Mönchengladbach: Borussia Mönchengladbach und die geballte Kader-Qualität

Mönchengladbach : Borussia Mönchengladbach und die geballte Kader-Qualität

Die Lobeshymnen sind im Laufe der Woche langsam abgeebbt. Das wird Dieter Hecking ganz lieb gewesen sein. Borussia Mönchengladbachs Trainer hatte bereits am Abend des Erfolgs über Bayer Leverkusen die Leistung seiner Mannschaft durchaus gewürdigt, aber sie auch gewohnt nüchtern eingeordnet: „Es ist uns ein Sieg zum Auftakt gelungen. Mehr nicht!“

An dem Mehr können seine Fußballer am Samstag arbeiten: ab 15.30 Uhr in Augsburg. Eine nicht uninteressante Paarung, bei der die erhoffte, gesehene und lange gewünschte neue mutige Spielweise einer weiteren Prüfung unterzogen wird.

Der gemeine Bundesligabetrachter würde wegen seiner allgemeinen Kenntnisse der Klubs und ihrer Eigenarten wohl von Augsburg als einem unangenehmen Gegner sprechen. Ein Trainer aber muss in der obersten deutschen Spielklasse Insider für 17 Konkurrenten sein. Und natürlich ist es aus der Sicht eines Fußballlehrers ebenso sinnvoll, wenn man in der öffentlichen Vorbesprechung einer Partie sorgenvoll die Stirn kräuselt und warnende Worte versendet.

Die „neue“ Qualität des FCA

Dabei muss man nicht jeden Trainer gleich ernst nehmen. Heckings Vorvorgänger etwa jazzte jeden Kontrahenten zu einer kaum zu besiegenden Übermannschaft hoch. Doch der jetzige Gladbacher Coach ist kein passionierter Bedenkentrainer wie Lucien Favre.

Der Westfale hat’s nicht so mit dem Aufbau von Scheinriesen. Umso bemerkenswerter, wenn der Westfale eindringlich vor der „neuen“ Qualität der bayrischen Schwaben, die weit über das Prädikat „unangenehm“ hinausgeht, warnt: „Die Augsburger besitzen nicht nur Mentalität. Sie besitzen in der Breite einen Kader, der sehr gut ist.“ Und zählt einige Prototypen für diese Qualität auf: den heiß begehrten Philipp Max, die Ex-Gladbacher Martin Hinteregger und André Hahn, Offensivkräfte wie Caiuby, Michael Gregoritsch und den talentierten Marco Richter (20).

„Keine leichte Entscheidung“

Nun würde sein Augsburger Kollege Manuel Baum im Gegenzug seine Aufzählung der individuellen Stärken des Gegners wahrscheinlich auf der Gladbacher Auswechselbank starten. Und hoffentlich sich das inflatorisch und seit dem Sommer eher verlegen benutzte Etikett „Weltmeister“ bei Christoph Kramer verkneifen. Der Mittelfeldspieler steht auch so genug für Qualität. Und Hecking betonte ein weiteres Mal, es sei „keine leichte Entscheidung gewesen“, gegen Leverkusen auf den 27-Jährigen zu verzichten.

Das könnte diesmal anders sein. Nicht, weil ein beleidigter Kramer seine Enttäuschung im Training ausgelebt hätte. Er setzte wegen eines Infektes mehrmals mit dem Training aus. Aber auch ohne diese Entscheidungshilfe könnte es dem Gladbacher Coach schwerfallen, den Lückenzuläufer Favre‘scher Prägung für Tobias Strobl auf einer Position zu bringen, die strategische und zweikämpferische Fähigkeiten verlangt. Bleibt der Fußballlehrer bei einem System mit nur einem Sechser, sollte Kramer sich möglichst schnell umschulen (lassen). Auch wenn Hecking sicher ist: „Chris wird das nicht kampflos hinnehmen.“

Und als ob das neue Gedrängel um die Stammplätze noch nicht extrem genug wäre, erzählt der Gladbacher Trainer noch eine Reservisten-Anekdote aus dem Training. „Denis Zakaria steht kurz vor seiner Bestform. Am Mittwoch hat er im Training als rechter Verteidiger gespielt und es überragend gemacht.“ Womöglich ist der Schweizer Zweikampfexperte in seiner Umschulung schon weiter als sein ehemaliger Sechserpartner Kramer. Beides aber wird in Augsburg wohl noch nicht relevant sein.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Beyer, Ginter, Jantschke, Wendt - Hofmann, Strobl, Neuhaus - Hazard, Raffael, Johnson

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