Medizinischer Notfall: Borussia Mönchengladbach mit Verspätung nach Istanbul

Medizinischer Notfall : Borussia Mönchengladbach mit Verspätung nach Istanbul

Schon im zweiten Gruppenspiel steht Borussia Mönchengladbach in der Europa League unter Druck. Trotz des 0:4 gegen Wolfsberg ist das Selbstbewusstsein vor dem wichtigen Spiel in Istanbul riesig. Grund dafür ist das bisherige Auswärts-Auftreten.

Auch die verspätete Anreise nach Istanbul konnte das Vertrauen in die neu entdeckte Auswärtsstärke bei Borussia Mönchengladbach nicht erschüttern. Entsprechend eindeutig sind die Forderungen vor dem bereits richtungsweisenden zweiten Gruppenspiel in der Europa League bei Basaksehir Istanbul am Donnerstag (18.55 Uhr/DAZN). „Nach der Heimniederlage gegen Wolfsberg müssen wir in Istanbul im besten Fall gewinnen, um in der Gruppe den Anschluss zu behalten“, formulierte Sportdirektor Max Eberl unmissverständlich vor dem um zwei Stunden verspäteten Abflug in die Türkei am Mittwoch.

„Dass wir auswärts so erfolgreich spielen können, gibt uns ein gutes Gefühl. Wichtig ist, dass wir diese Leistungsbereitschaft auch mitnehmen. Wir dürfen nicht glauben, dass es mit weniger geht. Wir müssen noch mehr investieren“, forderte Eberl nach bislang vier Siegen in vier Pflicht-Auswärtsspielen in dieser Saison. Eine solche Auswärtsbilanz hatte die Borussia in der Liga zuletzt in der bislang letzten Meister-Saison 1976/1977.

„Wir gehen mit voller Power rein“, versprach Torhüter Yann Sommer daher. „Wir wollen zeigen, dass mit uns in dieser Gruppe noch zu rechnen ist. Wir müssen einfach so auftreten wie in der Bundesliga.“

Auch eine deutliche Verspätung wegen eines Notfalls auf einem vorherigen Flug an Bord der gebuchten Chartermaschine und der dadurch leicht durcheinander gebrachte Ablauf in Istanbul störten die Borussen kaum in ihrer Zuversicht, die nur kurz beim desaströsen 0:4 gegen den österreichischen Provinzclub vor zwei Wochen weg war. Zwei Bundesligasiege später sind kaum noch Selbstzweifel vorhanden.

In der Türkei wurden die Gladbacher mit hochsommerlichen Temperaturen von knapp 30 Grad empfangen. Ungewöhnlich dürfte am Donnerstag beim türkischen Vize-Meister auch die Atmosphäre im Fatih-Terim-Stadion sein. Gerade einmal 17 000 Zuschauer fast das Stadion. Die fanatische Stimmung wie in vielen türkischen Stadien wird es daher wohl nicht geben. Der Zuschauerschnitt beim Herzensclub des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan liegt bei unter 5000. Ein Großteil der Zuschauer am deutschen Feiertag dürfte vom Niederrhein kommen. „Wir nehmen wie es kommt“, sagte Sommer dazu.

Der erst 2014 gegründete und von staatlichen Firmen großzügig unterstützte Retortenclub aus Istanbul verlor wie die Borussia am ersten Europa-League-Spieltag 0:4, allerdings bei AS Rom. Der Druck für Basaksehir ist somit nicht weniger groß. Bereits am zweiten Spieltag steht ein richtungsweisendes Spiel für beide Teams an. Wer verliert, hat schon deutlich geringere Chancen aufs Weiterkommen - insbesondere für die Gladbacher ist dies aber das Minimalziel.

„Unser Ziel ist es, in diesem Wettbewerb zu überwintern. Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Deshalb wäre es schon wichtig, in Istanbul zu punkten. Natürlich stehen wir durch die Niederlage gegen Wolfsberg schon unter Druck“, sagte Trainer Marco Rose, dessen Team bei zwei Gruppen-Teilnahmen in der Europa League (2012/2013 und 2014/2015) bislang noch nie in der Vorrunde scheiterte. Beide Male starteten die Borussen ebenfalls nicht gut. 2012 standen nach den ersten beiden Spieltagen nur ein Punkt, zwei Jahre später nur zwei Zähler zu Buche. „Jetzt gilt es einfach, dass wir in der Europa League in die Spur finden. Wir wollen in allen drei Wettbewerben so weit wie möglich kommen“, forderte Rechtsverteidiger Stefan Lainer.

Auf Kapitän Lars Stindl müssen Rose und die Borussia noch verzichten. Nach seinem Schienbeinbruch im April ist der Nationalspieler zwar seit einiger Zeit wieder im Training und wäre gerne mitgeflogen. „Aber er ist noch keine Option“, sagte Rose vor dem Abflug. Stattdessen ist in Connor Coß ein A-Jugendlicher erstmals dabei.

(dpa)
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