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Gladbachs legendäres 6:0: Deutsch-israelische Annäherung mit einem Fußball-Kantersieg

Gladbachs legendäres 6:0 : Deutsch-israelische Annäherung mit einem Fußball-Kantersieg

Am 25. Februar 1970 trat Borussia Mönchengladbach als erster deutscher Erstligist nach dem Holocaust in Israel an – mit mulmigem Gefühl. Doch nach einem furiosen Auftritt waren sich Deutsche und Israelis näher als zuvor.

Es ist die Geschichte einer besonderen Freundschaft, einer politisch brisanten Reise und eines Fußballspiels, das die Menschen am Ende zu Tränen rührte: Am 25. Februar 1970 trat Borussia Mönchengladbach als erster deutscher Bundesligaklub seit dem Holocaust zu einer Partie in Israel an. „Geheimmission Tel Aviv – wie Fußball die Geschichte veränderte“, heißt ein in der ARD-Mediathek zu sehender Beitrag, der zeigt, wie die diplomatische Welt in Erstaunen versetzt wurde und wie Fußball Feindschaften überwinden konnte.

„Uns war damals gar nicht richtig klar, dass das ein wichtiger Beitrag zur Annäherung zwischen Deutschland und Israel war“, sagte der damalige Nationalspieler Herbert Laumen (76) mit Blick auf das Grauen des Mordes an sechs Millionen Juden durch Nazi-Deutschland.

Unterstützung durch Willy Brandt

Auf Initiative der beiden befreundeten Trainer Hennes Weisweiler und des damaligen israelischen Nationalcoachs Emanuel – genannt Eddy – Schaffer sowie der Unterstützung des deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt kam es zu einer Begegnung, die große Bedeutung für die angesichts des Geschichte besondere deutsch-israelische Beziehung hatte. Zudem entwickelte sich eine Verbundenheit zwischen dem Bundesliga-Klub und Israel, die bis heute anhält.

Horst Köppel, der wie die anderen Mannschaftskollegen erst kurz vor dem Termin über die Reise informiert worden war, hatte zunächst überhaupt kein gutes Gefühl. „Uns war auch nicht besonders wohl bei dem Gedanken, jetzt nach Israel zu reisen. Aber die Angst ist schnell verflogen. Heute überwiegen die positiven Seiten“, sagte der 71-Jährige im Rückblick auf eine nicht ungefährliche Reise mit einer Maschine der Bundesluftwaffe.

Auch Günter Netzer (75) machte deutlich, dass alle Mitspieler die Reise für zu gefährlich hielten. „Die Mannschaft hat einheitlich gesagt, wir gehen nicht nach Israel.“ Zu Beginn des Monats hatte es eine Reihe von antisemitischen Anschlägen, Bombenattentaten und den Versuch der Entführung eines Flugzeugs der israelischen Fluggesellschaft El Al gegeben.

Umso faszinierter waren die Gladbacher – von denen keiner wusste, wie sie als Deutsche empfangen werden – von den Reaktionen nach dem 6:0-Sieg der an diesem Abend spektakulären Borussia. Die 22.000 Zuschauer im Bloomfield-Stadion in Tel Aviv standen auf ihren Plätzen und bejubelten den großartigen Auftritt.

„Das war so euphorisch und begeisternd, die haben uns umarmt und auf Schultern getragen, diese Reaktionen waren unfassbar toll“, sagte Netzer. Trotzdem habe auch in diesem Moment noch keiner der Gladbacher daran gedacht, was das politisch bedeuten könne. „Im Nachhinein hat uns das über alle Maßen gefreut, dass hier 25 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs gewissermaßen über den Sport eine Annäherung stattgefunden hat.“

„Das war ein Gänsehauterlebnis“, sagte sein Mannschaftskamerad Laumen, dessen Filmaufnahmen mit einer Super-8-Kamera für den späteren Filmbeitrag die Grundlage bilden sollten. „Wir reden heute noch darüber wie gut wir damals gespielt haben“, meinte Köppel. „Ich bin schon stolz, damals dazugehört zu haben.“

Aus dieser historischen Begebenheit entstand eine enge Beziehung zwischen dem Klub vom Niederrhein und dem Staat Israel. Die Borussen verpflichteten Anfang der 70-er Jahre in Shmuel Rosenthal den ersten israelischen Spieler für die Bundesliga, hielten einige Winter-Trainingslager in Israel ab und spielten häufiger gegen israelische Mannschaften.

Trainerhospitanten aus Israel kamen regelmäßig nach Mönchengladbach. Der ehemalige Borussen-Star Lothar Matthäus trainierte sogar eine kurze Zeit den Klub Maccabi Netanya. „Im Rückblick muss ich schon sagen, dass wir mit diesem Ereignis Geschichte geschrieben haben und einen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet haben“, sagte Köppel.

(dpa)