Werner Fuchs: 20. Todestag des Trainers von Alemannia Aachen

20. Todestag von Werner Fuchs : Erinnerungen an einen Unvergessenen

Vor genau 20 Jahren starb Werner Fuchs. Alemannia Aachen stieg damals mit Trauerflor auf. Heute trifft sich das alte Team am Tivoli.

Wenn Monika Fuchs, was selten vorkommt, Alemannias Heimspiele nicht am Tivoli verfolgt, ist sie trotzdem live dabei. Sie wohnt gegenüber vom Stadion am Soerser Weg, und im Laufe der vielen Jahre hat sie gelernt, Spiele akustisch zu lesen. Tore, Gegentore, Ekstase, Unmut über den Schiedsrichter. Am Wochenende war sie bei Alemannias 3:4-Niederlage krankheitsbedingt nicht im Stadion, aber sie wusste natürlich trotzdem Bescheid. Sie kann das Stadion bequem zu Fuß erreichen aus ihrem Haus, das sie vor 40 Jahren mit ihrem Mann gekauft hat.

Für Werner Fuchs war der Weg damals der kurze Weg zur Arbeit, er begann seine Trainerkarriere 1984 am alten Tivoli. Sie endete dort, als er zum zweiten Mal für die Alemannia arbeitete auf tragische Art. Am 11. Mai 1999 brach er bei einem Waldlauf mit der Mannschaft mit einem Herzinfarkt zusammen.

Im letzten Heimspiel der Saison wird Monika Fuchs wieder vor Ort sein, Alemannias Partie am Samstag gegen den Bonner SC ist nur der sportliche Rahmen, es ist der 20. Todestag ihres Mannes. Auch wenn sich die Trauer im Laufe der Jahre verändert, sagt sie, bleibt es natürlich ein sehr schwieriger Tag. Ein Tag, an dem wieder vieler Erinnerungen hochkommen. Die Fan IG hat eine Choreographie vorbereitet, die Partie ist extra auf den Samstag verschoben worden, ursprünglich war sie für den Vorabend terminiert.

Immer, wenn Monika Fuchs nach dem 11. Mai wieder zu seinem Grab kommt, sieht sie da neue Gestecke und Kränze. Fans in Alemannia-Trikots haben sie abgelegt, einen Gruß für einen Trainer, der unvergessen bleibt. Die Spuren der Zuneigung sind bei jedem Spiel erkennbar, die Werner-Fuchs-Fahne ist immer mit dabei, die Anhänger haben irgendwann ihr Fanhaus nach dem Lieblingstrainer benannt, den sie auch „Mr. Alemannia“ nennen.

Kein anderer Trainer hat jemals solche Emotionen ausgelöst. 20 Jahre ist es her: Die Stadt taumelte ein bisschen vor Vorfreude, die Mannschaft stand nach einer unglaublichen Siegesserie in der Rückrunde vor dem Aufstieg in die 2. Liga. Das anstehende Spiel in Erkenschwick sollte die Krönung werden. Tausende Aachener hatten sich ein Ticket besorgt, Monika Fuchs hatte den Bus für die Spielerfrauen organisiert. Fünf Tage vor dem Spiel brach Werner Fuchs bei einem Waldlauf mit seiner Mannschaft zusammen und starb: Herzinfarkt mit 50 Jahren.

Die Mannschaft musste die letzten Meter zum Meistertitel ohne ihren Trainer zurücklegen. Die ersten Minuten in Erkenschwick verliefen schweigend, erst später kam der Ton zurück: „Werner Fuchs, du bist der beste Mann.“ Ein Aufstieg mit Trauerflor. Als Stefan Lämmermann nach seinem 2:0-Treffer ein großes Werner-Fuchs-Banner am Fanzaun umarmte, weinten Tausende Menschen im Stadion. Die Freude war groß, die Trauer noch größer. Als die Sieger am frühen Sonntagabend zum Tivoli zurückkehrten, schauten sie in ein Meer von Kerzen und Blumen vor der Kabine. Wohl nie hat die Stadt so viele geballte Gefühle wie in diesen Tagen erlebt. Trauer über den Tod des Trainers, Aufstieg, Beerdigung und Aufstiegsfeier – alles innerhalb weniger überwältigender Stunde. Eine Region im Ausnahmezustand.

