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Mönchengladbach: Borussias Befreiungsschlag ist eher ein zäher Lernprozess

Mönchengladbach : Borussias Befreiungsschlag ist eher ein zäher Lernprozess

Auf das „erste Gehör“ mutete die Bemerkung von Trainer Dieter Hecking etwas übertrieben an. „Manchmal ist so ein Sieg schöner als ein 5:0.“ Seine Gladbacher hatten gerade 2:0 gegen den FC Augsburg gewonnen, eher ein Arbeitssieg als ein Fußballfest, was gegen die Fuggerstädter immer naheliegend ist.

Aber um die verbale Beinah-Euphorie des genmäßig recht drögen Westfalen zu verstehen, muss man sich das anschauen, was belesene Leute den Context nennen.

Es war ein besonderer Sieg unter besonderen Bedingungen. Und nicht alle hatten was mit Sport zu tun. Auf diesem Nebenschauplatz war Borussias temperamentvoller Sportdirektor Max Eberl unterwegs, als er erst sein Mütchen an einem Sky-Reporter kühlte, um anschließend den schreibenden Journalisten in die Blöcke zu diktieren: „Wir haben gegen Köln kein schlechtes Spiel gemacht und sind trotzdem eine Woche durchs Dorf getrieben worden.“

Worum es inhaltlich bei der medialen Saujagd gegangen war, machte das Urteil von Matthias Ginter deutlich. „Wir haben uns gewehrt.“

Die Leistung war also auch in den Augen des Innenverteidigers eine Reaktion auf die Derby-Niederlage. Oder pädagogisch ausgedrückt: eine Lektion. Dafür waren die Augsburger mit ihrer speziellen Spielweise ein idealer Gegner. „Sie spielen sehr einfach und effektiv“, beschrieb Eberl die Qualitäten der Gäste. Und fasste die Begegnung ebenso einfach zusammen: „Hochverdient, gekämpft und Fußball gespielt.“

Die Kombination geht den Gladbachern nicht immer so ganz leicht von den Füßen. Zumal das Duell mit Augsburg zwei Aufgaben bereithielt, an denen Raffael & Co. in dieser Saison bereits gescheitert waren. Nach dem Bilderbuch-Kopfball durch Ginter (10.) und einer für die Verhältnisse (Derby-Niederlage in den Knochen und Gedanken) passablen Vorstellung, kamen womöglich Erinnerungen hoch. Auch gegen Bayer Leverkusen hatte man vorne gelegen, nur wie jetzt auch aber nur die eine Möglichkeit genutzt — und war dann nach der Halbzeit kopf- und strukturlos nach vorne gerannt, was Bayer mit fünf Toren bestrafte.

Und die jüngste Hürde, die Gladbach so spektakulär vor einer Woche riss, war das Unvermögen, zumindest ein 1:1 in Köln sicher nach Hause zu bringen. Beides passierte diesmal nicht. Aber es war ein mühevoller Lernerfolg. Zu viele Konterchancen blieben ungenutzt. Und in dieser Phase gelang es Ginter & Co. trotz der Anschiebeversuche von Hecking und Torwart Yann Sommer nicht, sich nicht so tief reindrängen zu lassen. „Aber es ist ein gutes Gefühl, dass wir in der Lage sind, auch so etwas zu überstehen“, sagte Ginter.

Der Nationalspieler scheint eine pädagogische Ader zu besitzen. „Ich habe Thorgan vor dem Spiel gesagt, dass er mal flach schießen soll“, erzählte der Ex-Dortmunder. Mit dieser Anregung bereitete er den Weg für das spektakuläre 2:0, das erst in der 90. Minute die Spannung aus dem Spiel nahm. Hazard eilte nach einem bravourösen Ballgewinn von Ginter Richtung Augsburger Tor, schnell, gradlinig — und „tricky“: Statt den Ball zu Stindl oder Hofmann quer zu legen, zog er flach und wuchtig ab. „Ich hab alles reingelegt“, beschrieb der Belgier. Würde er das öfter so spektakulär machen, würde er wohl nicht mehr allzu lange das Trikot von Borussia Mönchengladbach tragen.