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Gladbach nur noch fünfter: Elfter Versuch – und wieder nur nah dran

Gladbach nur noch fünfter : Elfter Versuch – und wieder nur nah dran

Durch den 2:1-Sieg im Borussen-Duell in Mönchengladbach kletterte der BVB auf Platz zwei. Die Fohlen-Elf wiederum rutschte durch die Niederlage aus den Champions-League-Rängen auf Platz fünf ab. Gladbach konnte eine über eine Stunde lang sehr gute Leistung gegen Dortmund nicht in einen Sieg ummünzen.

Die Mixed-Zonen von Heim- und Gastmannschaft, in denen die Spieler den Journalisten Rede stehen, liegen im Borussia-Park grade mal zwei Schritte auseinander. In Hörweite also und so dicht wie das Spiel zuvor, dass Borussia Mönchengladbach denkbar knapp mit 1:2 gegen Borussia Dortmund verloren hatte. Und wenn Matthias Ginter & Co. nicht schon nach ihren Statements frustriert und verärgert in den Kabinen verschwunden gewesen wären, sie hätten wahrscheinlich zur medialen Verrichtungsbox der Gewinner rübergerufen: „Stimmt nicht!“ Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc hatte dort gerade resümiert: „Letzten Endes war der Sieg verdient.“

Die Gladbacher hatten so ihre Zweifel daran. „Ein Punkt wäre verdient gewesen“, hatte zuvor bereits Jonas Hofmann geurteilt. Und es gab gute Gründe für diese Sichtweise. Gut eine Stunde lang beherrschte an diesem Samstagabend die Mannschaft von Marco Rose die Schwarz-Gelben. Wie Gladbachs Trainer verlangt hatte, mit maximaler Energie. Und mit etlichen Torgelegenheiten.

Effektivitätsgesang in Moll

„Wir hatten vier Großchancen und machen ein Tor. Der BVB hatte drei Chancen und macht zwei Tore“, sang Hofmann das Lied von der Effektivität in Moll. Diese Qualität zeigte Dortmund schon recht früh, als – wie konnte es anders sein – Thor­gan Hazard die Rolle des verletzten Marco Reus übernahm und mit einer famosen Einzelaktion zum 1:0 gegen die ehemalige Mannschaft traf (8.).

Nur kurz brachte dieser Schock die Elf vom Niederrhein aus dem Tritt. Nach Stefan Lainers Auftakt-Chance (7.) vergaben auch Ramy Bensebaini (14.) und Alassane Pléa (40.) ihre Hochkaräter. Mindestens so ärgerlich aber waren die Vorarbeiten zu beiden Dortmunder Treffern. Hazards Schlenzer hatte Lars Stindl mit einem Fehl-Rückpass eingeleitet, den Siegtreffer durch den pfeilschnellen Achraf Hakimi begünstigte ein Crash zwischen Erling Haaland und Ginter, die nach dem Zusammenprall beide schmerzverkrümmt auf dem Boden lagen. Die Gladbacher wirkten irritiert, warteten auf eine Unterbrechung durch Schiedsrichter Sascha Stegemann oder einen Ausball der Dortmunder. Die Zögerlichkeit nutzte Sancho und schickte Hakimi auf der völlig blanken rechten Abwehrseite der Heimmannnschaft steil. Der Leihspieler von Real Madrid ließ Torwart Yann Sommer keine Chance (71.).

Naivität, Gutgläubigkeit oder schlichtweg Unprofessionalität: Von diesem Nackenschlag sollten sich die Gladbacher nicht mehr erholen. Auch weil sie unglaublich viel investiert hatten. In ihre starke 60-Minuten-Phase, die durch das 1:1 von Stindl nach einem Pléa-Pass belohnt wurde (50.). Und auch während der anschließenden 30-minütigen Machtdemonstration der Gäste. „Es war nicht nur fehlende Kraft“, sagte Stindl. „Dortmund hat seinerseits mehr investiert. Und wir haben nicht den nächsten Schritt gemacht, sind nicht auf das 2:1 gegangen.“

Tief stehen, tief fallen: Der Ex-Dortmunder Hofmann analysierte  den Zusammenhang. „Das Hinterherlaufen macht dich vom Kopf her unglaublich müde.“ Brennspiegelartig war das in den letzten zehn Minuten sichtbar. Die Rose-Schüler wussten: Jetzt müssen wir noch mal alles nach vorne werfen. Doch alle Bemühungen wurden von Ungenauigkeiten und Unkonzentriertheiten torpediert. „Die Kreativität war nicht mehr da.“ Das Alibi gilt allerdings nicht für Breel Embolo. Der eingewechselte Stürmer verdaddelte zehn Minuten vor Schluss die Mutter aller Chancen der zweiten Hälfte: Einen Pass des ebenfalls eingewechselten Marcus Thuram setzte er neben den Pfosten.

Die Präzision fehlte, aber auch wiedermal das Spielglück. Ein „klärender“ Tritt von Gladbachs starkem Keeper Sommer hatte früh Abfangjäger Denis Zakaria und damit auch seine Mannschaft getroffen. Das dynamischste und schnellste Fohlen musste gegen Tony Jantschke ausgewechselt werden (Knieprellung/36.). Sein Einsatz beim Derby am Mittwoch gegen den FC ist fraglich. Und dann war da noch ein „Wiederholungstäter“. Sascha Stegemann. Ihn als Schiedsrichter anzusetzen machte Sinn. Der 35-Jährige hatte bereits im Hinspiel (0:1) den Gladbachern einen Strafstoß und eine Rote Karte für den BVB verwehrt. Am Samstagabend schaffte er es, den ansonsten so besonnenen Gladbacher Abwehrchef „Matze“ Ginter auf die Palme zu bringen. „Der Schiedsrichter war Wahnsinn, das muss man ehrlich sagen. Es war keine Linie zu erkennen.“

Kronzeuge Jonas Hofmann

Kronzeuge für das schlechte Zeugnis war Teamkollege und „Opfer“ Hofmann. In der 45. Minute hebelte Dan-Axel Zagadou beim Versuch, den auf BVB-Keeper Roman Bürki gespielten Ball zu erreichen den Gladbacher aus. Kein Pfiff, keine Video-Kontrolle. „Ich habe ihn gefragt, er hat geantwortet, es sei gecheckt worden.“

Die elfte Niederlage in den vergangenen elf Pflichtspiel des Rautenklubs gegen Dortmund. Drei Mal verloren unter Marco Rose, drei Mal unglücklich. Der hat die Nase voll. „Ich bin froh, dass Dortmund nicht noch mal kommt. Drei Mal reicht!“ Die These, mit seiner Mannschaft sportlich abgehängt worden zu sein, gegen die Großen sich nicht durchsetzen zu können, mochte er keinesfalls bestätigen. „Sieg in Leverkusen, die Bayern geschlagen, 2:2 in Leipzig, ein Spiel, das wir eigentlich auch gewonnen haben: Wir sind dran, aber am Limit.“

Der ehrgeizige Fußballlehrer weiß auch schon, wie eine Besserung – auch für den 12. Versuch gegen den BVB – aussehen muss: „Um eine richtige Spitzenmannschaft zu werden, müssen wir noch ein paar Prozent draufpacken.“ Vor allem in punkto Kaltschnäuzigkeit und Effektivität. Und diesen Entwicklungsbedarf sieht auch Stegemann-Freund Matthias Ginter. „Wir waren gut, aber nicht gut genug, um den BVB und die Schiedsrichter zu schlagen.“