Der Kader 2019/2020 von Borussia Mönchengladbach

Bundesliga-Saison 2019/2020 : Das ist der Kader von Borussia Mönchengladbach

Am Sonntag startet Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach in die Vorbereitung für die neue Saison. Trainer Marco Rose bringt aus Salzburg ein neues System mit und trifft in Gladbach auf eine intakte Mannschaft. Wir stellen die einzelnen Spieler und Positionsgruppen vor.

Die Saison beginnt für Borussia Mönchengladbach bereits am 9. August. Im DFB-Pokal spielt die Elf vom Niederrhein um 20.45 Uhr beim Zweitligisten SV Sandhausen. Unter Neu-Trainer Marco Rose soll der nächste Schritt in der Entwicklung der Mannschaft gemacht werden. Vor allem im Sturm wird es eine neue Ausrichtung geben: hin zu mehr Körperlichkeit, weg von Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Doch reichen die Qualität und Quantität für eine lange Saison mit mindestens sechs Europa-League-Spielen?

Das zeigt die Kaderübersicht für die Saison 2019/2020. Angefangen wird mit dem Trainerteam rund um Marco Rose.

Trainer

Nach einem desaströsen Auftritt in der vergangenen Saison in Düsseldorf am 30. April wurde die Trennung von Trainer Dieter Hecking zum Saisonende verkündet. Als neuer Übungsleiter kommt Marco Rose von Red Bull Salzburg. Der 42-Jährige stand bei vielen Vereinen, auch in der Bundesliga, auf dem Zettel. Umso mehr dürfte es Sportdirektor Max Eberl gefallen haben, den umworbenen Ex-Bundesligaspieler für die Neuausrichtung von Borussia Mönchengladbach gewinnen zu können. Er ist ein bodenständiger Typ, hat keinerlei Profile in sozialen Netzwerken und kann auch über sich selbst lachen. Bei einer Presserunde sagte er gegenüber der WZ über sein Tattoo am rechten Oberarm: „Das ist eine betende Hand. Das habe ich als junger Spieler gemacht. Da hatte ich zu viel Zeit.“ Rose kommt mit zwei Meistertiteln und der Erfahrung von 24 Europa-League Spielen an den Niederrhein. Zwar gebe es keinen „Rose-Fußball“, wie er sagt, dennoch ist mit offensivem Fußball und hohem Pressing zu rechnen. Damit soll er die Gladbacher in den Top-7 der Bundesliga halten – spielt Mönchengladbach doch nun nach zwei Jahren Abstinenz wieder international. Neben den taktischen Veränderungen – vermutlich wird er wieder mit Doppelspitze agieren wollen – bringt er auch seinen vertrauten Assistenten-Stamm mit.

Sein Co-Trainer Rene Maric ist mit 26 Jahren bereits ausgewiesener Taktik-Blogger und ohnehin fußballverrückt – im positiven Sinne. Zusammen konnten die beiden mit der U19-Mannschaft von Salzburg die Uefa-Youth-League gewinnen. Das Erfolgsmodell aus Taktik-Nerd und Ex-Spieler setzte sich dann bei der Profimannschaft fort.

Als weiterer Co-Trainer steht Rose auch Alexander Zickler zur Seite. Der Ex-Spieler gilt als „Stürmer-Flüsterer“ und soll sich vor allem um die Offensiv-Abteilung der Fohlen kümmern. Während seiner aktiven Karriere bei Bayern München und Red Bull Salzburg netzte er über 150-mal ins gegnerische Tor ein.

Frank Geideck bleibt auch unter Marco Rose im Trainerteam der Borussia. Er kennt die Bedingungen rund um den Borussia Park in- und auswendig. Bereits seit 2009 ist er am Niederrhein tätig und bringt viel Erfahrung aus seiner Zeit mit den Cheftrainern Lucien Favre, Dieter Hecking oder auch André Schubert mit.

Als Trainer des Übergangsbereichs folgt auf Otto Addo in der neuen Saison Eugen Polanski. Die letzte Saison neu geschaffene Position soll Talente an die erste Mannschaft heranführen. Otto Addo wechselt seinerseits zu Borussia Dortmund, wo diese Position neu geschaffen wurde. Vor allem die Beispiele Cuisance und Bénes zeigen die Wichtigkeit dieser Funktion. Diese Erfolge sollen bei Bennetts, Poulsen und Co. am besten wiederholt werden.

Uwe Kamps, das Gladbacher Urgestein, bleibt weiterhin Torwart-Trainer der Borussia. Unterstützt wird Kamps, wie schon vergangene Saison, von Steffen Krebs, der den 55-Jährigen vor allem bei den Trainingseinheiten entlasten soll.

