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Mönchengladbach: „Drei kleine Fehler“ und neue Stärken

Mönchengladbach : „Drei kleine Fehler“ und neue Stärken

Am Theater wird eine verpatzte Generalprobe als gutes Omen gewertet. Im Fußball gibt es stattdessen Theater, wenn die finalen anderthalb Übungsstunden vor der Erstaufführung misslingen. Das 1:3 von Borussia Mönchengladbach gegen Athletic Bilbao lieferte ergebnismäßig viel Anlass zur Schelte, inhaltlich war dennoch etliches zu entdecken, was Anlass zu einem gesunden Maß an Optimismus für die kommende Spielzeit geben kann.

Der Mann, der im Brennpunkt des Gegentormakels stand, überraschte mit einer frappant pragmatischen Sichtweise: „Besser es passiert heute als in einer Woche.“

Also die Weisheit von Yann Sommer, der mit seinen Abwehrkollegen eine gänzlich neuer Erfahrung machen musste: drei Gegentore innerhalb von 24 Minuten nach drei Eckbällen, alle per Kopf, obendrein durch den selben Spieler — den baskischen Torjäger Aritz Aduriz. „Ich kann mich nicht erinnern, dass mir das schon mal passiert ist“, kommentierte der Schweizer Keeper das Geschehen, das auch seinen Landsmann Lucien Favre verblüffte. „Ungewöhnlich! Letztes Jahr waren wir sehr stark bei Standards gegen uns.“ Da allerdings mit einem anderen Torhüter, Marc-André ter Stegen, der inzwischen für den FC Barcelona aktiv ist.

Doch die drei Gegentore bieten weniger Diskussionsstoff über die unterschiedliche Qualität der Keeper als über — noch — fehlende Abstimmung. „Wir waren zu statisch“, urteilte Sommer. Ein Vorwurf, der ihn aber auch selbst betreffen könnte, speziell beim zweiten Treffer. Grundlegend aber wird abgesehen von der Unkonzentriertheit der Abwehrspieler auch mangelnde Anpassung an den Neuling sein.

Es war erst das zweite Spiel des WM-Teilnehmers mit seinen neuen Kollegen. Und die müssen sich offensichtlich darauf einstellen, dass die neue Nummer 1 auch Qualitäten besitzt, aber nicht die offensiv-aggressive Art von ter Stegen bei Flanken bzw. Eckstößen. „Drei kleine Fehler“, verniedlichte Favre die Patzer. Und sah eher Kopf- und Bein- denn Fangprobleme. „Da müssen wir antizipieren statt reagieren“, beschreibt der Borussen-Coach die Vorgabe für eine Deckung im Raum. „Es ist eine Frage der Beinarbeit, die muss gut sein.“

In anderen Bereichen war sie es auch. Nicht nur beim Treffer von Branimir Hrgota, der eine brillante Kombination von Fabian Johnson und Raffael zum 1:3 abschloss (59.). Nach behäbiger erster Halbzeit, in der lediglich Hrgota eine Riesenchance besaß und per Kopf vergab (38.), wurden die Gladbacher nach der Pause deutlich aktiver. André Hahns Schüsse zischten entweder knapp am Tor vorbei (48.) oder erschütterten bedenklich den Pfosten (68.).

Die Sammlung erweiterten Havard Nordtveit (49.) und Raffael (78.) nach Zuspiel des eingewechselten Patrick Herrmann — immerhin ein deutlicher Sieg in Sachen Torchancen. Den Spaniern gelang nicht eine einzige Möglichkeit aus dem Spiel heraus. Überdeutlich wurde, dass mit Ibrahima Traoré, Hahn und Johnson mehr Tempo und auch mehr Körperlichkeit im Borussen-Spiel ist.

Hrgota wirkte vor allem vor der Pause noch wie ein Fremdkörper. Doch Favre setzt auf „unseren besten Abschluss-Stürmer“. Und überhaupt war die „erste Halbzeit nicht schlecht und die 2. Halbzeit ok“. Da obendrein der Schweizer Bastler Theater bereits vor dem Saisonauftakt überhaupt nicht mag, formulierte er das Spiel kurzerhand um: „Das war keine Generalprobe, das war ein Freundschaftsspiel!“

(75. Hazard)