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Mönchengladbach: Ein Flügelflitzer und ein Stratege sind Borussias Trümpfe

Mönchengladbach : Ein Flügelflitzer und ein Stratege sind Borussias Trümpfe

Patrick Herrmann ist mit seinen 24 Jahren schon ein gestandener Fußballer, über 150 Bundesligaspiele hat er bestritten. Aber im Mittelpunkt hat der Saarländer nie gerne gestanden. Verlegen wirkte der Flügelflitzer gar, als er im Kreise der Journalisten sich noch einmal jene Szene anschaute, die seinen Trainer schwärmen ließ.

„Fantastique“, sagte Lucien Favre, „das war ein Top-Konter mit Dribbling und Schnelligkeit“. Noch älter als alt sahen Dortmunds als Gegenspieler getarnte Slalomstangen in dieser 32. Minute aus, als der Mönchengladbacher mitten in der eigenen Hälfte nach Max Kruses Balleroberung zu einem furiosen Solo ansetzte, geradewegs und geradeaus durch die Dortmunder Reihen spurtete und dann auch noch im Strafraum vor BVB-Torwart Roman Weidenfeller die Ruhe besaß, im genau richtigen Moment genau richtig querzulegen, so dass Raffael nur noch einschieben musste. Es war: „Fantastique“!

Und einer der Höhepunkte in der an Höhepunkten wahrlich nicht armen, temporeichen Bundesliga-Partie zwischen den Borussen aus Mönchengladbach und Dortmund, 3:1 (2:0) hieß es nach 94 sehr unterhaltsamen Minuten.

Wendt trifft nach 29 Sekunden

Irgendwie habe er seine Gegenspieler stets auf dem falschen Fuß erwischt, sagte Herrmann bescheiden, er habe den Ball „immer wieder angetippselt“ bei seinem Sturmlauf. „Angetippselt“, ein Wort, das die deutsche Sprache nicht kennt. So wie der Borussia-Park bisher kein Tor der Gladbacher in den ersten 30 Sekunden kannte. Doch irgendwann ist immer das erste Mal, und Oscar Wendt bestrafte die Dortmunder Schlafmützigkeit nach gerade einmal 29 Sekunden mit dem 1:0. Tony Jantschke hatte Mats Hummels‘ Pass abgefangen, Raffael und (Herrmann natürlich) kombinierten sich problemlos durch, und nachdem Fabian Johnson Weidenfeller nur angeschossen hatte, drosch dann der Schwede den Ball ins Netz.

Der Weg war bereitet, denn auch wenn Dortmund fortan mehr Ballbesitz hatte und spielerisch durchaus ansprechend auftrat, so richtig in Verlegenheit geriet das Favre-Team nur selten. Anders als der BVB, denn Gladbach hatte noch ein paar prima Konterchancen, doch nur Havard Nordtveit, der den gelbgesperrten Christoph Kramer vorzüglich vertrat, traf nach Kruses Eckball noch zum 3:0 (67.). Ilkay Gündogans 1:3 (77.) war nicht mehr als ein Schönheitsfehler, als die souverän agierende Abwehr um Jantschke, Brouwers und Co. einmal kurz die Konzentration heruntergefahren hatte.

In keiner Sekunde heruntergefahren hatte seine Spiellust Granit Xhaka, der trotz des Herrmann‘-schen Spektakels der wahre „Spieler des Spiels“ war. Gerade einmal 22 Jahre jung ist der Schweizer, der sich immer mehr zum Spiritus Rector im Borussen-Spiel aufschwingt. Und natürlich zum Wortführer.

„Ich höre mit dem Fußballspielen auf, wenn Schalke uns noch einholt“, sagt Xhaka, dessen Selbstvertrauen bis in den letzten Winkel des tobenden Stadions zu spüren war. Die Liga würde in diesem Fall etwas verlieren, denn dieser feine Stratege verspricht für die Zukunft noch eine ganze Menge. Dass Atlético Madrid mit einem 25-Millionen-Euro-Scheck wedeln soll, ist nicht mehr als ein Gerücht, und Borussia wird einen Teufel tun, seinen in dieser Saison besten Akteur zu verkaufen. Doch Sportdirektor Max Eberl wird damit leben müssen, dass Xhaka (Vertrag bis 2019) in der Zukunft von den ganz großen Klubs des Kontinents gejagt werden könnte.

Keine Kampfansage Max Eberl hatte am Samstag ganz andere Probleme. Es falle ihm schwer, sagte er endlos strahlend, sich von seiner Euphorie und Freude nicht hinreißen zu lassen zu einer Kampfansage. Und so sagte er nur: „Die Konkurrenz scheint sich etwas schwerer zu tun.“ Anders ausgedrückt: Zwölf Punkte Rückstand dürfte Schalke als Fünfter nicht mehr aufholen, zumindest Platz vier und damit die Qualifikationsrunde zur Champions League ist greifbar nahe.