Tor

Bereits seit 2014 hütet der Schweizer Yann Sommer das Tor von Borussia Mönchengladbach. Seitdem ist er auch immer als unangefochtene Nummer Eins in die Saison gegangen. Das wird sich in der anstehenden nicht ändern. Der 30-Jährige wurde nach dem Ende der Saison von den Gladbacher Fans zum Spieler der Saison gekürt und stellte einen sicheren Rückhalt für die Hecking-Elf dar. In 34 Bundesligaspielen blieb er 13 Mal zu Null. Nur Péter Gulácsi von Leipzig steht mit 16 Spielen zu Null vor dem Schweizer Schlussmann. Sommer gehört ohne Wenn und Aber zu den Top-Keepern der Bundesliga. Das wird auch Neu-Trainer Rose so sehen.

Sein Vertreter Tobias Sippel, seit 2015 im Verein, wird sich erneut mit der Rolle der Nummer Zwei abfinden müssen. Neid oder schlechte Laune sind beim Teamplayer allerdings nicht zu finden. Ein Einsatz im Pokal oder in der Europa League ist denkbar, aber eher unwahrscheinlich. Sollte Yann Sommer ausfallen, steht Sippel als adäquater Ersatz bereit.

Ganz ohne Veränderung geht es aber auch bei den Torhütern nicht. Moritz Nicolas wurde für zwei Jahre an Aufsteiger Union Berlin verliehen und soll Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln. Perspektivisch wird ihm die Nachfolge von Yann Sommer zugetraut. Als Ersatz wurde Max Grün geholt. Der Keeper war zuletzt bei Darmstadt und Wolfsburg tätig, große Aufmerksamkeit erregte er aber als Nummer Eins von Greuther Fürth im Jahr 2011. Als Nummer Drei sollte sich der 32-Jährige allerdings keine allzu große Hoffnung auf Pflichtspieleinsätze machen.

Verteidigung

Wer beerbt Oscar Wendt als Linksverteidiger? Und vor allem wann? Der schwedische Routinier ist immerhin schon 33 Jahre alt und wirkte in der vergangenen Saison so, als käme er nicht mehr an sein absolutes Leistungsniveau heran. Im Sommer 2018 wurde zwar der dänische U21-Nationalspieler Andreas Poulsen als potenzieller Nachfolger verpflichtet, doch nachdem er 2018 und 2019 kein Pflichtspiel für Gladbach absolvierte, bleibt abzuwarten, ob er der einzige Backup für Wendt bleibt – in einer Saison mit Dreifachbelastung.

Mit Stefan Lainer (26) konnte die Borussia für kolportierte 12 Millionen Euro einen international begehrten Rechtsverteidiger von Red Bull Salzburg verpflichten. Viel Geld für einen Spieler, auf dessen Position mit Michael Lang und Jordan Beyer durchaus Erfahrung und Potenzial vorhanden ist. Lainer aber soll zu dem Führungsspieler werden, der Michael Lang hätte sein sollen. Er lebt die Philosophie von Rose und kann sie perfekt an seine Mitspieler weitergeben, sollte Rose einmal nicht die richtigen Worte finden. Im Umkehrschluss kann das aber auch heißen, dass mit Beyer oder Lang nicht mehr als Rechtsverteidiger geplant wird. Beyer könnte in die Innenverteidigung rücken, oder Lang den Verein verlassen – nach nur einer Saison. Womöglich entspricht der 28-jährige Schweizer auch nicht dem Anforderungsprofil von Rose.

In der Innenverteidigung sind die A-Nationalspieler Nico Elvedi (Schweiz) und Matthias Ginter gesetzt. Sie bildeten vor allem in der Hinrunde vergangene Saison eine der besten Abwehrreihen der Bundesliga. Mit 95,2 Prozent brachte Elvedi die meisten Pässe aller Bundesliga-Spieler an den Mann. Hinter den beiden Stammspielern finden sich Tony Jantschke, Mamadou Doucoure und Florian Mayer – und natürlich Beyer. Fohlen-Urgestein Jantschke überzeugt seit Jahren als solider und flexibler Rückhalt und wird auf seine Einsätze in der Saison kommen. Die Plätze von Elvedi und Ginter wird er nachhaltig jedoch nicht angreifen können. Doucoure, bereits vor drei Jahren als vielversprechendes Talent von der U19 von Paris-Saint-Germain gekommen, hangelte sich von Verletzung zu Verletzung. Komplizierte Muskelverletzungen verhinderten bisher den Durchbruch des 21-Jährigen. Diese Saison nun könnte die Stunde des Franzosen schlagen. Er sei seit einiger Zeit beschwerdefrei und soll behutsam aufgebaut werden, heißt es bei der Borussia. Auch, weil man in Gladbach am besten weiß, wie man den jungen Franzosen belasten kann und muss, wollen die Verantwortlichen um Sportdirektor Max Eberl Doucoure nicht an einen anderen Verein ausleihen. Florian Mayer dürfte zwar hauptsächlich für die U23 eingeplant sein, könnte aber ähnlich wie Beyer vergangene Saison ins kalte Wasser geworfen werden.

