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Mönchengladbach/Aachen: Aufregender Fußball scheint programmiert

Mönchengladbach/Aachen : Aufregender Fußball scheint programmiert

Es ist viel die Rede von diesem Uralt-Rekord aus dem Jahr 1970/71, als die Borussia unter Hennes Weisweiler 17 Spiele lang in Pflicht-Auftritten nicht besiegt werden konnte. Die „Bild“ hat sogar Weisweilers Witwe Gisela zu diesem Thema interviewt, Ergebnis: „Ich gönne Favre den Rekord von meinem Hennes!“

Ob es am Sonntag gegen 17.15 Uhr tatsächlich soweit kommt? Wer in der Liga schon gegen die Münchner Bayern nicht verloren hat, im Europapokal nicht gegen den FC Villarreal und im DFB-Pokal nicht bei Eintracht Frankfurt, der sollte sich doch nicht vor 1899 Hoffenheim fürchten...

Gemach, gemach, die Partie gegen den Tabellenvierten ist die vielleicht heikelste Aufgabe bisher für Gladbachs Serientäter. Nicht wegen der Platzierung der Hoffenheimer, auch nicht wegen deren prima Bilanz gegen die Borussia (sechs Siege, vier Unentschieden, zwei Niederlagen). Die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol spielt einfach einen richtig guten Fußball, agiert ähnlich wie die Borussia aus einer im Vergleich zu den Vorjahren sattelfesten Defensive, ist schnell unterwegs und in der Offensive gesegnet mit hervorragenden Fußballern.

Firmino ist der Beste

Bester Fußballer im Team ist Roberto Firmino, 23. Und trotz aller Hoffenheimer Klasse in dieser Saison ist er eigentlich zu gut für die Mannschaft aus dem Rhein-Neckar-Kreis. Bis 2017 hat der Brasilianer seinen Vertrag verlängert, dem Werben zahlreicher europäischer Spitzenklubs eine Absage erteilt. Firmino sei ein „Meilenstein in unseren Planungen“ hat Trainer Markus Gisdol unlängst betont. Als 19-Jähriger fand der filigrane Techniker den Weg in den Kraichgau. Und wie bei dem einstigen Perspektivspieler, so muss auch die Entwicklung der TSG — Traditionalisten müssen diesen Satz schlucken — einmal ausdrücklich gelobt werden. Geld ist gewiss genug vorhanden, doch der Erfolg hat sich dank der kontinuierlichen und konstruktiven Aufbauarbeit eingestellt, seit Gisdol im Amt ist. Die Parallelen zur Borussia sind dabei unübersehbar. Wie einst Mönchengladbach 2011 nach dem Erfolg in der Relegation gegen Bochum den Erfolgsweg einschlug, so steht auch in Hoffenheim die überstandene Relegation gegen Kaiserslautern (2013) am Anfang des Erfolgs. Auf und neben dem Platz wird bei beiden Klubs effektiv und seriös gearbeitet, und die Worte von Roberto Firmino lassen sich auf die Borussia übertragen: „Wir spielen einen aufregenden Fußball, und der Teamgeist ist super.“

„Borussen-18, Borussen-20“

In Mönchengladbach ist trotz aller Erfolge und überragender Spiele kein Funken Selbstüberschätzung zu spüren. Lieber weisen Spieler und Trainer auf die Fehler hin, die die Gladbacher tatsächlich noch machen. Mit Blick auf die (unnötig spannende) Schlussphase im Pokalspiel sagte zum Beispiel Kapitän Martin Stranzl: „Durch die Passivität haben wir ein Tor bekommen, obwohl wir alles im Griff hatten.“ Worte, die Lucien Favre gerne vernimmt, denn sie beweisen, dass die Mannschaft längst nicht zufrieden ist mit dem Erreichten.

Dass es weiterhin Schlag auf Schlag geht, sind die Gladbacher seit Saisonbeginn gewohnt. Bundesliga, DFB-Pokal, Europa League — es bleibt fast keine Zeit, die Erfolgsserie zu genießen. Doch bislang steckt der Tabellenzweite die Dreifachbelastung ohne Verschleißerscheinungen weg, lässt sich durch die notwendige Rotation nicht aus dem Rhythmus bringen. Stranzl sprach nach dem Sieg in Frankfurt deshalb auch nicht von einer „Borussen-Elf“, sondern vielmehr von einer „Borussen-18 oder -20.“ In 16 Pflichtspielen schickte Favre bislang 16 verschiedene Startformationen ins Rennen. Auch am Sonntag, wenn ihm zwei Dinge ziemlich egal sein werden: Die Serie und sein 57. Geburtstag. „Wichtig ist nur, dass wir eine gute Leistung zeigen.“ (fö/dpa)

Mögliche Aufstellung: Sommer - Korb, Stranzl, Dominguez, Wendt - Jantschke, Kramer - Hahn, Herrmann (Traoré, Johnson) - Kruse, Raffael