Borussia Mönchengladbach gegen Angstgegner RB Leipzig

Erster Hochkaräter der Saison : Gladbach-Sieg gegen RB wäre historisch

Borussia Mönchengladbach hat noch keines der sechs Bundesliga-Spiele gegen RB Leipzig gewonnen. Vor dem Duell mit dem ersten dicken Brocken der Saison hat Trainer Marco Rose eine klare Forderung an seine Mannschaft.

Der dritte Bundesliga-Spieltag. Aha! Der dritte Gegner für Borussia Mönchengladbach. Oh! Einer, gegen den die Mannschaft nicht von Marco Rose, aber die Teams von Dieter Hecking und André Schubert noch nie gewonnen und die drei Heimspiele sogar alle verloren hat. Au weia! RB Leipzig also, der alimentierte Ostklub, der es mit Geld und Knowhow innerhalb von drei Jahren geschafft hat, sich in der Spitze der höchsten deutschen Fußball-Klasse zu etablieren. Hmmmm! Last not least: Der Mannschaft von Neu-Trainer Rose kommt in der jungen Geschichte der Spielzeit 2019/2020 der erste dicke Brocken in die Quere. Oh lala!

Dabei eint beide Teams, dass ihr Fußball in einer andere Dimension definiert wird: nicht quer, sondern vertikal. Und beide Vereine wollen Veränderung durch neue Ideen eines neuen Fußballehrers. Für Leipzig gilt das saisonübergreifend. Das aggressive Spiel gegen den Ball ist den Ostklub-Spielern bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Das hat RB zuletzt bereits auf Platz drei, zuvor auf Rang sechs und in der Aufstiegssaison auf Platz zwei gebracht. Der neue Trainer Julian Nagelsmann soll nun die Jagdqualitäten mit einem spielerischen Akzent auf ein neues, komplettes Niveau hieven. Eine Weiterentwicklung bzw. Ergänzung also.

Roses Zeitrafferunterricht

Inhaltlich ähnelt sich das Lernprogramm von Pléa & Co. Aber für die Gladbach-Profis ist ersteinmal ein Umbruch grundlegend. Der Aktiv- und Sprintfußball ist für den bisher auf Ballbesitz- und Kombinationsfußball getrimmten Kader komplett neu. Die Weiterentwicklung à la Leipzig ist somit für die Schüler von Marco Rose Teil eines Zeitrafferunterrichts. Fundament (Arbeit gegen den Ball) und Hochbau sind beide neu und Letzteres setzt die Basis voraus. Eine doppelt besetzte Entwicklung also. Das ist der Grund, warum Rose nach dem Sieg in Mainz fast entschuldigend anmerkt: „Ein Spektakel haben wir noch nicht gezeigt!“

Geduld wird weiterhin ein nötiger Wegbegleiter der Borussia anno 2019 sein. Doch deshalb ist ein Ausreißer in der Entwicklung, ein Ausschlag in einer linearen Kurve weder verboten noch illusorisch. „Wir müssen von Anfang an hellwach sein und das Spiel Stück für Stück auf unsere Seite ziehen“, sagt Rose. Helfen würde auch, wenn es seinen Spielern gelänge, das zu realisieren, was er ihnen geraten hat. „Die Handbremse lösen!“ Das geht nicht auf Knopfdruck, aber im Training immerhin sieht der Gladbacher Trainer Phasen, in denen dies bereits beeindruckend gelingt. Und auch der erste Dreier in Mainz war zwar wie zuvor das Schalkespiel eng und hartumkämpft.

Aber es gab auch Spurenelemente der häufig noch fehlenden Kreativität und Spielfreude. Wie gegen die Königsblauen am ehesten im letzten Drittel des Spiels, was damit möglicherweise kein Zufall mehr ist. Die Physis ist noch nicht am Limit, aber sie wächst in die Richtung. Und damit nimmt auch die Wahrscheinlichkeit zu, trotz hoher Belastung den Kopf klar genug zu bekommen, um auch mal eher fußballerische Akzente zu setzen. „Das Bewältigen einer Krise oder ein besonderer Sieg“ kann eine Mannschaft zusammen- und auch ansich wachsen lassen. Das Duell mit RB Leipzig wäre so ein passender Moment.

Und zum Glück entwindet sich Marco Rose der dritten Aufführung eines „Freundschaftsspiels“: Gegen Schalke wurde sie als Duell der Klopp-Freunde (Rose und Wagner) beschrieben. Die Begegnung gegen Mainz erfuhr noch eine Steigerung als Duell der Freunde, Klopp-Freunde und -Spieler (Rose und Schwarz). Und jetzt die Aufgabe für den gebürtigen Leipziger und ehemaligen Trainer von RB Salzburg gegen RB Leipzig. „Meine Heimat Leipzig liebe ich sehr. Aber das Band zu RB Leipzig ist nicht so groß“, wiegelt der 42-Jährige ab. Gladbach gegen Leipzig, diese Konstellation bedarf keiner Personalisierung. Das Spiel am Freitagabend (20.30 Uhr/live auf DAZN) ist rein sportlich spannend genug.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Wendt - Zakaria - Benes, Johnson - Neuhaus - Thuram, Pléa

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