Mönchengladbach: Die fehlende Konzentration bleibt Lucien Favres Lieblingsthema

Mönchengladbach : Die fehlende Konzentration bleibt Lucien Favres Lieblingsthema

So entspannt hätte man Lucien Favre nach diesem aufregenden, hinreißenden Spiel gar nicht erwartet. Äußerlich unbeeindruckt von dem offensiv beeindruckenden und defensiv oft fehlerhaften Auftritt seiner Mannschaft analysierte Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre das Aus in der ersten K.o.-Runde der Europa League nach dem 2:3 gegen Titelverteidiger FC Sevilla.

Der Schweizer verteilte viele lobende Worte an seine Mannschaft, um am Ende das anzusprechen, was ihn am meisten beschäftigt. Und spätestens bei diesem Satz wurde klar, dass die äußere Fassade nur das Brodeln in ihm verdeckte. „Wir müssen lernen, die Konzentration über das ganze Spiel halten zu können. Das ist ein Qualitätsmerkmal, das uns der Gegner voraus hatte“, urteilte der 57-Jährige.

Eigentlich mag der Perfektionist nicht gerne über das Thema Konzentration sprechen, das klinge immer ein bisschen so nach Ausrede, findet er. Aber es ist genau das Thema, das die derzeitige Borussia daran hindert, solche Gegner in zwei Spielen nicht nur spielerisch zu dominieren, sondern auch das Ergebnis in ihrem Sinne zu gestalten.

Enorm viel gelaufen sei die Mannschaft, sie habe fast 75 Prozent Ballbesitz gehabt, viele Chancen kreiert und sei in beiden Partien das spielerisch bessere Team gewesen, resümierte Favre vollkommen berechtigt, „insgesamt war das sehr, sehr positiv“. Doch aus dem Topf der Achtelfinalisten wurde der FC Villarreal dem FC Sevilla zugelost — und eben nicht der Borussia.

Das Spiel, das den anwesenden Zuschauern trotz der Niederlage noch lange als richtig guter Fußballabend in Erinnerung bleiben dürfte, war der nächste Schritt im Reifeprozess der Borussen, der sichtbare Fortschritte zeigt. Das Ausscheiden in der Europa League vor zwei Jahren bei Lazio Rom ist nicht vergleichbar mit dem wesentlich stärkeren Auftritt in diesem Jahr.

Zumal der Gegner eine ganz andere, nun ja, Klasse besitzt als die Römer. Die Spanier arbeiteten mit allen Mitteln, besonders gerne mit denen, die man nicht sehen möchte. Lamentieren und reklamieren, Zeit schinden und Theater machen, es war nicht schön, aber effektiv. „Ich habe keine Spieler, die immer Theater machen“, sagte Favre, „so etwas hasse ich.“

Sonntag gegen Paderborn

Die Niederlage muss schnell verarbeitet werden, denn schon morgen wartet mit dem SC Paderborn die nächste Aufgabe, am Mittwoch geht die Reise im DFB-Pokal zu Viertligist Kickers Offenbach. Zwei Begegnungen, in denen die Mönchengladbacher favorisiert sind, zwei Spiele, in denen Stranzl und Co. eigentlich nur verlieren können. Oder aber beweisen, dass der Reifeprozess weiter geht.

Das gilt im Speziellen für Granit Xhaka. Der immer noch junge Schweizer, 22, schadete mit seiner unnötigen Aktion vor dem Platzverweis der Mannschaft, auch wenn er selbst die Gelb-Rote Karte als „Witz“ bezeichnete. Mit ein bisschen mehr Zurückhaltung hätten die Spanier nicht darüber lachen können...

Kapitän Martin Stranzl gibt die Richtung vor: „Wir haben noch große Ziele, und auf die müssen wir uns nun konzentrieren, jetzt zählen die Ergebnisse in der Liga, da brauchen wir einen Dreier gegen Paderborn, um oben dran zu bleiben.“ Gegen den Aufsteiger dürfte es am Sonntag (15.30) wieder mehrere Umstellungen geben nach dem erfolglosen Kraftakt, die leicht angeschlagenen Alvaro Dominguez und Patrick Herrmann könnten wieder spielen.

Mögliche Aufstellung: Sommer - Korb, Stranzl, Jantschke, Wendt - Kramer (Nordtveit), Xhaka - Traoré, Hahn - Hazard (Johnson), Hrgota

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