Die Zuneigung für den Aufstiegstrainer war schon vorher da, sie wurde durch die tragischen Umstände nur verstärkt. „Werner war ein Menschenfänger“, erinnert sich Robert Moonen, Stadionsprecher am Tivoli seit Jahrzehnten. Mit Fuchs traf er sich nach dem Heimspielen in einem kleinen Kabuff. Die Männer gönnten sich dann eine Zigarette, um ein bisschen runterzukühlen. Fuchs war regelmäßig heiser von den 90 Minuten zuvor, als er seine Mannschaft pausenlos angefeuert hatte. Was Fuchs ausgemacht hat? „Er hat jeden mitgenommen, die Kiebitze beim Training, die Menschen in der Stadt und auch die komplette Kabine. Die Spieler gingen für ihn durchs Feuer, weil er Vertrauen schenkte.“ So sieht es Moonen, der langjährige Wegbegleiter.

Als Fuchs am Tivoli arbeitete, war der Verein wieder einmal nicht auf Rosen gebettet. Alemannia hatte einen Trainer, aber auch einen Kümmerer angestellt. Manchmal reparierte er den Drucker, dann präparierte er den Platz oder er hörte einem Fan mit privaten Problemen zu. „Er hatte für jeden ein offenes Ohr, das machte ihn so beliebt“, sagt Monika Fuchs. Diese allürenfreie Nahbarkeit begründet seine Popularität.

Keine Überflieger dabei

Man kann an den Auftritten von Fußballmannschaften immer auch ein paar Eigenschaften des Trainer ableiten, der sie anleiten. „Er war extrem ehrlich und sehr charakterstark“, sagt Christian Schmidt, der damalige Torwart. Die Aufstiegsmannschaft war keine Gruppe von sportlichen Überfliegern, erinnert sich Schmidt, aber die Zuversicht eines Trainers kann so eine Gemeinschaft durchaus beflügeln. „Werner“, so sieht es sein ehemaliger Spieler, „Werner stand für etwas.“

Lutz van Hasselt ist Alemannias akribischer Archivar und hat einen guten Überblick über die verschiedenen Trainertypen, die im Laufe der Jahre angeheuert wurden. Vor allen kann van Hasselt davon berichten, dass Trainer am Tivoli häufiger als die Saisontrikots gewechselt wurden. Werner Fuchs ist der Rekordhalter in der Klubgeschichte, fast sechs Jahre lang stand er bei seinen beiden Engagement den Aachener zur Seite. „Die Teams von Werner Fuchs haben immer ein großer Zusammenhalt ausgezeichnet“, sagt Lutz van Hasselt, der Chronist.

Fuchs feierte seinen größten Triumph am Tag der Arbeit, am 1. Mai 1990 ausgerechnet wieder am Tivoli, unweit der Stelle, wo er sein Eigenheim stehen hatte. Er stieg als Trainer mit Hertha BSC in die Bundesliga auf, das 1:1 verschlechterte zudem Alemannias Chancen auf den Klassenerhalt in der zweiten Liga kolossal. Jubelnde Gästetrainer auf dem Spielfeld sind beliebt wie schwalbensüchtige Stürmer. Fuchs aber durfte auf dem gegnerischen Platz feiern, er besaß alle Sympathien des Aachener Publikums. Er gehörte immer noch zur Alemannia.

Monika Fuchs ist Pfälzerin, sie ist mit ihrem Sohn Marco in Aachen in der Nähe des Tivolis geblieben, als ihr Mann nicht mehr da war. Sie hat mehrere Prozesse geführt und letztlich verloren, die Berufsgenossenschaft musste am Ende nicht zahlen. Eine freiwillige Teilnahme an einem Waldlauf sei keine Pflichtaufgabe des Trainers, war die Begründung, sagt sie.

Am Samstag ist auch die Aufstiegsmannschaft von 1999 eingeladen. Monica und Marco werden da sein. Es ist eine besondere Gruppe. Anfang des Jahres 1999 fuhr die Mannschaft, die sportlich nahezu abgeschlagen war, nach Obertauern. Vorher hatte Fuchs die Vorstands-Idee abgelehnt, den Kader mit einem namhaften Betrag zu verstärken. „Ich sehe keinen Spieler, der uns weiterhelfen kann“, teilte Fuchs mit und startete ins Trainingslager. Der Skiaufenthalt war ein Geschenk des Klubs für den Trainer zum 50. Geburtstag. Die Frauen durften mit, tagsüber wurde Sport betrieben, abends zusammen gefeiert. Werner Fuchs hat oft gesagt, dass in diesen Tagen in den Bergen der Grundstein für den Weg zum sportlichen Gipfel gelegt wurden. Solche Geschichten werden am Samstag wieder herausgekramt werden.

Die Gruppe, die ihre Triumphe am alten Tivoli gefeiert hat, trifft sich am neuen Tivoli. Und vielleicht geht es auch darum, dass viele sportliche Erfolge bis hin zum Bundesligaaufstieg erst möglich wurden, weil da jemand am Ende des letzten Jahrtausend die Basis dafür gelegt hat. Werner Fuchs, der Unvergessene.

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