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Adi Hütter und Borussia Mönchengladbach: Am falschen Ort

Adi Hütter und Borussia Mönchengladbach : Am falschen Ort

Adi Hütter ist kein schlechter Trainer. Im Grunde ist der Österreicher Opfer eines Timings, das er nicht zu verantworten hat: Er war zur falschen Zeit am falschen Ort.

Adi Hütter muss sich einen Vorwurf machen: Er war nicht in der Lage, die psychische Wunde, die die Flucht seines Vorgängers Marco Rose und in der Rückrunde des Sportdirektors Max Eberl hinterlassen hatte, zu schließen. Der Österreicher ist kein Menschenfänger wie der heutige BVB-Trainer. Er ist distanzierter, aber auch ehrlicher, direkter und konsequenter. Das war kein betreutes Fußballspielen mehr wie in den zwei Spielzeiten zuvor. Hütter mag robuste Spieler, mit einer robusten Psyche und er mag robusten, physischen Fußball.

Zu viele zu sensible Profis

Ein Umerziehungsprogramm musste scheitern, weil ihm Eberl zu viele zu sensible Profis übergeben hatte, statt – wie bei den Verhandlungen versprochen – Hütter-Spieler hinzuzukaufen. Auch der Plan des damaligen Sportdirektors, mit einem sieben Millionen Euro teuren Erfolgstrainer auch zählbaren Erfolg zu schaffen, zumindest aber ein Dauer-Champions-League-Teilnehmer zu werden, war überzogen. Aber wirksam, um den Ex-Frankfurter an den Niederrhein zu locken. Deshalb wäre eine neue Saison mit einem frustrierten Trainer und frustrierten Spielern einem Himmelfahrtskommando gleichgekommen. Roland Virkus einzige Chance war, für die veränderten Gegebenheiten und Zielsetzungen einen passenden Trainer zu finden. Hütter war das nicht mehr. Teil 1 in seinem Lastenbuch kann der neue Sportdirektor abhaken. Teil 2 ist aber mindestens ebenso anspruchsvoll: Der Neue muss Ruhe in den dauergestressten Club bringen, wie einst Dieter Hecking, sich mit einer europalosen (Zwischen-)Zeit anfreunden können, der Mannschaft erfolgreiches Verteidigen beibringen und gleichzeitig eine Mutation der Offensiv-DNA des Traditionsclubs vermeiden. Gladbachs Ex-Trainer Lucien Favre hat das taktische Rüstzeug dazu. Doch der Schweizer ist nicht gerade stressresistent, seine Flucht im September 2015 nach fünf Jahren belegte seine Ratlosigkeit: Seine Idee von kontrolliertem, taktisch geprägtem Fußball hatte sich totgelaufen, befand sich in einer Sackgasse. Sinn macht seine Verpflichtung also nur, wenn sich der 64-Jährige weiterentwickelt hat. Es soll ja auch junge Trainer wie Daniel Farke geben, die moderne Menschenführung mit stabilen Fußball verbinden können. Virkus als ehemaliger Nachwuchsdirektor sollte das am Besten wissen.