Mönchengladbach: Eindrücke der Fanrandale überlagern Ärger über Derby-Niederlage

Mönchengladbach : Eindrücke der Fanrandale überlagern Ärger über Derby-Niederlage

Wortkarger hat bislang wohl selten eine Mannschaft eine Niederlage kommentiert, die aus einem zu Unrecht gegebenen Freistoß an der eigenen Strafraumgrenze in der Nachspielzeit resultiert. Die Eindrücke von Fanrandale und Platzsturm nach Spielschluss überlagerten sogar den Ärger über die unglückliche Derby-Niederlage.

Selbst in der Pressekonferenz war FC-Trainer Peter Stöger kaum mehr als eine Grußadresse an seinen Gladbacher Kollegen zu entlocken. „Haben Sie‘s gesehen? Schauen Sie es sich an“, beantwortete der 47-Jährige eine Frage nach der Freistoß-Entscheidung des Gespanns um Schiedsrichter Deniz Aytekin, die zum Siegtor führte, mit einer schlichten Gegenfrage. Da wagte sich sein Torhüter Timo Horn und Mittelfeldspieler Daniel Halfar schon weiter aus der Deckung: „Der tritt sich selbst in die Hacken und fällt um“, sah Halfar den eingewechselten Branimir Hrgota fallen. „Der Linienrichter steht nur einen Meter daneben, der muss das sehen“, schlug Horn in die gleiche Kerbe.

„Eigentlich ein gutes Spiel“

Doch die Kölner Verantwortlichen mussten auch gerade angesichts des knappen Ausgangs der Partie andere Antworten zum eigenen Auftritt finden: „Natürlich stellt sich die Frage, hätten wir offensiv mehr tun müssen?“, fand allerdings auch Kölns Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke nicht auf Anhieb eine zufriedenstellende Antwort. „Bleibt es beim Unentschieden, reden alle wieder vom Auswärtsgesicht der Kölner. Eigentlich war es ein gutes Auswärtsspiel gegen einen starken Gegner.“

Tatsächlich hatten die Hausherren zwar knapp 70 Prozent Ballbesitz, spielten allerdings häufig im Stil einer Handball-Mannschaft um den Kölner „Kreis“ herum und wieder zurück, fanden so gut wie nie eine zündende Idee, um das FC-Abwehrbollwerk zu knacken. Die Angst, dem schnellen Kölner Umschaltspiel zum Opfer zu fallen und in einen Konter zu laufen, war fast greifbar. „Definitiv hätten wir einige Situationen besser ausspielen können“, sah Daniel Halfar das große Manko seines Teams.

Bis auf einen Distanzschuss von Marcel Risse (8.) stellten die Kölner Offensivspieler die Gladbacher Abwehr kein einziges Mal vor eine kritische Situation, zeigten vielmehr, dass sie an diesem Tag nicht nur mit den „kleinen Formaten“ Probleme haben, wenn sich der Gegner im eigenen Stadion weit zurückzieht und der Platz eng wird, sondern auch mit dem Raum, den ihnen eine aufgerückte Borussia-Abwehr bot, wenig anfangen konnten und unpräzise agierte.

Der für die letzte Viertelstunde eingewechselte Winter-Zugang Deyverson sorgte zwar für ein wenig Belebung, der große Hoffnungsträger ist der Brasilianer (zum jetzigen Zeitpunkt) jedoch nicht. „Er hat seine Sache ganz gut gemacht und sich gut eingefügt“, lautete das Arbeitszeugnis von FC-Coach Peter Stöger.

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