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Mönchengladbach: Erhöhte Alarmbereitschaft rund um den Borussia-Park

Mönchengladbach : Erhöhte Alarmbereitschaft rund um den Borussia-Park

Vorgestern ertönten um 11 Uhr ein Dutzend Sirenen in Mönchengladbach. Ein Probealarm. Für den dort ansässigen Fußball-Bundesligisten käme er auch etwas zu spät. Borussia Mönchengladbach steckt schon länger in einem Strudel, der den Traditionsklub immer tiefer Richtung Abstiegsplätze zieht.

Am Sonntag könnte es um 17.15 Uhr erneut ein akustisches Wecksignal in der Stadt geben — wenn Borussia auch das neunte Bundesligapiel in dieser Saison hintereinander nicht gewonnen hat.

Trainer André Schubert ist sich der Tragweite eines möglichen Negativ-Ergebnisses bewusst. Das belegte die Aufstellung am Dienstag beim Champions-League-Abschiedsspiel seiner Jungs gegen den FC Barcelona. Oscar Wendt fehlte, Fabian Johnson (droht heute wegen Sprunggelenksverletzung auszufallen) und Christoph Kramer wurden erst einmal geschont, noch mehr und länger aber vor allem Gladbachs Bester, Raffael.

Als der Brasilianer beim 0:4 im Camp Nou spät eingewechselt wurde, war er der einzige Profi aufseiten der überforderten und vorgeführten Gäste, von dem man sich bei einiger Fantasie vorstellen konnte, er könnte auch im katalanischen Edelkicker-Team mithalten. Raffaels Fußballkünste sind also Sonntag ab 15.30 Uhr gefragt. Doch im Duell mit Mainz wird nicht nur das Florett zum Einsatz kommen müssen.

„Wir müssen Mainz von Anfang an den Schneid abkaufen. Das heißt, wir müssen in die Zweikämpfe kommen und diese dann für uns entscheiden“, erklärt deshalb André Hahn. Der Mann ist schließlich Borussias Leiter der Abteilung Säbel — und Attacke. „Und vorne müssen wir die Torchancen, die wir bekommen, effektiv nutzen.“

Eine Doppelanforderung, die sich womöglich schwieriger umsetzen als benennen lässt. Das mit dem Schneid abkaufen gehört recht selten zum Repertoire der Schubert-Elf. Sie fiel eher regelmäßig dadurch auf, dass sie nett mitspielte und gegnerischen Klubs in allen Lebens- und Tabellenlagen ein dankbarer Aufbaupartner war. Viele Optionen besitzt Schubert nicht, um die Dinge zum Guten zu wenden. Die Versöhnung von Offensive und Defensive, mit der ihn Sportdirektor Max Eberl beauftragte, ist nicht nur nicht erreicht, sie scheint ferner denn je zu sein.

Die strukturelle Entwicklung ist nicht nur gestoppt, sie ist rückläufig. Das lässt sich natürlich auch nicht in den wenigen Tagen zwischen Königsklassen-Auftritt und Bundesliga-Aufgabe wieder herstellen. So bleibt nur die Wiederaufführung eines Befreiungsspiels: Wie im Spiel 1 nach Lucien Favre gegen Augsburg könnten Raffael & Co. die 05er überrennen und damit die fehlende Balance zwischen den Abteilungen Attacke und Verteidigung kaschieren.

Halbherziges Defensivverhalten

Das Problem dabei: Die positiven Gefühle, die der damalige Entfesslungskünstler Schubert nach dem Abfall des Favre-Jochs nutzen konnte, haben sich gewandelt in eine fatale Mixtur aus Labilität und Frustriertheit. So viele Balleroberungen wie ein Mo Dahoud beim 4:2 gegen Augsburg gelungen sind, hat er in allen folgenden Spielen zusammen nicht mehr geschafft. Und sein aufreizend halbherziges Defensivverhalten, wenn in Barcelona Messi & Co. mal wieder das Möchtegern-Bollwerk durchbrachen, gepaart mit Resignationsgesten ist allenfalls in einer Jugendmannschaft akzeptabel.

Eine Auflaufberechtigung für Mainz wird der 20-Jährige aber eher haben als im Camp Nou. Wenn man eh nur — sei es mit Sechser- oder Zehnerkette — verteidigen will, macht ein Mitwirken von Dahoud keinen Sinn. Am Sonntag aber muss die Richtung zwangsläufig eine andere sein. Ein Remis reicht angesichts von 13 Punkten aus 13 Spielen nicht mehr.

Zumal Gladbach anno 2016 auch nicht mehr in der Lage ist, sich die Mutter aller Unentschieden, ein 0:0, zu erarbeiten. Die Flucht nach vorn also. Und wenn sie gelingt, dann würden morgen um 17.15 Uhr die erneut leidgeprüften Borussen-Fans endlich mal wieder nicht nur pädagogisch motiviert singen — und die Sirenen schweigen.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Elvedi, Christensen, Vestergaard, Wendt - Kramer, Strobl - Dahoud - Hazard, Raffael, Stindl