Borussia Mönchengladbach: Dank Thuram und viel Kampf in Runde 2

Borussia Mönchengladbach : Dank Thuram und viel Kampf in Runde 2

Ein Magier ist auch Marco Rose nicht. Die Matchwinner-Rolle für den Weltmeister-Sohn Marcus Thuram hatte der neue Trainer bei seinem Pflichtspiel-Einstand für Borussia Mönchengladbach natürlich so nicht einkalkuliert.

„Wenn ich das planen könnte, wäre ich Zauberer. Das bin ich nicht“, sagte der neue Trainer von Borussia Mönchengladbach nach dem ungewöhnlichen Stresstest im DFB-Pokal beim SV Sandhausen schon wieder entspannt. Mit dem gehypten Rose als Nachfolger von Dieter Hecking ist um die Gladbacher eine gestiegene Erwartungshaltung entstanden.

Nach seiner Premiere, die wegen eines Gewitters am Freitagabend beinahe ausgefallen wäre, kehrte der 42-Jährige mit der Erkenntnis an den Niederrhein zurück, dass noch vieles fehlt zu seiner Wunschvorstellung. Immerhin hatte er dank des neuen Offensivspielers Thuram aber auch die Gewissheit, die erste Pokal-Aufgabe mit dem mühsamen 1:0 beim Zweitligisten SV Sandhausen überstanden zu haben.

„Wir sind sicher noch einen Schritt weg von der Form, die wir uns irgendwann erarbeiten wollen“, bilanzierte der Coach. Als „inhaltlich ausbaufähig“ bezeichnete er den Auftritt vor 13.695 Zuschauern und hoffte dennoch auf einen positiven Schub. Grundsätzlich klang seine To-do-Liste für die Trainingsarbeit bis zum interessanten Auftakt in der Fußball-Bundesliga am Samstag gegen den FC Schalke 04: Zweikämpfe führen, auf „blöde“ Fouls verzichten, „sauber“ spielen: „Es ist schon eine kleine Schleife. Ich erzähle immer wieder dasselbe.“

Im Hardtwald-Stadion war es am Ende nur der Kopfball von Thuram, der den Unterschied zwischen dem ambitionierten Erstligisten und dem Zweitligisten ausmachte, der in der vergangenen Saison gegen den Abstieg kämpfte. Für geschätzt rund neun Millionen Euro hatte sich die Borussia den 22 Jahre alten Sohn des französischen Weltmeisters von 1998, Lilian Thuram, gesichert. „Man sieht, dass er uns gut tun kann. Wir sind froh, dass wir ihn haben. Jetzt müssen wir ihn entwickeln“, sagte Rose, kritisierte den Stürmer aber auch, den er nach einer Stunde auswechselte: „Er braucht noch zu viele Pausen.“

In der 19. Minute hatte der Franzose die Gladbacher mit seinem schönen Kopfballtreffer jubeln lassen. Beinahe wäre es allerdings gar nicht so weit gekommen. Nach Blitz und Donner sowie heftigem Regen hatten die Gladbacher nach Worten des Coaches zwischenzeitlich die Information erhalten, dass das Spiel verlegt werden würde. „Man hat Glück gehabt, dass das zweite Gewitter nicht über das Stadion gezogen ist, sondern ein Stück weit daneben“, sagte Sportdirektor Max Eberl und fühlte sich an die Absage des Champions-League-Spiels in Manchester vor drei Jahren erinnert. „Gefühlt haben wir drei Stunden auf dem Platz gestanden und uns viermal aufgewärmt“, sagte Gladbachs Sechser, Tobias Strobl.

Während SVS-Präsident Jürgen Machmeier über Schiedsrichter Robert Hartmann schimpfte und sich auch Gastgeber-Trainer Uwe Koschinat bei einem nicht gegebenen Elfmeter in der Endphase benachteiligt fühlte, erwies sich Eberl als selbstkritisch. „Wir haben einen Stürmer, der aus einer Chance ein Tor macht – das hat die Partie entschieden. Aber es war ein Spiel auf Augenhöhe. Sandhausen hat es sehr gut gemacht.“

Was Machmeier und Koschinat nicht erwähnten war die zum Teil überharte Gangart ihrer Mannschaft. „Von der Härte im Spiel war es an der Grenze. Ich habe aber keine Unfairness gesehen. Unsere Jungs haben gut dagegengehalten. Sie sind immer wieder aufgestanden. Das muss man ihnen auch hoch anrechnen.“

Thuram und Borussias Abwehrchef Matthias Ginter standen in der Tat wieder auf. Jonas Hofmann schaffte dies nicht. Der Mittelfeldspieler wurde bei einem Kopfballversuch von SV-Stürmer Rurik Gislason unterbaut, prallte unkontrolliert und hart auf den Rasen auf und konnte nicht mehr weiterspielen. Untersuchungen am Wochenende ergaben einen Innenbandriss im rechten Knie, Hofmann fällt wochenlang aus.

(dpa/red)
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