1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Mönchengladbach: Auch der fußballerische Relaunch gelingt: Gladbach fertigt Wölfe ab

Mönchengladbach : Auch der fußballerische Relaunch gelingt: Gladbach fertigt Wölfe ab

„Neuer, frischer, moderner“: So lautet das Motto des Mönchengladbacher Relaunchs, das seit Freitag gilt. Die Neugestaltung eines alten Produkts also, aus der „Fohlenelf“ werden „Die Fohlen“, mit neuem Anstrich auch auf Bus und Homepage. Dem mochten sich die Mönchengladbacher Profis nicht entziehen und leisteten mit einem bemerkenswerten 3:0 über den abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg einen gelungenen Beitrag.

Einen Tag zuvor hatte Sportdirektor Max Eberl beim Rückblick auch auf die vergangene Saison noch sinniert: „Uns hängt der Dunst des Scheiterns in den Klamotten.“ An diesem Abend wurde durchgelüftet — auch fußballerisch.

Bei der Analyse oder, wenn man es etwas gehässig ausdrücken wollte, Rechtfertigung der Misere der Borussen in der Rückrunde verwies Hecking vor der Partie noch einmal auf die Verletzungsproblematik — wohl vorbereitet und unterstützt mit Zahlenwerk: „20 Profis haben 231 Spiele versäumt.“ Eine Ausfallquote von 32 Prozent also. Beeindruckend — im negativen Sinn.

Nun, Freitagabend war die Aufstellung kein Schreckensblatt, auf der Gladbachs Resterampe notiert war. Bis auf Jonas Hofmann, den normalerweise Rekonvaleszent Ibrahima Traoré ersetzt hätte, der aber immerhin auf der Bank saß, liefen die besten der besten Hecking-Schüler auf.

Darunter auch Lars Stindl, der in München gelbgesperrt war. Der „Capitano“ also zurück, es muss ein zwiespältiges Gefühl gewesen sein angesichts der Diskussionen über fehlende Führungsspieler. Der Mann hat sich aufgerieben, beim Confederations Cup, in der vergangenen Saison mit seiner Dreifachbelastung, in der aktuellen mit seiner durch die Verletzungsmisere verschärften Unverzichtbarkeit und seinem fast verzweifelten Kampf im letzten Drittel der Spielzeit um ein WM-Ticket.

Die zweiwöchige Zwangspause als Frischekur? Die Erwartungen waren hoch, programmatisch vorgegeben durch einen Trailer aus der guten, alten Zeit der Fohlenelf durch einen Trailer auf der Videotafel im Borussia-Park vor dem Anpfiff. „Ungezähmt, mutig, leidenschaftlich, immer nach vorn!“ Die Fohlenphilosophie — wenig später perfekt umgesetzt durch einen 29-Jährigen mit Pferdelunge. Stindl nutzte ein unfreiwilliges Zuspiel von Riechedly Bazoer mit einem wuchtigen Schuss in den Winkel zum 1:0 (8.). Keine Selbstverständlichkeit: In den letzten drei Spielen zuvor waren die Wolfsburger ohne Gegentreffer geblieben.

Das Tor hatte beim Kapitän offensichtlich noch mehr Adrenalin freigesetzt: Nach einem pfiffigen Zuspiel von Denis Zakaria scheiterte der ehemalige Hannoveraner nur knapp am Fuß von Wolfsburg-Keeper Koen Casteels (26.).

Hellwach und wuchtig

Nicht nur Stindl spielte nun groß auf, alle Gladbacher wirkten hellwach, gingen mit selten gesehener Wucht in die Zweikämpfe und auch nach vorn. So auch Raffael, der gedankenschnell einen von Casteels abgewehrten Hofmann-Schuss überlegt zum 2:0 ins Tor schoss (35.).

Wo kam nur plötzlich das Selbstbewusstsein her? Stindl versuchte sich mit einem Schuss von der Mittellinie, der über den rausgerückten Gäste-Keeper hinwegsegelte — aber auch übers Tor. Den Gipfel der Frechheit, auch ein Bestandteil der Fohlenphilosophie, aber lieferte Christoph Kramer. Bereits zuvor hatte er bei einem Freistoß vor dem Wolfsburger ein schnelles Zuspiel provoziert, doch damit überforderte der Mittelfeldspieler seinen Kollegen und auch den Schiedsrichter. Den zweiten Versuch unternahm Kramer lieber völlig allein: Als Hofmann kurz vor dem 16er von William gefoult wurde und Casteels am Pfosten stehend seine Wolfsburger Mauer baute, schob der Mittelfeldspieler den Ball blitzschnell ins andere verwaiste Eck, Schiedsrichter Tobias Stieler hatte anders als die VW-Kicker keine Einwände — 3:0, ein Geniestreich von Kramer (44.).

Gladbach blieb auch nach der Pause dominant. Und der leichtfüßige Hofmann hätte fast das I-Tüpfelchen mit einem brillanten Sololauf gesetzt. Casteels wehrte den Linksschuss mühevoll zur Ecke — doch der Ex-Dortmunder durfte dennoch vor der Nordkurve im Applaus baden (66.). So wie auch der Langzeitverletzte Traoré bei seinem Comeback zehn Minuten vor Schluss.