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Offenbach: Borussia glanzlos aber konzentriert weiter

Offenbach : Borussia glanzlos aber konzentriert weiter

Rico Schmitt hatte es am Tag zuvor recht plakativ formuliert. „Von 100 Fakten sprechen 97 gegen uns“, meinte der Trainer der auf Pokal-Sensationen eigentlich spezialisierten Offenbacher Kickers. Letztlich war es vor allem ein Fakt, der dem klassenniedrigsten Vertreter im Achtelfinale das Ausscheiden gegen Borussia Mönchengladbach bescherte: Ein törichter Moment in Form eines überflüssigen Handspiels leitete letztlich die 0:2 (0:0)-Niederlage gegen den Bundesligisten ein.

Ausgerechnet der wortgewandte OFC-Stürmer Markus Müller („Es ist eine Ehre, gegen Mönchengladbach zu spielen, aber wir sind nicht ehrfürchtig“) leitete mit einen kaum erklärbaren Blackout im eigenen Strafraum das Ausscheiden ein. Max Kruse verwandelte den Handelfmeter (52.). Patrick Herrmann ließ in der Schlussphase noch den zweiten Treffer folgen (83.). Damit war das Stoppschild für den aufmüpfigen Außenseiter perfekt. Die Hürde am Bieberer Berg nahm die Elf vom Niederrhein allerdings ohne jeden Glanz, aber darauf kommt es im DFB-Pokal bekanntlich als Letztes an.

Der Bundesliga-Dritte hat nach der erledigten Pflichtaufgabe und dem Erreichen des Viertelfinals nun zwei schöne Ziele vor Augen. Der dritte Bundesliga-Rang und das Pokal-Finale in Berlin: Damit wäre sicherlich jeder Anhänger der Fohlenelf glücklich. Der von Geldknappheit geplagte Viertligist, dessen Insolvenzverfahren wohl in einem Monat abgeschlossen sein wird, muss sich mit dem Trostpflaster von rund 700.000 Euro Bruttoeinnahme aus TV-Geld und Kartenverkauf begnügen. Für OFC-Coach Schmitt galt ja diesMaxime: „Wenn wir verlieren, geht die Welt nicht unter. Dann hatten wir einen guten Test vor der Punktrundenfortsetzung gegen Freiburg II.“

Lucien Favre sehr aktiv

Die Kickers-Anhänger, die auf der als komplette Stehplatztribüne dienenden Gegengeraden eine eindrucksvolle Choreografie inszeniert hatten, sollten an diesem kalten Märzabend schnell in Stimmung kommen. Gemäß dem von Unglücksrabe Müller tags zuvor postulierten Motto, dass auch die Gladbacher schlagbar seien, hielten die Amateure wacker mit. Mit Einsatz, Eifer und Elan verwickelte der OFC die Borussia in ein zähes Kampfspiel. Erstaunlich für ein Team, dessen letztes Pflichtspiel zuvor vom 2. Dezember vergangenen Jahre datierte. So wirkte Gladbachs Fußballlehrer Lucien Favre gar nicht zufrieden — immer wieder zeigte der Schweizer am Spielfeldrand Korrekturen an.

Analog zu der Borussia aus Dortmund am Dienstag in Dresden hatte auch seine Elf am Mittwoch mit den schlechten Platzverhältnissen zu kämpfen. Das unebene Terrain machte ein gepflegtes Kurzpassspiel unmöglich. Beinahe hätten die Offenbacher daraus einen Nachteil bezogen, als Stefano Maier bei einer tückisch aufspringenden Hereingabe gegen den Pfosten des eigenen Tores lenkte (9.). Ansonsten fiel dem Gast aber lange herzlich wenig ein. Die beste Chance vergab Thorgan Hazard, der nach Vorstoß von Patrick Herrmann eine Direktabnahme über die Latte setze (30.).

Besonders von den Flügeln erhielten die Gladbacher nur wenige Impulse. Der Ex-Offenbacher André Hahn wirkte an alter Wirkungsstätte vor den Augen seiner Lebensgefährtin Ragna Bauer, der Tochter des OFC-Aufsichtsratsmitglieds Jürgen Bauer, merkwürdig gehemmt. Der 24-Jährige kam kaum einmal bis zur Grundlinie durch und wurde nach 73 Minuten ausgewechselt — einzig sein Schussversuch mit dem Pausenpfiff blieb erwähnenswert (45.). Trotzdem gab es reichlich Beifall beim Seitenwechsel, und manch einer glaubte fest an eine Überraschung wie zuletzt gegen Fortuna Düsseldorf (2013) oder Borussia Dortmund (2010). Doch Müllers Hand war da irgendwie im Weg.