur für die Bundesliga gehobene Qualität. Speziell der Schweizer Nationalspieler Elvedi rechtfertigte das Lob seines Sportdirektors nach dem Bayern-Spiel. Auch nach seinem persönlichen Triumph über Superstürmer Robert Lewandowski blieb Elvedi konzentriert. Beispielhaft eine Szene in der 48. Minute, als er das erste Duell mit der Bochumer-Stürmerkante Sebastian Polter (1,92 m/94 kg) verlor, im „Nachkampf“ aber den davoneilenden Torjäger einholte und gekonnt vom Ball trennte. „Konstanz“ bescheinigt Eberl seinem Verteidiger, den er 2015 für vier Millionen Euro als ungeschliffenen Diamanten vom FC Zürich loseiste. Damals – anders als heute – viel Geld, und damit so etwas wie Pionierarbeit des Gladbacher Managers, dessen Erfolgsrezept, auch in Entwicklungspozenzial zu investieren, anschließend viele kopierten.

In der Champions League gegen Größen wie Romelu Lukaku, Karim Benzema und zuletzt im DFB-Pokal gegen Lewandowski überzeugt, Polter nicht unterschätzt: Die Qualität ist unübersehbar und muss spätestens beim 0:5 auch Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic aufgefallen sein. In seiner anhaltenden Form könnte der 25-Jährige den Gladbachern eher helfen als die so hochgehandelten und -bezahlten Dayot Upamecano und Niklas Süle. Im Frühjahr übrigens verlängerte der Schweizer bei Gladbach bis 2024, ohne viel Getöse und Feilschereien, professionell, ruhig und sachlich – wie es seinem Naturell entspricht.