Medienberichten zufolge wollen die Gladbacher noch einen Innenverteidiger und oder einen Linksverteidiger verpflichten. Ein Spieler, der auf beiden Positionen einsetzbar ist, wäre Malang Sarr von OGC Nizza. Die aufgerufene Ablösesumme für Sarr bewegt sich jedoch in ähnlichen Gefilden wie von Vorjahres-Rekordtransfer Alassane Plea (rund 23 Millionen Euro). Vermutlich zu hoch für die Borussia, obwohl Eberl durch die recht günstige Verpflichtung von Breel Embolo noch finanziellen Spielraum aufzuweisen hat.

Mittelfeld

Rose wird zur neuen Saison wieder zum in Mönchengladbach altbekannten 4-4-2-System zurückkehren – diesmal aber mit einer Mittelfeldraute. Das dürfte vor allem den zentralen Mittelfeldspielern Jonas Hofmann, Florian Neuhaus, Michael Cuisance, Denis Zakaria und Rückkehrer László Bénes zu Gute kommen. Auf der Sechs, dem zentralen defensiven Mittelfeld, wird die Wahl auf Christoph Kramer und Tobias Strobl fallen.

Cuisance drängt nach seiner sehr starken Auftaktsaison und einer durchwachsenen vergangenen Saison auf mehr Spielzeit. Bénes blickt auf eine erfolgreiche halbjährige Leihe bei Holstein Kiel zurück. Immerhin sammelte er in 15 Spielen insgesamt acht Scorer-Punkte. Die beiden sollen den bisherigen Stammkräften Konkurrenz machen und sich für höhere Aufgaben empfehlen. Die Tatsache, dass die Borussia wieder international vertreten ist, dürfte Cuisance und Bénes helfen, mehr Spiele zu absolvieren.Generell ist das Mittelfeld eher überbesetzt. Eine Verpflichtung des hochgehandelten Xaver Schlagers von Salzburg hätte dementsprechend keinen Sinn gemacht. Rose ist zufrieden mit den vorhanden Spielertypen.

Ein hochveranlagter Neuhaus, der eine beeindruckende Debut-Saison hinlegte: Vier Tore und zehn Vorlagen erhöhen zwar den Druck auf den U21-Nationalspieler, doch Rose wird wissen, wie er den Mittelfeldspieler behandeln und einsetzen muss. Hofmann, Kramer und Strobl gehören zu den erfahrensten Spielern dieser Positionsgruppe. Sie sollen die jungen Spieler führen und das Team in heiklen Phasen stabilisieren.

Denis Zakaria gehört zwar auch zu den Erfahrenen, hat aber noch sehr viel Entwicklungspotential. Auch er wird als Führungsspieler gefragt sein und kann sich durch das neue System noch mehr offensiv einbringen. Seine Wucht und Körperlichkeit sollten der Mannschaft vor allem in aggressiven Pressing-Phasen helfen.

Doch was passiert mit den Flügelstürmern Johnson, Traoré und Herrmann im neuen System?

Sturm

Der Sturm war die größte Planstelle für Eberl und Rose. Mit Josip Drmić ist ein etatmäßiger Mittelstürmer für die Doppelspitze weg. Sein Vertrag wurde trotz eines überzeugenden Schlussspurts mit zwei Toren in drei Spielen nicht verlängert. Wohl auch, weil der 10-Millionen-Stürmer das große Versprechen nicht einlösen konnte – auch aufgrund mehrerer Verletzungen. Er heuert in der Premier League bei Aufsteiger Norwich City an.

