Borussia Mönchengladbach vor wichtigem Spiel in Hannover

China-Reisefieber erwischt nun auch Borussia : Mönchengladbach und das nächste besondere Spiel

Um auf Europa-Kurs zu bleiben, muss die Borussia beim Tabellenletzten Hannover so leidenschaftlich spielen wie gegen Bremen. Stindl könnte dabei wieder in die erste Elf rutschen.

Besondere Spiele erfordern eine besondere Herangehensweise. Es geht also nicht um Alltag, besondere Spiele in Reihe wären eine Absurdität, was für Borussia Mönchengladbach zum Problem werden könnte. Das Spiel eins nach der Degradierung von Dieter Hecking auf einen Trainer für nur noch sechs Wochen lieferte mit dem 1:1 gegen Werder Bremen zumindest einen Teilerfolg.

Spiel zwei ist nicht weniger besonders, eher mehr: Die Partie eines Tabellenfünften beim -letzten, dessen Präsident Martin Kind den Abstieg bereits als definitiv erklärt hat, wird im Vorfeld mehr denn je auf die Papierform reduziert. Der Favorit, hier die Borussia, ist zum Sieg verdammt, der Außenseiter, Hannover 96, kann nur gewinnen.

Damit nicht genug: Beim Remis gegen Werder konnte Hecking daraus schöpfen, dass die Besonderheit des Spiels von allen Seiten – vor allem von den Spielern selbst – akzeptiert wurde. Mit dem Ergebnis: Christoph Kramer und seine Kollegen riefen mehr als das Normale ab.

Dieser Aufwand war zwingend, ist aber nicht beliebig reproduzierbar. Besonders nicht für eine Mannschaft, deren Stärke das Spielerische ist und die auch nach diesem Kriterium zusammengestellt wurde. Das Temperament und die Emotionalität strengt ein Team wie die Elf vom Niederrhein mehr an als etwa die Kampfspieler von Eintracht Frankfurt.

Diesen individuellen und kollektiven Input kann ein System abfedern, das durch Automatisierung und Struktur die Kraftreserven der Profis schont und damit über eine gesamte Saison wirksam bleiben lässt. Selbst Pressing kann dadurch zum all(spiel)täglichen Instrument werden, nicht permanent über seine Grenzen gehen zu müssen. Das aber beherrscht die Hecking-Elf nicht systematisch, einsame statt gemeinsame Versuche besitzen lediglich Symbolcharakter.

Deshalb ist der Ansatz des Gladbacher Trainers – „Das 3-5-2 ist nicht in Stein gehauen!“ – für die Aufgabe in Hannover nicht nur Hecking gemäß sehr pragmatisch. Ungewollt belegt er, dass Gladbachs einzige Chance „Einstellung first“ ist. Diese noch sechs Spiele haltbar zu machen, könnte ein körperliches und psychisches Problem werden. Der Kampf um Europa verlangt eine Verschiebung der (Leistungs-)Grenzen – nach oben.

Mehr von Aachener Zeitung