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Frankfurt: Ein Sommer rettet den Gladbacher Punkt in Frankfurt

Frankfurt : Ein Sommer rettet den Gladbacher Punkt in Frankfurt

Den Arbeitsplatz hatte Yann Sommer in einer Arbeitskleidung mit Signalfarbe betreten. Die grellorange Kluft, die bis unters Tribünendach der Frankfurter Arena strahlte, hätte es aber gar nicht gebraucht, um als auffälligste Figur aus diesem Samstagabend hervorzugehen.

Später im Kabinengang zog sogar Eintracht-Trainer Niko Kovac noch am Arm des Schweizer Goalies, um eine persönliche Gratulation an den 28-Jährigen zu formulieren, der Borussia Mönchengladbach bei der schmeichelhaften Nullnummer einen Punkt rettete.

„Er ist ein herausragender Torwart, er hat eine gute Phase, die möglichst noch lange anhält“, sagte Gladbachs Coach Dieter Hecking, der indes bei Sommers Vorderleuten im Stadtwald eine Art akute Frühjahrsmüdigkeit beobachtete: „Ein lethargischer Auftritt: Die schlechtere Mannschaft hat einen Punkt geholt, wir waren in vielen Bereichen unterlegen. Vom Willen und der Bereitschaft.“ Wenn es dann trotzdem torlos bleibt, hat der Tormann meist entscheidenden Anteil.

So auch diesmal: Nicht nur wegen eines gehaltenen Elfmeters verdiente sich der 1,82 Meter große Keeper ein Sonderlob von Mitstreitern und Gegnern. Beeindruckend auch seine Reflexe im Eins-gegen-Eins wie gegen den Ex-Gladbacher Branimir Hrgota (59.). Intern heißt es bei der Borussia ja seit längerem, der Schweizer Nationaltorwart besitze mindestens dieselben Anlagen wie der gebürtige Gladbacher Marc-André ter Stegen, der bei der Eingewöhnung in Barcelona viel mehr Probleme hatte als Sommer nach seinem Wechsel 2014 zur Borussia.

Schwierigkeiten gab es seitdem allerdings beim Abwehren von Elfmetern: In der Bundesliga bekam Sommer vom Punkt keinen Versuch abgewehrt, dazu kam dann ein fast tragisch verlaufenes Elfmeterdrama im EM-Achtelfinale mit der Schweiz gegen Polen. „Ich musste einfach irgendetwas verändern“, erklärte er nun nach seiner erlösenden Parade gegen Marco Fabian (78.). „Dieses Mal habe ich die richtige Entscheidung getroffen. Elfmeter sind immer auch Glückssache. Man muss sich auf jeden Fall auf eine Ecke festlegen.“

Eine womöglich sogar bedeutsamere Festlegung hat Max Eberl getroffen. Der gebürtige Niederbayer, offenbar auch ohne konkretes Angebot vom FC Bayern als Wunschkandidat für den vakanten Posten Sportvorstand ausgemacht, verbreitete am Spieltag per Videobotschaft, was sich am Freitag angedeutet hatte. „Ich arbeite seit über zwölf Jahren in einer administrativen Tätigkeit hier, also länger, als ich als Spieler bei Borussia war. Ich durfte in dieser Zeit einiges begleiten und bewegen. Diesen Weg möchte ich weitergehen.“ Das Treuebekenntnis, versehen mit dem Hinweis, dass es sich um keinen Aprilscherz handelte, ist in ein nunmehr bis 2022 gültiges Arbeitspapier gegossen. Bis dahin möchte er auch einmal „etwas Blechernes in der Hand halten“, wie der 43-Jährige verbreiten ließ.

Eberl berichtete „von einem emotionalen Moment am Donnerstag in der Kabine“, als er den Fakt vorab der Mannschaft verkündete. „Wir haben uns alle gefreut, er ist ein ganz wichtiger Baustein für die Borussia“, erklärte Kapitän Lars Stindl. Und Hecking erzählte, er habe „mit Max über die Spekulationen in den letzten drei Monaten oft gelacht“. Für die Borussia sei das eine herausragende Entscheidung „für den Verein gibt es keine bessere Persönlichkeit.“ Dass der Traditionsverein vom Niederrhein seinen ligaweit geschätzten Macher habe binden können, zeige ihm, „dass hier die Wochen sehr viel richtig gemacht wurde“.

Wäre nur gut, dass auch die Mannschaft auf der Zielgeraden noch auf den rechten Weg kommt und nicht nur das DFB-Pokalhalbfinale gegen Frankfurt (25. April) im Hinterkopf hat. Hecking weiß um die sich ständig verändernden Perspektiven in der Liga — vier Punkte sind es jeweils zu Platz sechs und 16: „Wir sind nicht blauäugig. Die Tabelle ist auch sehr gefährlich“, mahnte der 52-Jährige. Zumal die Borussia die nächsten Spiele — Mittwoch gegen Hertha BSC und Samstag beim 1. FC Köln — personell gebeutelt bestreitet. Nach einer Gelb-Roten Karte gegen Tobias Strobl und der Verletzung von Christoph Kramer fallen gegen die Berliner beispielsweise zwei klassische Sechser aus. Könnte also sein, dass der Mann in den Müllwerker-Farben wieder alle Hände voll zu tun hat.