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Mönchengladbach: Borussias gebremster Sprung auf Platz 3

Mönchengladbach : Borussias gebremster Sprung auf Platz 3

Wütend schmetterte Lucien Favre die Wasserflasche auf den Boden. 2:2 seiner Mönchengladbacher gegen den VfL Wolfsburg — und der erste ungefilterte Kommentar des Schweizer Trainers beim fluchtartigen Abgang durch den Spielertunnel in die Kabine: „Merde! Shit!“

Fünf Minuten fehlten Borussia für den letzten großen Coup des Jahres. Doch auch der erste Punktverlust im Borussia-Park in dieser Saison bringt Mönchengladbach vorbei an Borussia Dortmund auf einen sensationellen dritten Platz. Der Drei-Punkte-Abstand zu Wolfsburg bleibt — hätte sich aber bei einem Sieg verdoppelt.

Und während Favre sich beim Sky-Interview immer noch geladen und kurz vor der Explosion den Kopfhörer aus dem Ohr riss, duldete auch Favre-Kollege Dieter Hecking kein Hindernis beim Sturmlauf in die Wolfsburger Kabine, und wurde — fast blind vor Enttäuschung — beinah von Mönchengladbachs Internats-„Vater“ Wolfgang Lintjens mit einem hoch mit Alu-Kisten bepackten Schubkarren über den Haufen gefahren.

„Es war ein Super-Fußballspiel“

Wenige Minuten später lagen sich beide Fußballlehrer zumindest in ihrer Analyse in den Armen: „Es war das, was ich prognostiziert habe: Es war ein Super-Fußballspiel“, so hecking Favre pflichtete bei. „Es war toll für die Zuschauer.“ Ein Spitzenspiel, das den Namen auch verdiente. Bezeichnend, dass sich der Zuschauer auf keine Dominanz-Situation einrichten konnte.

Gladbach begann stark, näherte sich kombinationssicher immer mehr dem gegnerischen Tor — doch alle Zuspiele in die Tiefe blieben hängen. Dieser Leerlauf brachte die Gäste ins Spiel, die durch Ivica Olic (21.), Diego (24.) und erneut Olic inklusive Nachschuss von Maximilian Arnold (28.) näher an der Führung waren — auch weil sie zielstrebiger wirkten.

Nach der Pause wurden die Bremsen gelöst. Erst auf Seite der Wolfsburger, für die Diego eine Rodriguez-Reingabe ins kurze Eck stocherte (53.). „Ein Schweinetor“, knurrte Max Eberl, als er die Szene noch einmal im Fernseher sah. Doch ein Tor, das Borussias Sportdirektor erlaubte, von den „Nehmerqualitäten“ seiner Mannschaft zu schwärmen.

Denn nun drehte Gladbach auf. Und ironischerweise mit Raffael, der eigentlich als Musterschüler Favres gilt. In diesem Moment aber schien er bewusst alle taktischen und Kombinations-Fesseln zu sprengen. Er verkniff sich das x-te Abspiel, zog unaufhaltsam und energisch mit dem Ball Richtung Tor und hämmerte diesen ebenso entschlossen ins lange Eck. 1:1 — ein Tor, das der Brasilianer unbedingt wollte (59.).

Pikanterweise entzog sich auch die Gladbacher Führung der Ballzirkulations-Qualität der Favre-Elf. Als wenn Diego Borussias Südamerika-Fraktion mit seiner Führung herausgefordert hätte, schlug nun Arango zu. Aus 27 Meter zirkelte der Venezolaner einen Freistoß zum 2:1 direkt in den Winkel (64.).

Das Stadion tobte — und Hecking auch. Mit Co-Trainer Dirk Bremser spielte er sein privates 2:1 an der Außenlinie: beide gegen Favre. Das Trainer-Gespann echauffierte sich über einen Zweikampf, bei dem Christoph Kramer Arnold in die Parade gefahren war. Der Wolfsburger blieb liegen, Gladbach spielte weiter, und Caligiuri langte gegen Patrick Herrmann zu.

Diesmal pfiff Günter Perl — zum Vorteil für Arango. Der Ausgleich des eingewechselten Dost (86.) sorgte bei Hecking für eine partielle Amnesie. „Ich weiß es schon gar nicht mehr“, lautete seine Auskunft über den Trainer-Zwist.

Favres Enttäuschung saß tiefer. Über die ungenutzten Chancen zum 3:1 (Kramer/Kruse) und die Art, wie das 2:2 fiel. Oscar Wendt verdaddelte den Ball in der Vorwärtsbewegung, Dost profitierte. Aber tapfer sagte der Borussen-Coach: „Wir müssen positiv denken.“

Das gelingt Max Eberl leichter. „Da, wo wir jetzt stehen, stehen wir verdient.“ Platz 3 — mit Bodenhaftung, wie Martin Stranzl beweist: „Wir als Konkurrenz von Dortmund, das ist ein schönes Thema — für die Medien.“