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Mönchengladbach: Ein „Eiertor“ macht Gladbachs Fehlstart perfekt

Mönchengladbach : Ein „Eiertor“ macht Gladbachs Fehlstart perfekt

Die Woche war zu kurz für Lucien Favre. Zwar zeigte sich seine Mönchengladbacher Borussia gegenüber dem 0:4 in Dortmund verbessert. Die Rädchen im ehemaligen Schweizer Kunstwerk knirschen aber weiter. Die Reibungsverluste führten zu einer 1:2-Heimniederlage gegen Mainz 05 und dem letzten Tabellenplatz. „Einige Spieler sind noch nicht bei 100 Prozent, und die Automatismen funktionieren noch nicht“, analysierte der Fußballlehrer und konstatierte: „Der Fehlstart ist perfekt.“

Nicht unerwartet pflanzte Favre seiner Innenverteidigung mehr Erfahrung ein. Tony Jantschke bildete mit Marvin Schulz (20) das zentrale Pärchen, Neuzugang An-dreas Christensen, dem Favre einige Gegentore in Dortmund ankreidet, musste draußen bleiben. Vorne bekam Patrick Herrmann für den verletzten Fabian Johnson seine erste Chance in der Startelf. Josip Drmic wurden die vielen Ballverluste eine Woche zuvor zum Verhängnis. Den Neuzugang von Bayer Leverkusen ersetzte Thorgan Hazard als zentraler Stürmer.

Favre bot die schnellste Offensivreihe auf, die Borussia derzeit besitzt, also mit Herrmann, Hazard und Ibrahima Traoré. Alle vereint durch enormen Speed — und durch rosa Schuhwerk. Doch zu mehr als zwei zaghaften Schüssen von Traoré reichte es erst mal nicht (7./10.). Und gleich das erste Ausrufezeichen der Mainzer bewies, wie brüchig das mentale Eis der Favre-Elf derzeit ist: Nach einem Risiko-Pass von Jantschke und der Zögerlichkeit von Raffael landete ein Schuss des Ex-Gladbachers Yunus Malli am Pfosten (13.).

Abstimmungsprobleme

Das zuvor gezeigte Selbstvertrauen war nur Firniss. Die Großchance der Gäste provozierte abenteuerliche Abstimmungsprobleme, etwa zwischen Torhüter Yann Sommer und Lars Stindl. Auch ein Abseitstor von Hazard (22.) und eine Riesen-Kopfballchance von Granit Xhaka (23.) brachte Borussia nicht in die Spur. Fabian Frei war zentimeternah dran, das auszunutzen. Aber sein Schuss knallte unter die Latte (35.). Eine kluge Reingabe von Christian Clemens aber enttarnte die Gladbacher Abwehrschwäche: Der Korb enteilte Jairo konnte locker zum 1:0 für Mainz verwandeln (42.). Trotz der Defizite hatte Borussia noch die Chance, vor der Pause auszugleichen. Doch Hazard setzte den Ball neben den Pfosten (45.)

In der zweiten Halbzeit machte Gladbach die Begegnung endlich zu einem Heimspiel. Der Lohn stellte sich durch die Entdeckung der Einfachheit ein: Als die Mainzer Herrmann vor dem Strafraum viel Raum gönnten, zog der Stürmer „einfach“ ab und traf platziert zum 1:1 (54.). Jetzt liefen Favres „rosarote Panther“ zu großer Form auf: Die Mainzer sahen oft nur noch die Hacken ihrer grellen Schuhe. „Geduld und Tempo stimmten nun“, lobte Favre. Doch Raffael (64.), Hazard (65./75.) und Herrmann (74.) scheiterten knapp. „Da hatten wir Beistand von oben“, gab Martin Schmidt zu.

Der Mainzer Trainer war am meisten überrascht vom schlechten Rasen im Borussia-Park. „Das war ein Nachteil für Gladbachs Passspiel und kam unserem Plan, zu rackern und zu kämpfen, entgegen.“ Aber auch die von Borussia verschluderten Hundertprozentigen rächten sich: Ein abgefälschter Pass fand den Fuß von Clemens, der zum glücklichen Mainzer 2:1 einschoss (79.). „Wir sind in der zweiten Halbzeit gut rausgekommen und kriegen dann so ein Eiertor“, schimpfte Jantschke. „Wir haben uns das selbst eingebrockt und müssen uns auch selbst wieder da rausholen.“

Das Wie ist zumindest Lucien Favre klar: „Richtig viel Arbeit. Wir müssen leiden.“