Mit dem festen Neuzugang Breel Embolo und einem sehr wahrscheinlichen Zugang von Marcus Thuram von EA Guingamp hat Eberl seine Hausaufgaben gemacht. Es sollte eben kein klassischer Hazard-Nachfolger – wechselt für knapp 25 Millionen Euro zu Borussia Dortmund – geholt werden, sondern die Spielertypen, die Rose für sein System braucht. Die beiden verschaffen dem Angriff der Borussia nun eine Note, die in den Jahren zuvor eher vernachlässigt wurde: Wucht und Körperlichkeit. Echte Stoßstürmer suchte man neben edlen Technikern wie Hazard, Traoré oder Raffael vergeblich. Drmić oder auch Luuk de Jong waren damals Versuche, diese Komponente in den Kader einzubauen. Doch entweder scheiterten die Spieler am System oder an sich selbst. Im 4-4-2 dürfte vor allem Embolo aufblühen. War er in Schalke eher auf dem Flügel positioniert, rückt er in Gladbach wieder in seiner Paraderolle. Jene, die Schalke 2016 dazu veranlasst hatte, über 25 Millionen Euro an den FC Basel zu überweisen. Bereits damals wollte Gladbach den Schweizer verpflichten. Nun klappt, wie schon bei Ginter 2017 und bei Drmić 2015, im zweiten Anlauf.

Thuram ist seinerseits ein ähnlicher Spielertyp wie Embolo, hat aber deutlich weniger Erfahrung im internationalen Fußball. Trotz guter Leistungen des Sohns des französischen Welt- und Europameisters Lilian Thruam stieg sein Verein EA Guingamp aus der Ligue 1 ab. Neun Tore in 32 Spielen sprechen jedoch für sich. Er wird sich erst einmal an die Bundesliga gewöhnen müssen. Zwar spielte Thuram bei EA (das EA steht für En Avant, auf Deutsch „nach vorne“) vermehrt auf dem linken Flügel - eine Position, die es in Roses System nicht mehr geben wird - Erfahrung als Mittelstürmer kann er aber auch aufweisen. Mit Plea steht ihm ein erfahrener Landsmann zur Seite. Der französische Knipser wird auch von Embolo profitieren. Der Druck kann nun auf mehrere Schultern verteilt werden. Embolo kann im neuen System auch mehr als „Stresser“ fungieren, der die gegnerischen Abwehrreihen aufmischt, um so auch Platz für Plea zu schaffen

Die Stärken von Lars Stindl sind klar definiert. Im neuen System könnte er nun, anders als beim Großteil der vergangenen Saison, wieder eine Position nach hinten rücken. Auf die Schnittstelle zwischen Stürmern und Mittelfeldspielern. Das dürfte dem Ex-Hannoveraner besser liegen, da er sich dann mehr in das Spiel einbringen kann und es nach seinen Vorstellungen leiten kann: Angriffe inszenieren, Konter einleiten und das gegnerische Aufbauspiel stören.

Edeltechniker Raffael dürfte über eine (Edel-)Joker-Rolle nicht hinauskommen. Zwar hatte er auch vergangene Saison seine herausragenden Momente, doch mit seinen 34 Jahren ist er nicht der Archetyp für den aggressiven Pressing-Fußball von Marco Rose. Doch auch er wird auf seine Spiele kommen. Gerade gegen tiefstehende Gegner wird seine Dribbling-Stärke gefragt sein. Weniger Einsatzzeit dürfte Julio Villalba bekommen. Dem 20-Jährigen wird noch immer zum Verhängnis, dass er als Nicht-EU-Ausländer keine Spiele für die U23-Mannschaft von Gladbach absolvieren darf. Testspiele oder eine Leihe sind die wahrscheinlichsten Möglichkeiten, um Erfahrung zu sammeln. Das Potential hat er zwar, doch für die erste Mannschaft wird es in der kommenden Saison nicht reichen. Ähnlich ist der Fall bei Nachwuchsstürmer Torben Müsel. Er kann jedoch über die U23-Mannschaft Pflichtspielminuten sammeln und sich so an die erste Mannschaft herankämpfen.

Flügelstürmer wie Ibrahima Traoré, Fabian Johnson oder Patrick Herrmann müssen sich unter Rose nun am meisten anpassen. Herrmann würde man den Schritt zum Stürmer wohl noch am ehesten zutrauen. Traoré könnte auf die Position hinter den Stürmern rücken. Auch als Integrationsspieler für die beiden französischen Neuzugänge ist er eine Bereicherung für das Team. Johnson als zentraler Mittelfeldspieler ist allerdings schwer vorstellbar. Unklar ist auch, ob Eberl Johnson nach durchwachsenen und verletzungsreichen Saisons überhaupt behalten will. Er ist bereits 31 Jahre alt sein Vertrag endet im nächsten Jahr. Neben Thuram sollen aber auch noch Alexis Claude-Maurice (21) vom FC Lorient und Flavien Tait (26) von Angers auf dem Zettel der Borussia stehen. Thuram würde allerdings am besten ins Anforderungsprofil von Gladbach passen.

Fazit