Borussia Mönchengladbach: Ramy Bensebaini ist mehr als eine B-Lösung

Vor dem Spiel in Mainz : Ramy Bensebaini und Gladbachs neue Zweikampfschärfe

Der algerische Verteidiger Ramy Bensebaini ist keiner, den die Gegenspieler lieben, auch nicht im Training. Für das Auswärtsspiel in Mainz reicht es aber wohl noch nicht.

Unter dem Eindruck des letzten Vorbereitungsspiels gegen den FC Chelsea (2:2) formulierte Marco Rose eine Mahnung: „Wir müssen auch härter gegen uns selbst werden!“ Diese Erkenntnis des Trainers von Borussia Mönchengladbach besaß durchaus Drohcharakter.

Und ein Stück weit war er damit bereits erfolgreich, wie das Kampfspiel gegen Schalke am vergangenen Samstag bewiesen hat. In einem etwas anderen Sinn halfen er und natürlich auch Sportdirektor Max Eberl dieser Entwicklung personell nach: Die Auswirkungen der Verpflichtung von Ramy Bensebaini werden in der Zukunft viele Gegenspieler zu spüren bekommen.

Ein Einsatz am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr bei Mainz 05 kommt aber noch zu früh, „er braucht noch ein, zwei Wochen, um spielfähig zu sein“ (Rose). Der Algerier gilt als beinhart, diese „Tugend“ zeigte er nicht nur individuell beim Afrika-Cup vor wenigen Wochen. Die Mannschaften aus den Maghrebstaaten lehrten dort kollektiv die schwarzafrikanischen Teams das Fürchten, obwohl auch diese in puncto Zweikampf keine Kinder von Traurigkeit sind.

Bevor aber Rose seinen algerischen Terrier auf die Bundesligagegner loslassen kann, kommen die Teamkollegen in den Genuss seiner Bissigkeit. Die Schienbeinschoner werden beim Training stärker in Anspruch genommen, und auch die Zweikampfhärte wird allgemein geschärft.

Einen ähnlichen Typen, der auch wenig unterschied zwischen Vorbereitung und Pflichtspiel, besaß Gladbach schon mal in seinen Reihen. Die Verantwortlichen schwärmen noch heute von Dante – unter Hans Meyer verpflichtet und außerhalb des Spielfeldes ein ausgewiesener Sympathie-Bolzen –, der zum Leidwesen vieler damaliger Kollegen das Training völlig unbrasilianisch extrem ernst nahm, sich damit bei ihnen nicht unbedingt beliebt machte, aber die Übungseinheiten auf ein neues Level hob.

Muss noch an seiner Spielfitness arbeiten: Ramy Bensebaini. Foto: imago images / Jan Huebner/via www.imago-images.de

Schaut man sich die heutigen Abwehr-Kollegen von Bensebaini an, kommt ihm in Sachen Zweikampfhärte allein Stefan Lainer nahe. Matthias Ginter, Nico Elvedi und letztlich auch Linksverteidiger Oscar Wendt, den der algerische Verteidiger mittelfristig ersetzen soll, gehören eher zur Kategorie nette Fußballer: Die „Negativ-Tugenden“ unangenehm, tun weh und möchte man nicht gerne gegen spielen gehören nicht zu ihrem Repertoire.

Unter dieser Prämisse ist Bensebaini auch keineswegs eine B-Besetzung für die linke Seite, nachdem der Transfer von Malang Sarr (OGC Nizza) nicht zustande kam –  aus finanziellen Gründen, wie kolportiert wurde. Nicht unwahrscheinlich ist vielmehr, dass der Neu-Borusse von Stade Rennes bewusst erwählt wurde, weil er den körperlich hohen Anforderungen Roses näherkam als der eher technisch versierte Sarr.

Weiteres Indiz für die Richtigkeit dieser These ist das Plus an Erfahrung und Physis auf der Innenverteidiger-Position, die Bensebaini mitbringt und damit auch Roses Spielformations-Möglichkeiten erweitert. „Wir werden nicht immer mit Raute spielen“, kündigte er nach dem 0:0 gegen Schalke an. In der Defensivzentrale einer Viererkette oder als Linksaußen einer Dreierkette könnte der 24-Jährige der Mannschaft weiterhelfen.

Ein Effekt dieses Transfers, der auch in Mainz wieder sichtbar werden könnte, ist der erhöhte Konkurrenzdruck. Wendt zeigte gegen Königsblau eine äußerst konzentrierte Leistung. Der schwedische Routinier spürt den heißen Atem Bensebainis im Nacken, und auch Rechtsfuß Elvedi darf sich auf der linken Innenverteidigerposition keine grundlegende Schwächeperiode leisten. Andererseits fördert der algerische Nationalspieler neben dem Konkurrenzdruck auch die Rotationsmöglichkeiten für Marco Rose, die spätestens nach den ersten Partien in der Europa League notwendig werden.

Die Spieler, die in den kommenden Wochen aus ihren Verletzungen herauskommen, vergrößern diese nötigen Optionen. Für Samstag schafft es aber erstmal nur Christoph Kramer in den Kader, Tobias Strobl muss weiter pausieren. Speziell Bensebaini, aber auch Strobl hätten in Mainz durchaus eine wichtige Hilfe sein. Rose erwartet die 05er nach der „Ergebnisgeschichte als sehr aggressive Mannschaft, die bis zum Letzten um Punkte kämpfen wird“.

Von seinem eigenen Team erwartet der ehemalige Salzburger Coach im Duell mit seinem Freund Sandro Schwarz, dass es nicht wie gegen Schalke „die Ruhe am Ball verliert“. Dazu könnte Kramer einen Beitrag leisten, selbst als Einwechselspieler.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Wendt - Benes, Zakaria, Neuhaus, Johnson - Thuram, Pléa

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