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Ingolstadt: Ein „Eiertor“ kostet Gladbach einen Punkt

Ingolstadt : Ein „Eiertor“ kostet Gladbach einen Punkt

Zumindest variiert Borussia Mönchengladbach mal seine Auswärtsauftritte. Nachdem der Fußball-Bundesligist zuletzt wie etwa auf Schalke, in Wolfsburg und Mainz stets die bessere Mannschaft stellte, gab es nun beim Aufsteiger FC Ingolstadt eine Niederlage mit einer schlechten Leistung.

Die Gäste vom Niederrhein hoben die Oberbayern mit dem 0:1 sogar den Europapokalplätzen deutlich näher zu als der Abstiegszone. „Jetzt wollen wir oben angreifen“, kündigte Moritz Hartmann breit grinsend an — es war ein Scherz des Angreifers.

Spontan gab es immerhin eine Nichtabstiegsprämie des Trainers: Ralph Hasenhüttl belohnte seine Spieler mit zwei freien Tagen. „Wir haben ein überragendes Spiel gemacht“, sagte er. „Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft. Gladbach hatte nichts zu melden“, tönte Torschütze Moritz Hartmann — und kein Gladbacher hätte dagegen einen Einspruch erheben können.

Sportdirektor Max Eberl versuchte es mehr schlecht als recht. „Es ist zum Kotzen, dass du wieder ohne Punkte nach Hause fährst. Wir werden auswärts nicht belohnt.“ Das ist deshalb fatal, weil seine Gladbacher durch ihre Ergebnisschwäche in der Fremde in den Heimspielen permanent unter Druck stehen im Kampf um einen Qualifikationsplatz in einem europäischen Wettbewerb. Obendrein haben die Gladbacher nur noch zwei Möglichkeiten im Borussia-Park, gegen Hoffenheim und Leverkusen, um die 45 Punkte auszubauen. Am kommenden Freitag steht erneut ein Auswärtsspiel beim Tabellenletzten Hannover an. Dort wird Granit Xhaka gesperrt fehlen, der sich in Ingolstadt seine fünfte Gelbe Karte abholte.

Die Verwarnung von Schiedsrichter Tobias Welz war berechtigt, Ellbogeneinsatz beim Kopfballduell wird üblicherweise so bestraft, allerdings legte der Unparteiische zweierlei Maß an. Ingolstadts Roger langte zuvor ähnlich zu, blieb aber selbst nach seinem dritten Foul ohne jede Verwarnung. Die hätte der Brasilianer bereits für sein erstes Vergehen verdient gehabt, als er Lars Stindl auf den Fuß stieg und der Gladbacher Offensivspieler minutenlang auf dem Feld behandelt werden musste.

Dass die Gäste den Schanzern in Sachen Zweikampfstärke überlegen sein würden, konnte und durfte man eh nicht erwarten. Wohl aber, dass Stindl & Co. ihre fußballerischen Möglichkeiten besser und gewinnbringender ausspielen würden. Stattdessen aber häuften sie eine Unmenge an technischen Fehlern und Ungenauigkeiten an, die ihren ehemaligen Trainer Lucien Favre zur Verzweiflung gebracht hätten. Sein Nachfolger konstatierte gefasst: „Im Spielaufbau waren wir viel zu kompliziert, wir haben Ingolstadt dadurch in die Karten gespielt“, analysierte André Schubert. „Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir einen verdienten Sieg von Ingolstadt gesehen.“

Dazu trug auch sicherlich die Abwesenheit von Xhaka bei, der die Klasse hat, Struktur ins Spiel zu bringen und auch den Ball lang über die dicht gestaffelten und hoch pressenden Linien des Aufsteigers zu spielen. Doch Schuberts Zutrauen zur vermeintlich neuen Selbstbeherrschung war wohl doch nicht so tief, wie er es zuvor hatte verlauten lassen. Er nahm den Mittelfeldspieler vorsorglich zur Pause aus der Mannschaft.

Xhaka war es auch, der mit eben einem solchen Pass auf André Hahn gleich zu Beginn der Partie fast für ein anderes Drehbuch gesorgt hätte. Doch Gladbachs Sturmsprinter verlor bei seiner Annäherung aufs FC-Tor auf wundersame Weise auf den letzten Zentimetern sein Tempo und ließ damit dem starken Benjamin Hübner die letzte Gelegenheit, ihm mit einer riskanten Grätsche den Ball vom Fuß zu spitzeln (8.). Trotz aller Unzulänglichkeiten roch es im letzten Viertel der Partie streng, für die Gladbacher aber eher lieblich, nach einem 0:0.

„Das Tor fiel nicht nach einem Konter, sondern nach einer banalen Flanke. In der 82. Minute hatte ich das Gefühl, dass beide mit einem Punkt zufrieden wären“, sagte Eberl. Und der für Xhaka eingewechselte Tony Jantschke entdeckte dahinter einen weiteren Fehler. „In einem solchen Spiel muss man irgendwann einfach nur noch das 0:0 mitnehmen. Aber dann haben wir so ein Eiertor bekommen, aus einer Situation, in der wir uns eigentlich in Überzahl befunden haben.“ Cleverness ist ein Muss, wenn man berechtigterweise im Wettstreit um einen Platz in der Königsklasse mithalten möchte.

(zva/dpa)