Dortmund/Aachen: Die Köpfe und die Akkus sind leer bei den Borussen

Dortmund/Aachen: Die Köpfe und die Akkus sind leer bei den Borussen

Es gibt im Fußball-Geschäft ganz viele Floskeln, die aber so manche 90 Minuten wunderbar auf den Punkt bringen. Zum Beispiel: Glück kann man erzwingen.

Glück, hatte Dortmunds verletzter Weltmeister Mats Hummels vor dem Spiel seiner Dortmunder gegen die Mönchengladbacher Borussen erzählt, dieses Quäntchen Glück, das man halt auch benötige, habe sich zuletzt nicht eingestellt im Liga-Spielbetrieb.

Und Glück hatten die Dortmunder bei ihrem 1:0-Sieg am Sonntag, wenn sie es im Prinzip auch gar nicht hätten in Anspruch nehmen müssen. Sie hatten eine großartige Leistung gezeigt, Chancen erspielt, erkämpft, erlaufen, erdribbelt — nur das Tor nicht getroffen.

Aber sie hatten ja einen Glücksbringer. Sein Name: Christoph Kramer, wie Hummels Weltmeister, derzeit aber nicht verletzt, am Sonntag jedoch vollkommen neben der Spur. Und dann trifft er den Ball nicht richtig, der Ball springt hoch und dann fliegt der Ball auch hoch. Über Torwart Yann Sommer hinweg, und zum Glück für die Dortmunder ins Tor...

Aber vielleicht hat Kramers ungewollter Kunstschuss ja auch was Gutes, denn noch so eine Floskel gilt: Aus Niederlagen kann man lernen...

Borussia gegen Borussia, das ergab in der Summe: Gladbach hat mehr Zweikämpfe verloren (in der ersten Halbzeit gefühlt jeden, außer Martin Stranzl). Gladbach war gedanklich langsamer. Gladbach hat so gut wie keinen abgewehrten oder abgeprallten Ball erobert. Und Dortmund presste brillant, ließ den Gegenspielern keinen Raum. Das hoch gelobte Kombinationsspiel der Gäste konnte Dortmund indes nicht unterbinden — es fand gar nicht statt.

Das neue Dortmund...

Die Erfolgsserie ist gerissen, und die nach diesen 18 niederlagenlosen Spielen geschriebenen Schlagzeilen wie „Gladbach ist das neue Dortmund“ eingemottet. Sich selbst hat die Elf vom Niederrhein nie so gesehen. Und es ist auch nicht zu befürchten, dass die ja durchaus berechtigten Lobeshymnen der vergangenen Monate so manch einem Spieler zu Kopf gestiegen sind. Vielmehr scheinen Kopf und Akkus leer zu sein nach den intensiven Wochen.

Für Trainer Lucien Favre ist dies kein Erklärungsversuch für die Niederlage, doch die anstehende Pause dürfte den Gladbachern gut tun — zumindest denen, die sie haben. Kramer und Kruse, Sommer und Korb, Traoré und Johnson sowie Nordtveit und Hrgota sind mit verschiedenen Nationalteams unterwegs, wobei speziell Christoph Kramer nach dem WM-Rausch, der unvollständigen Vorbereitung und der hohen Belastung eigentlich dringend eine Pause benötigen würde.

Noch hat Borussia drei, sechs und zehn Punkte Vorsprung auf Leverkusen, Schalke und Dortmund. Und bei allem Respekt für Hannover und Hoffenheim, Augsburg, Mainz, Paderborn und Köln: Diese drei Vereine sind Gladbachs Haupt-Konkurrenten auf dem Weg ins internationale Geschäft. Als nächste Hürde stellt sich in zwölf Tagen Frankfurt in den Weg. Der in Dortmund überragende Sommer gibt die Richtung vor: „Wir wollen dann wieder an das anknüpfen, was uns in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hat.“

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