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„Geht um Leben und Tod“: Die NRW-Derbys werden zu Geisterspielen

„Geht um Leben und Tod“ : Die NRW-Derbys werden zu Geisterspielen

Ausgerechnet die brisanten Derbys an Rhein und Ruhr werden wegen des Coronavirus zu Geisterspielen. Dies dürfte nur der Anfang sein. Bis auf Weiteres können sich Clubs und Fans auf Spiele ohne Zuschauer einstellen. Mit erheblichen finanziellen Konsequenzen.

Mit martialischen Worten sind in der Fußball-Bundesliga erstmals Geisterspiele verfügt worden. Ausgerechnet die von den Fans heiß erwarteten Derbys Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln und Borussia Dortmund gegen den FC Schalke 04 dürfen wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus nur ohne Publikum stattfinden. „Es geht hier wirklich um Leben und Tod für die Zuschauerinnen und Zuschauer“, sagte Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau (SPD) am Dienstag. Das sei keine Panikmache, sondern eine nüchterne Einschätzung.

Auch Werder Bremen darf am Montag gegen Bayer Leverkusen nur vor leeren Rängen spielen. Und auch für den Knaller Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München am 4. April droht ein Geisterspiel.

Erstmals überhaupt werden in Mönchengladbach am Mittwoch (18.30 Uhr) bei einem Bundesligaspiel keine Zuschauer zugelassen. Das Rheinderby sollte ursprünglich bereits am 9. Februar ausgetragen werden, wurde damals aber wegen des Orkantiefs „Sabine“ verschoben.

„Jetzt ist der Tag eingetreten, den wir uns alle nicht gewünscht haben“, sagte Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers, der vor allem an die finanziellen Folgen dachte: „Das trifft den Verein Borussia Mönchengladbach bis ins Mark.“ Alle Zuschauer, die sich eine Karte gekauft haben, bekommen ihr Geld zurück. Über das Prozedere soll in der kommenden Woche entschieden werden. Laut Schippers gehen dadurch Einnahmen in Höhe von rund zwei Millionen Euro flöten.

Das Problem: Weder Clubs, noch die Deutsche Fußball Liga sind für solche Fälle versichert. BVB-Sportdirektor Michael Zorc bezifferte den Dortmunder Einnahmeausfall auf mindestens drei Millionen Euro. Am Samstag werden gut 80 000 Zuschauer ausgesperrt. Die Dortmunder spielen bereits am Mittwoch im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Paris Saint-Germain vor leeren Rängen.

Die Borussia vom Niederrhein warnte vor allem für kleinere Clubs vor erheblichen Folgen. „Betrifft das ein Spiel, werden das mehrere Spiele sein? Wo führt das hin?“, sagte Schippers. Ziemlich sicher werden weitere Geisterspiele folgen. „Borussia Mönchengladbach wird es weiter geben“, sagte Sportchef Max Eberl. „Ich weiß nicht, was das für Auswirkungen für kleinere Vereine in der 2. und 3. Liga hat.“

Dazu haben die Entscheidungen auch emotionale und sportliche Folgen. „Dass es Menschen gibt, die nun sagen "Ihr nehmt uns das Spiel des Jahres" ist mir bewusst“, sagte Dortmunds OB Sierau. Aber es sei eine Güterabwägung und man müsse die Infektionsketten durchbrechen.

Die Notwendigkeit, dafür Zuschauer auszusperren, hatte das Gesundheitsamt Mönchengladbach vor dem Spiel Gladbach gegen Dortmund (1:2) am vergangenen Samstag noch nicht gesehen. Und dies, obwohl im nur wenige Kilometer entfernten Kreis Heinsberg die bislang höchste Anzahl von Coronavirus-Infektionen bekannt wurde.

Doch dann schaltete sich die Bundespolitik ein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte, Veranstaltungen ab einer Größe von 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bis auf Weiteres abzusagen. Dem will NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nachkommen und bereitete einen entsprechenden Erlass im Kabinett vor. Ermessensspielraum für die Kommunen gibt es nun erst einmal nicht.

Eberl kann dies nachvollziehen. „Die Gesellschaft steht über dem Sport. Natürlich haben wir jetzt einen Nachteil davon. Aber es gibt Wichtigeres als Fußball“, sagte der 46-Jährige.

Allerdings findet das Rheinderby nun unter völlig anderen Voraussetzungen als ursprünglich geplant statt. Anfang Februar lagen die Gladbacher nur drei Punkte hinter Spitzenreiter Bayern München und der FC schwebte in akuter Abstiegsgefahr.

Aktuell sind die Borussen zunächst aus den Champions-League-Rängen gerutscht und die Kölner kommen mit dem Selbstbewusstsein von drei Siegen aus vier Spielen seit der Spielabsage. Zudem ist der Heimvorteil für Gladbach futsch. „Es macht überhaupt keinen Sinn, rumzujammern“, sagte Gladbachs Coach Marco Rose indes. „Die Situation ist für alle nicht leicht.“

(dpa)